Was vom Tage bleibt
Macht Schulden!

In Draghis Welt kommen höheren Zinsen so schnell nicht vor. Also nutzen wir seine Laune. In Ägypten haben die Generäle einen neuen Machthaber bestimmt. Die Commerzbank ist ein Übernahmekandidat. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Macht Schulden!

Die Zinswende kommt nicht heute, und sie kommt nicht morgen. Jedenfalls nicht in Draghis Welt. Der Präsident der Europäischen Zentralbank kündigte heute an, „dass die Schlüsselzinsen in der Euro-Zone noch für eine längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben“. Jetzt können wir uns streiten, was wohl ein längerer Zeitraum ist. Wir können aber auch mit Leonardo da Vinci feststellen: „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.“ Also: Baut Häuser, leiht Euch Geld, macht Schulden - nie war die Zeit dafür besser als heute.

Generäle als Manager

In Ägypten hat das Militär erst den Präsidenten gestürzt und 18 Stunden später dafür gesorgt, dass ein Nachfolger vereidigt wird. Die rekordverdächtige Geschwindigkeit hängt damit zusammen, dass die Generäle selbst mit dem Führungspersonal der großen Unternehmen des Landes verbandelt sind. Es fehlt ihnen an Einkommen, wenn die Touristen fernbleiben oder sich die Arbeiter lieber der Revolution als dem Broterwerb in ihrer Fabrik hingeben. Vielleicht sollten auch wir überlegen, ob unsere Heeresleiter nicht gleichzeitig gute Manager wären. Wenn Sie nicht gerade bei einem Panzerbauer angestellt wären, würde das den Willen zum dauerhaften Frieden jedenfalls fördern.

Morales empört sich

Neulich saß ich acht Stunden auf einem griechischen Flughafen fest, weil die Maschine kaputt war. Die Maschine von Boliviens Präsident Evo Morales saß jetzt mit ihrem ersten Passagier knapp 14 Stunden im schönen Wien fest, weil einige vermuteten, Morales helfe dem Geheimnisausplauderer Snowden bei der Flucht. In Griechenland war es heiß, es war Nacht und die Kinder schrien. Morales hätte in die Wiener Staatsoper gehen - es gab "La Traviata" - und anschließend einen Tafelspitz im Sacher bestellen können. Stattdessen wurde er sauer und stiftete, kaum dass er wieder heimgeflogen war, eine Gruppe von zwölf südamerikanischen Staaten an, sich über das „Kidnapping“ zu beschweren. „Morales“, kann ich da nur aus Erfahrung sagen, „lass es.“ Ich warte auch noch auf die Entschädigung für die griechische Verspätung.

Bank für Zocker

Die Commerzbank treibt ihre Anleger zur Verzweiflung. In den vergangenen vier Wochen hat sie ein Viertel ihres Wertes verloren. Das ist blöd, denn viel Wert war ohnehin nicht mehr da. In dieser Woche beschleunigte sich die Talfahrt sogar noch. Bis heute. Zunächst ging es erneut um drei Prozent abwärts, am Nachmittag schoss der Kurs dann plötzlich um acht Prozent nach oben. Offenbar zocken einige. Ob sie nur mit dem Papier oder gleich mit der ganzen Bank zocken - wir bleiben dran. Die Bank ist für kleines Geld zu haben und damit auf jeden Fall zum Übernahmekandidaten geworden.

Tapferkeitsmedaille für Schlecker-Nachfolger

Rudolf Haberleitner ist pleite. Der Mann wollte mit seiner Drogeriekette Dayli im Nachbarland Österreich die Nachfolge von Schlecker antreten. Der Plan war verwegen - nun ist er gescheitert. Haberleitner gebührt dennoch Respekt. Nur Feiglinge scheitern niemals.

Scheitern Sie mir heute Abend nicht, wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Macht Schulden!"

Alle Kommentare

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  • Da fällt einem doch das Abendmahl aus dem Gesicht !!


    Sie scheinen wirklich zu glauben, es beträfe Sie alles nicht.

    Das Erwachen wird für Sie bitter werden.

  • na dann aber mal schnell ran an die Neubaueigentumswohnung in Münster mit Promenadenblick für 1,2 Mio.

    Schulden: Nein (siehe Amerika 2007 obwohl der Vergleich etwas hinkt aufgrund der unsäglichen Rolle der Vermittler).

    Umschulden: Ja (Die Zukunft nötigt Einschränkungen ab!)

  • 'Gold ist so produktiv wie ein Igel im Winterschlaf'

    'Baut Häuser, leiht Euch Geld, macht Schulden'

    Machen wir, bis der Gerichtsvollzieher an
    der Haustüre klingelt!
    Papiergeld ist eine Hure, die niemals schläft.

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