Was vom Tage bleibt
Mehr Geld für alle

Im öffentlichen Dienst wird gestreikt, die Wirtschaft wächst viel stärker. Air Berlin startet neue Sanierung, die Ukraine braucht Hilfe und der Kinderschutzbund will kein Geld von Sebastian Edathy. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mehr Kuchen

Die Gewerkschaften haben sich mit ihren Forderungen länger zurückgehalten. Deshalb ist es völlig verständlich, dass sie jetzt wie Verdi im öffentlichen Dienst ein größeres Stück vom Kuchen wollen. Auch gesamtwirtschaftlich gibt es gute Gründe für Lohnerhöhungen. Nach der kurzen Ukraine-Delle in der zweiten Jahreshälfte von 2014 stehen die deutschen Unternehmen wieder glänzend da. Lohnerhöhungen haben zudem eine wichtige außenpolitische Komponente. Deutschland wird immer wieder von anderen Euro-Ländern dazu aufgefordert, dass es den heimischen Konsum ankurbeln müsse. Ordentliche Lohnsteigerungen sind das Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Deutschland wird mit den neuen Tarifabschlüssen ein Stückweit aus der europäischen Schusslinie genommen. Eine rundum gute Sache also.

Es geht voran

Die Wirtschaft in Deutschland boomt und wächst schon wieder schneller als erwartet. Forschungsinstitute und große Konzerne wie der Versicherer Allianz setzen die Prognosen für 2015 einer nach dem anderen nach oben. Das Plus könnte in diesem Jahr am Ende sogar bei mehr als zwei Prozent Wachstum liegen, meinen die größten Optimisten. Deutschland profitiert gewaltig vom niedrigen Euro-Kurs, der deutsche Exporte deutlich verbilligt. Euro-Kritiker sollten sich diesen Währungsvorteil einmal genauer ansehen. Vielleicht verstehen sie dann, dass die Gemeinschaftswährung keine ganz so schlechte Sache ist.

Nur ein Anfang

Der neue Air-Berlin-Chef Stefan Pichler macht große Versprechungen. Er glaubt, dass er ein Sanierungskonzept für die angeschlagene Fluggesellschaft in der Schublade hat. Doch niemand sollte sich zu früh freuen. Hinter der Airline liegen schon schwierige Jahre, warum soll es künftig besser gehen? Wenn das Unternehmen nicht die starke Golf-Airline Etihad als Hauptaktionär im Rücken hätte, würde es wahrscheinlich schon ganz düster aussehen. In Europa gibt es einfach immer noch zu viele Fluggesellschaften. Die Zukunft von Air Berlin ist damit alles andere als gesichert.

Das liebe Geld

Der Kanonendonner in der Ukraine ist zwar etwas leiser geworden. Doch von einer Lösung ist das kriegs- und krisengeschüttelte Land noch weit entfernt. Der Waffenstillstand im Donbass bringt einen Hauch von Frieden, mehr aber nicht. Vor allem die wirtschaftlichen Probleme des Landes sind riesig. Warum wohl setzt die Zentralbank in Kiew an diesem Dienstag die Leitzinsen auf ein Rekordniveau von 30 Prozent? Es ist ein verzweifelter Versuch, die hohen Kapitalabflüsse irgendwie zu stoppen. Niemand sollte sich etwas vormachen: Die Ukraine braucht mindestens einen größeren zweistelligen Milliardenbetrag zum wirtschaftlichen Überleben, gerade auch vom Westen. Griechenland ist im Vergleich dazu ein Zwerg.

Lieber ohne Geld

Der Kinderschutzbund setzt ein richtiges Zeichen. Er verzichtet auf die 5000 Euro, die der frühere SPD-Spitzenpolitiker Sebastian Edathy als Strafauflage an die Organisation zahlen soll. Nein, sagt der Kinderschutzbund. Er will kein Geld von einer Person, die fragwürdige Kindervideos aus dem Internet heruntergeladen hat. Solche Videos verletzen die Rechte von Kindern, deshalb will der Kinderschutzbund mit diesem Geld einfach nichts zu tun haben. 5000 Euro sind zudem keine allzu hohe Summe – der Kinderschutzbund dürfte seine Arbeit auch ohne diesen Betrag problemlos fortsetzen können.

Einen erholsamen Feierabend wünscht Ihnen ganz herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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