Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Mit Volkseigentum zur Energiewende

Bürger sollen sich an Stromtrassen beteiligen, kaufen aber lieber Hundefutter und E-Books. Die Kommunen sind auf den Barrikaden und in Griechenland boomen die Pfandhäuser. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Anzeige

Die Menschen mitnehmen

Mit Volkseigentum Begeisterung bei der Bevölkerung wecken - das ging schon in der DDR schief. Doch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Thorsten Albig versucht es trotzdem noch mal. Die Bürger sollen sich an den hart bekämpften Stromtrassen finanziell beteiligen - und sie dadurch lieben lernen. „Der Netzausbau gelingt nur, wenn wir die Menschen in der Region dabei mitnehmen“, sagte Albig. Aber wieso sollte ausgerechnet ein Bauer 1000 Euro in eine 380-Volt-Trasse investieren, die er am liebsten auf den Mond schießen würde?

Den Kunden im Blick

Doch wofür geben die Menschen Geld aus? Fürs Online-Shopping. Der Online-Futterhändler Zooplus hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um rund ein Drittel gesteigert. Auch das Online-Kaufhaus Amazon hat im vierten Quartal den Umsatz um 22 Prozent ausgeweitet. Das Geheimnis: Beide Händler liegen bei Umfragen zur Kundenzufriedenheit ganz vorne. Vielleicht sollten die Politiker sich daran ein Beispiel nehmen und sich auch mal die Mühe machen, die Bürger als ihre Kunden zu sehen und sie mit Argumenten und gutem Service zu überzeugen. Aber ob sie dann auch in Stromtrassen statt in Hundefutter oder E-Books investieren?

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Auf den Barrikaden

Klar ist jedoch, wofür viele Bürger kein Geld ausgeben wollen: für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. War schon die GEZ-Gebühr unbeliebt, haben es die Politiker geschafft, mit der neu eingeführten Haushaltsabgabe die Öffentlichkeit endgültig auf die Barrikaden zu bringen. Deswegen verfolgen viele nun mit Häme, dass sich selbst etliche Kommunen weigern, die neue Abgabe zu zahlen. Dass jetzt erst auffällt, wie die Differenzierung nach der Zahl der Betriebsstätten, der Beschäftigten und der betrieblich genutzten Fahrzeuge die Kosten treibt, ist ein Armutszeugnis.

Eine neue Welt für Blackberry

Für Blackberry-Chef Thorsten Heins ist es wohl der letzte Versuch. Wenn er seine Kunden mit der neuesten Generation von Smartphones nicht überzeugen kann, dürfte er den Anschluss an Konkurrenten wie Apple oder Samsung endgültig verlieren. Erst sehr spät hat das Unternehmen erkannt, dass auch Geschäftskunden nicht nur Sicherheit und nüchterne Effizienz suchen, sondern die Bedienung des Handys Spaß machen muss. Keiner lässt sich mehr von der Firmen-IT vorschreiben, sich mit einem altbackenen Mobiltelefon zu blamieren. Blackberry betritt eine ganz neue Welt: Erstmals schaltet das Unternehmen Werbung beim Foot-Ball-Finale Super Bowl - für vier Millionen Dollar.

Was fehlt? Die Zahl der Pfandhäuser hat sich in Griechenland in den vergangenen zwei Jahren auf 750 fast verzehnfacht. Nach der drastischen Kürzung von Renten und Gehältern können immer mehr Bürger ihre Rechnungen nicht zahlen und versilbern den Familienschmuck. Doch manche Tradition funktioniert weiterhin: Fast 60 Prozent der Pfandleiher, so Erkenntnisse der Fahnder, hinterziehen die Steuern.

Ich wünsche Ihnen einen ganz entspannten Feierabend.

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

  • Kommentare
EEG-Ökostromumlage: Beobachten Sie jetzt genau Ihren Stromanbieter!

Beobachten Sie jetzt genau Ihren Stromanbieter!

Die Ökostromumlage sinkt im nächsten Jahr. Auch wenn es sich nur um einen Mini-Betrag handelt, sollte Ihr Stromanbieter den an Sie weitergeben. Wenn nicht, wechseln Sie. Er tut ihnen nichts Gutes.

Kommentar zur EU-Kommission: Junckers Bauernopfer

Junckers Bauernopfer

Hilfst Du mir, helf' ich Dir, so ist das in der Politik– auch in Brüssel. Dass das Parlament Vize-Chefin Bratusek als EU-Kommissarin ablehnte, hat viel mit taktischen Spielchen im Poker um politische Macht zu tun.

  • Kolumnen
Der Werber-Rat: Ein Herz für Curler

Ein Herz für Curler

Die Randsportart Curling erhält in Deutschland keine Förderung mehr. Das ist kurzsichtig und ein Verrat am Sport und der Gesellschaft. Die Folgen sind fatal: Denn beim Sport geht es um mehr als um das Gewinnen.

What's right?: Gabriel im roten Marmeladenglas

Gabriel im roten Marmeladenglas

Der Thüringer SPD-Pakt mit der Linkspartei hat strategische Bedeutung für Deutschland. Sigmar Gabriel entstigmatisiert die SED-Nachfolger und eröffnet sich neue Optionen.

Was vom Tage bleibt: Letzte Chance für Karstadt

Letzte Chance für Karstadt

Ein Sanierungskonzept soll Karstadt retten, der frühere Berliner Flughafen-Chef bekommt eine gewaltige Abfindung. Opel schreibt rot, der IS attackiert wieder und ein Hoeneß-Banker wird verhaftet. Der Tagesrückblick.

  • Gastbeiträge
Kommunikation im Beruf: So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

Männer kommunizieren – wie eine fremde Spezies – im Business-Kosmos anders als Frauen, die von klein auf auf Harmonie und Höflichkeit gepolt sind. Wie Sie das „Männisch“ verstehen und zu eigenen Zwecken nutzen können.

Gastbeitrag zur Bankenunion: Die Bankenunion kommt zu früh

Die Bankenunion kommt zu früh

Im November tritt die Bankenunion in Kraft. Verfrüht, findet Ognian Hishow: Weil viele Banken nicht genug Kapital aufweisen, wird die EZB als Bankenaufseherin Maßnahmen ergreifen, die die Geldwertstabilität gefährden.

Gastbeitrag zur Türkei: Erdogans Verhalten ist ein Ausdruck des Scheiterns

Erdogans Verhalten ist ein Ausdruck des Scheiterns

Kritik an der türkischen Politik gegenüber dem IS ist berechtigt, wenn auch aus anderen Gründen als häufig angeführt. Günter Seufert über die gefährliche Politik der Türkei, mit der sie sich außenpolitisch isoliert.

  • Presseschau
Presseschau: Sparen ist out

Sparen ist out

Immer weniger Deutsche sparen – den einen fehlt schlicht das Geld, den anderen der Anreiz. Gerade junge Leute wollen ihr Geld offenkundig lieber ausgeben. Den Deutschen ist die Lust am Sparen vergangenen.