Was vom Tage bleibt
Lügen haben kurze Beine

Ausgerechnet die SPD will nun den Bluff mit der Griechenlandhilfe enttarnen, eine gefälschte Meldung blamiert vermeintliche Fachleute und Behörden machen Stimmung gegen Energiekonzerne. Der Tagesrückblick
  • 2

Wunderschönen guten Abend,

Offenheit statt Vernebelung

Jetzt sieht es doch so aus, als ob die SPD den Bluff mit der Griechenlandhilfe beherzt enttarnen und das ganze Paket im Bundestag platzen lassen will. Hatte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier noch angedeutet, dass er zumindest den voraussichtlich völlig wirkungslosen Anleiherückkauf mittragen könne, sagt nun Carsten Schneider, der haushaltspolitische Sprecher der SPD: "Die Zeit der Lügen geht nun endgültig zu Ende." Es wäre gut, wenn er das auch Ernst meint. Die ganze Bilanz des Bailouts muss vor der Bundestagswahl offen gelegt werden. Dass jetzt ausgerechnet die SPD, die bisher eher dem unkritischen Helfersyndrom verfallen war, damit anfängt, ist überraschend, aber ehrenwert.

Blamage statt Recherche

Dass Lügen zuweilen extrem kurze Beine haben, zeigt ein vermeintlicher Zukauf des Internet-Riesen Google. Für den kleinen Hotspot-Betreiber ICOA habe der Konzern die astronomische Summe von 400 Millionen Dollar bezahlt, hieß es gestern. Doch heute kommt raus: Die Mitteilung war gefälscht. Die Aktie von ICOA sprang von 0,0001 US-Cent auf 0,0005 Cent - und wieder zurück. Unklar ist noch, wer an dieser Minidifferenz gut verdient hat. Sicher ist jedoch, dass sich einige vermeintliche Experten bis auf die Knochen blamiert haben: Denn zahlreiche Internetblogs und sogar die Nachrichtenagentur AP hatten die Meldung ungeprüft veröffentlicht.

Stimmung statt Aufklärung

In der Energiewende gibt es einen neuen Buhmann: Die großen Energiekonzerne. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt fordern die Bürger angesichts der Strompreiserhöhungen auf, ihren Anbieter zu wechseln. Zugleich kritisieren sie die angespannte Situation des Stromnetzes. Nicht angesprochen werden die eigentlich Schuldigen an dem Dilemma: Mit ihrer planlosen und inkonsequenten Energiepolitik haben diese Bundesregierung und ihre Vorgängerregierung ein heilloses Chaos angerichtet und die an sich dringend notwendige Wende zu erneuerbaren Energien eher behindert als befördert.

Forschen statt Jammern

Zum Abschluss eine wirklich gute Meldung: Bayer will nicht nur die Zentrale seiner Pharmasparte in Berlin halten, die deutsche Hauptstadt soll auch einer der beiden weltweiten Hauptforschungsstandorte bleiben. So miserabel scheint es also mit der Bildung in Deutschland doch nicht bestellt zu sein - allen Pisa-Studien zum Trotz. Den Politikern in Berlin sollte man das aber besser nicht sagen. Sonst kommen sie auf die Idee, sich darauf auszuruhen, statt noch mehr Geld in Bildung zu investieren. Jeder Cent, der in die Hirne unserer Kinder investiert wird, sichert unsere Zukunft.

Was fehlt? Eine Studie hat ergeben, dass Frauen in Deutschland glücklicher sind als Männer. Ihr Geheimnis: In Frieden mit ihren Mitmenschen leben zu können und gute Kontakte zu ihrer Familie und ihren Verwandten zu haben, empfinden sie als Wohlstand.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen reichen Feierabend.

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Lügen haben kurze Beine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Lachnummer": Sie haben absolut Recht. Und was glauben Sie, kommt nun bei der nächsten Griechenland-Rettungstat zustande? Der große Knall kommt spätestens nach der Bundestagswahl oder schon vorher, wenn die SPD endlich mal Rückgrat hätte. Die deutschen Wahlbürger werden ausgenommen, betrogen und belogen auf Teufel komm raus. 2013 ist Schluss mit der Kasperei.

  • Zitat aus dem Artikel:

    "Stimmung statt Aufklärung

    ...Mit ihrer planlosen und inkonsequenten Energiepolitik haben diese Bundesregierung und ihre Vorgängerregierung ein heilloses Chaos angerichtet"

    Altmaier und Rösler, CDU und FDP eiern rum, wie Dick und Doof.

    Ergebnis: Zwei erfolglose Lobbyisten und ein Energiechaos mit steigenden Preisen für den Endverbraucher und satten Gewinnen für Energiekonzerne.

    Komplettiert wird das Duo durch eine leblose Ilse Aigner im Verbraucherschutzministerium, die wahrscheinlich nicht mal ihre Aufgaben kennt!?

    Drei Parteien, CDU, CSU und FDP und drei Jahre Stillstand bzw Rückschritt, dann ist des Ergebnis unter Queen Merkel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%