Was vom Tage bleibt
Manager ohne jedes Gespür

Bei SAP kürzen die Chefs den Mitarbeitern die Boni und gönnen sich selbst einen Zuschlag, bei Bosch geht das Licht aus und erstmals könnte ein französischer Präsident in den Knast gehen. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Gehälter im Gerede

Die Diskussion um die Höhe der Managergehälter erhält täglich neue Nahrung. Der Softwarekonzern SAP hat seine Ziele verfehlt. Und was machen die Gehälter der Co-Vorstandschefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott? Richtig, sie steigen. Das verstehen Sie nicht? Ich auch nicht. Zwar sind ein Großteil der Entlohnung Aktien, die erst 2016 fällig werden. Doch angesichts der Tatsache, dass allen anderen Mitarbeitern die Boni gekürzt wurden, entbehrt das jedem Gespür. Es sind genau diese Ungereimtheiten, die die Vorstandsvergütungen ins Gerede bringen. Das hat nichts mit Sozialneid zu tun. Wenn die Leistung stimmt, darf das Gehalt gerne hoch sein. Aber nur dann. Und das muss gleichmäßig für alle Mitarbeiter gelten.

Licht aus bei Bosch

Keine tolle Management-Leistung war auch der Ausflug von Bosch ins Solargeschäft. Nach Abschreibungen in Milliardenhöhe hat das Unternehmen jetzt den Stecker gezogen und stellt seine Solaraktivitäten komplett ein. Genau so hatte es schon Siemens im vergangenen Jahr gemacht. Noch vor kurzem pries Vorstandschef Volkmar Denner die Bedeutung der Energieerzeugung aus Licht. Doch da zeichnete sich schon ab, dass die spät zusammengekaufte Solarsparte von Bosch keine Zukunft hat. Dass er nun den Versuch seines Vorgängers, dem Unternehmen ein grünes Image zu verpassen, so radikal beendet, gleicht einer Kapitulation. So etwas hat es in dem Traditionskonzern noch nicht gegeben.

Zypern vor der Pleite

Ein miserables Krisenmanagement zeigt auch die Regierung in Zypern. Nachdem sie mit der Idee einer Vermögensabgabe aller Bürger im Parlament gescheitert ist, flogen die Vorschläge zur Rettung vor dem Staatsbankrott vogelwild durch die Gegend. Erst wollte sie Banken, Gas oder Häfen an die Russen verkaufen, doch die winkten ab. Dann wollten sie sich erneut Geld leihen um die alten Schulden zu bezahlen, doch dafür hatten die Euro-Partner nur ein mildes Lächeln übrig. Nun ist erneut eine Zwangsabgabe der Bürger im Gespräch. Nur eins ist klar: Wenn es bis Montag keine Lösung gibt, gehen erst die Banken pleite und dann unweigerlich der Staat. Für die Bürger ist das noch schmerzlicher als eine Vermögensabgabe.

Ermittler greifen durch

Sehr konsequent und zielstrebig dagegen geht die französische Justiz vor. Am Dienstag bereits hat sie ein Ermittlungsverfahren gegen den sozialistischen Budgetminister Jérôme Cahuzac eröffnet. Nun ermittelt sie gegen den konservativen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy. Er soll, so die Vorwürfe, die Schwäche der 90-jährigen, stark dementen L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ausgenützt haben, um 2007 seinen Wahlkampf um die Präsidentschaft zu finanzieren. Dafür könnte er sogar in den Knast gehen. Die Beispiele zeigen, wie wichtig eine unabhängige und starke Justiz ist. Denn eins kann man den französischen Ermittlern bestimmt nicht vorwerfen: eine politisch einseitige Kampagne.

Was fehlt? Falls Sie planen, am Wochenende mit Ihrem Hund zu spazieren, sollte Sie aufpassen, wo er seine Pfote hinsetzt. Um ihr Logo zu schützen verklagt die Outdoor-Marke Jack Wolfskin jeden, der einen Pfotenabdruck verwendet. Jetzt ziehen sie vor Gericht gegen die Produktionsfirma des Films „Fünf Freunde“, der Zeitung „taz“ haben sie auch schon erfolgreich die Vermarktung des Tatzenlogos verboten. So macht man seine Marke nicht beliebter.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Manager ohne jedes Gespür"

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  • Dazu zählt doch sicher auch Herr Lehner. 66 Jahre alt und nichts gelernt. Ihre Kollegin Tanja Kewes hat das in ihrem Artikel vom Wochenende bestens dargestellt. Und fast niemand geht auf die Barrikaden. Solange das so bleibt, wird sich auch wenig ändern.

    Wolfgang Haas, Bibertal

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