Was vom Tage bleibt
Merkels erfolgreiches Buddha-Prinzip

Wie die Kanzlerin praktisch ohne eigenes Zutun Wahlen gewinnen kann, welche neuen Lasten die Bürger treffen und warum selbst die älteste Bank der Welt die Krise nicht überleben könnte. Der Tagesrückblick
  • 2

Wunderschönen guten Abend,

Einfach alles aussitzen

Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte: Während die Streithähne FDP und CSU alles tun, das Image der Regierung zu demolieren, steigen die Chancen für Kanzlerin Angela Merkel wiedergewählt zu werden deutlich an. Und das praktisch ohne eigenes Zutun. 39 Prozent der Bundesbürger würden die Union wählen, ergibt eine aktuelle Umfrage. Zusammen mit dem, was von der FDP übrig blieb, käme sie auf 44 Prozent - sechs Prozentpunkte mehr als rot-grün. Kein Wunder, zerfleischt sich doch die Opposition in Führungsdebatten. Merkel macht Politik wie Buddha: Einfach alles aussitzen.

Immer neue Lasten

Die positiven Wahlumfragen zeigen, wie unendlich leidensfähig die Deutschen offenbar sind. Denn die Regierung schafft es doch, ihnen fast täglich neue Lasten aufzubürden. Haben die hohen Energiekosten es schon geschafft, die Inflation wieder auf zwei Prozent zu treiben, ist das offenbar immer noch nicht genug. Heute beschloss das Kabinett, dass die Risiken für den Ausbau der Windenergie auf hoher See der Verbraucher tragen soll - über einen Aufschlag auf den Strompreis. Gab es da nicht eine CSU-Ministerin für Verbraucherschutz? Naja, die wird dann wohl auch zur Belohnung fürs Nichtstun wiedergewählt.

Weniger rote Linien

Ohnehin werden immer mehr rote Linien stillschweigend wegradiert. Während noch darüber gestritten wird, ob der Euro-Rettungsschirm eine Banklizenz bekommen soll, schreckt ein Gutachten auf, das der Verband der Familienunternehmer in Auftrag gegeben hat. Der Vertrag zum ESM sei so schwammig formuliert, urteilt Staats-, Europa- und Finanzrechtler Hanno Kube von der Universität Mainz, dass damit der Bundestag bereits einen "Blankoscheck" ausgestellt habe. Nicht nur er hofft jetzt auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm am 12 September.

Tiefer in den Abwärtssog

Praktisch auf nichts mehr kann man sich verlassen. Jetzt hat es auch die älteste Bank der Welt in den Abwärtssog gezogen. 500 Jahre lang hat die italienische Banca Monte dei Paschi allen Widrigkeiten, Kriegen und Katastrophen getrotzt. Nun steht sie am Abgrund, haben Problemkredite und notleidende Staatsanleihen für einen Halbjahresverlust von 1,6 Milliarden Euro gesorgt, der Kurs stürzte heute um 12 Prozent ab. Die unheilige Allianz von Politik und Bankern fordert immer neue Opfer. Und wer bezahlt? Die Streichung von 4600 Stellen bei der Monte dei Paschi ist bereits beschlossen.

Was fehlt? Der spanische Fußballspieler Javier Martinez hat bei seinem bisherigen Verein Atletic Bilbao einen Scheck über 40 Millionen Euro hinterlegt, damit er künftig für den FC Bayern München gegen den Ball treten darf. Da darf man gar nicht daran denken, dass er sich schon nächste Woche das Bein brechen könnte.

Ich wünsche Ihnen einen unfallfreien Feierabend,

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Merkels erfolgreiches Buddha-Prinzip"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @radiputz
    Oha, die Alles-oder-nichts-Strategie.
    Ich tippe mal auf Nichts.
    Om mani padme hum und einen schönen erleuchteten "Abend".

  • Zum Buddha-Prinzip gehört nicht nur das<Aussitzen, sondern auch das Schweigen Können. Das lernt man in ZEN-Klöstern. Man hebt höchstens in entscheidenden Momenten den Zeigefinger und schon läuft alles wie am Schnürrchen und die große Erleuchtung erleuchtet nicht nur Buddha-Merkel sondern auch den Rest der Versammlung. "Alles ist NICHTS"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%