Was vom Tage bleibt
Mars macht mobil

Die Landung auf einem Staubfänger glückt. Russlands Wirtschaft treibt ins Unglück. Die Sparer verlässt das Glück. Und Juncker hat selbst Schuld an seinem Pech. Lesen Sie die Nachrichten des Tages.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ein Schritt für die Menschheit

Herzlichen Glückwunsch! Oder wie der Astronaut so sagt: Mars macht mobil! Jedenfalls ist „Philae“, jenes Waschmaschinen-ähnliche Minilabor, dessen Mutterschiff „Rosetta“ heißt und von einer Kommandozentrale in Darmstadt gesteuert wird, am Mars vorbei glücklich auf dem Himmelskörper „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ gelandet. Gerassimenko ist ein Komet, und noch nie waren von Menschen konstruierte Roboter auf so einem Ding. Und nun? Nun wird Staub analysiert, Atmosphäre vermessen und es werden Schwingungen berechnet. Wozu? Das ist auch egal. Anzukommen war bei dieser Mission das Ziel.

Russland rutscht ab

Die russische Wirtschaft befindet sich in einem kritischen Zustand, stellt der frühere Chef der Allianz Investmentgesellschaft Pimco, Mohamed EL-Erian fest. Entweder könnte der Wechselkurs außer Kontrolle geraten oder die russischen Behörden seien zu drastischen Zinserhöhungen und Ausgabenkürzungen gezwungen. Beides hätte eine schwere Wirtschaftskrise zur Folge. Schon jetzt liegt die Inflation bei acht Prozent. Wenn Brot, Fleisch oder Milch teurer werden, findet das kein Russe lustig. „Irgendwas wird in den nächsten Wochen passieren“, schreibt El-Erian. Dass Putin die Krim räumt, dürfte er damit nicht gemeint haben.

Strafe fürs Sparen

Nach der deutschen Skatbank gibt es jetzt ein zweites Institut, das seine Kunden mit negativen Zinsen auf ihre Einlagen verunsichert: Die DZ Privatbank in Luxemburg will vom 15. November an 0,25 Prozent pro Jahr auf Guthaben abziehen. Die Bank versichert, dass ausschließlich der Zentralbank-Niedrigzins-Kurs für die Entscheidung verantwortlich sei. Luxemburger-Steuerbehörden, fügen wir zur Klarstellung hinzu, haben nichts damit zu tun – in diesem Fall.

Junckers Regeln

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat nichts damit zu tun. Allerdings hat er als ehemaliger Regierungschef und Finanzminister Luxemburgs etwas mit dem Steuergebaren des Großherzogtums zu tun. Während seiner Amtszeit als Regierungschef wurden etwa 340 multinationalen Konzernen massive Steuervorteile gewährt. „Alles, was getan wurde, erfolgte in Übereinstimmung mit nationalem Recht und internationalen Regeln“, sagte Juncker heute. In Übereinstimmung mit den Regeln der journalistischen Kunst dürfen wir Juncker zumindest ein Schlitzohr nennen.

Bitte hedgen

Ein Auto für ein Euro? Bei einer Versteigerung auf Ebay ist das möglich – und der Verkäufer muss auch liefern. Er darf die Auktion nicht wegen Misserfolgs abbrechen, entschied heute der Bundesgerichtshof. Im konkreten Fall muss der Verkäufer dem Bieter Schadensersatz in Höhe des Wagenwertes zahlen. Ebay hat eben ganz viel mit Finanzmärkten zu tun: Wer sich nicht einen befreundeten Strohmann ausleiht, den Kauf hedged oder durch Derivate absichert, kann ganz schön auf die Nase fallen.

Einen Abend ohne blutige Nase wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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