Was vom Tage bleibt
Milder Umgang mit Defizitsündern

Nein, es geht nicht um den Bischof – es geht um die EU: Sie bestraft Defizitsünder vorerst nicht. Immobilien werden teurer, die Gründe dafür aber nicht abgestellt. Der Reemtsma-Entführer ist frei. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Lasst den Armen ihr Körbchen

Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat die Schuldenquote ausgerechnet, also die Zahl, die zeigt, wie viel Defizit die Euro-Länder im Vergleich zu ihrer Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr eingefahren haben. Das Ergebnis macht Laune: 3,7 Prozent klingen besser als die 4,2 Prozent im Jahr 2011 und viel besser als die sechs Prozent in den Jahren davor. Griechenland steht zum Beispiel besser da als gedacht. Trauriger Spitzenreiter ist Spanien, Deutschland hat einen kleinen Überschuss geschafft. Wegen der Rezession in vielen Staaten geht die EU-Behörde milde mit Defizitsündern um. Geldstrafen drohen nicht. Sie wirken ohnehin so, als würden wir dem Armen auf der Straße noch das Körbchen mit Münzen wegnehmen.

Saubere Analyse, schwache Konsequenz

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland sind dort, wo alle gerne wohnen wollen, in den vergangenen drei Jahren um mehr als 25 Prozent gestiegen. Im Bundesdurchschnitt kletterten sie nur um acht Prozent. Das hat die Bundesbank berechnet. Die Bundesbank ist ein Institut, das gut ist in der Analyse, aber schwach in der Konsequenz. Denn die müsste heißen: Sorgt dafür, dass weniger Geld gedruckt wird, denn das macht die Immobilien so teuer.

20 Minuten für den Bischof

Papst Franziskus hat den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zur Audienz empfangen. Der Bischof sei „dankbar für die sehr ermutigende Begegnung“, teilte die Diözese hinterher knapp mit. „Eine Rückkehr in das Bistum Limburg wird sicher ganz schwierig“, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. „Es ist natürlich inzwischen die ganze Situation so verfahren, dass etwas geschehen muss.“ Es gebe eine Vertrauenskrise „bis in den Grund“. 20 Minuten dauerte das Gespräch. Das ist gemessen an dem, was es zu besprechen gab, eine kurze Frist. Für einen Schlussstrich dürfte es aber reichen.


Fortsetzung als Krimi

Der Entführer von Jan Philipp Reemtsma hat nach mehr als 15 Jahren Haft das Gefängnis verlassen und ist wahrscheinlich ins Ausland gereist. Der 53-Jährige Thomas Drach war heute morgen aus dem Gefängnis in Hamburg-Fuhlsbüttel entlassen worden. Drach und seine Komplizen hatten im Frühjahr 1996 den Millionen-Erben vor dessen Haus in Hamburg-Blankenese überwältigt. Viereinhalb Wochen lang hielten sie ihn angekettet in einem Verlies in der Nähe von Bremen fest. Gegen ein Rekordlösegeld von 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken war Reemtsma schließlich freigekommen. Von der Beute ist bisher nur ein Bruchteil aufgetaucht. Drach führte in Uruguay knapp zwei Jahre lang ein luxuriöses Leben, bevor ihn Ermittler aufspürten. Reemtsma hat die Zeit im Verlies in seinem bewegenden Psychogramm „Im Keller“ verarbeitet. Aus der Geschichte, die jetzt ihren Lauf nimmt, könnte beispielsweise Henning Mankell noch einen Krimi machen.


Von hinten ins Ziel

Stefan Kießling hat bei der Partie Hoffenheim gegen Leverkusen ein Tor geschossen, bei dem der Ball von hinten durch ein Loch im Netz gesprungen ist. Der Schiedsrichter sah das nicht so genau und zählte das Tor. Die Fifa sieht nun auch keinen Grund, die Schiedsrichter-Entscheidung in Zweifel zu ziehen. Einmal gepfiffen gilt, heißt ihre Devise. Sie könnte auch anders argumentieren: Fußball ist pralles Leben. Und manchmal kommt man eben nur von hinten und über Bande ins Ziel.

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Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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