Was vom Tage bleibt
Mollath, der Verführer

Der Fall Mollath landet im Bundestag. Boeing und Airbus liefern sich ein Elefantenrennen. Die IWF wird zum Prügelknaben und Obama denkt um. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Echte Innovationen

Es ist das alte Elefantenrennen: Airbus gegen Boeing, A380 gegen Jumbo, und seit heute auch A350 gegen Dreamliner. Der Airbus-Flieger hat seinen Jungfernflug absolviert. Einer seiner Neuheiten ist ein um ein Viertel verringerter Kraftstoffverbrauch. Das beruhigt immerhin das Gewissen der Vielflieger. Eine Pünktlichkeits-Software, das Verbot, Sitzreihenabstände ausschließlich für Kleinwüchsige zu konstruieren, und die Garantie nur an Flughäfen zu landen, wo der Weg von der Straße zum Flugzeug nicht länger als zehn Minuten dauert, haben aber weder Airbus noch Boeing zu bieten. Dabei wären das echte Innovationen.

Liebe Kritiker

Der Internationale Währungsfonds hatte jüngst gemosert: Die Rettungsstrategie für den Euro im Allgemeinen und für Griechenland im Besonderen sei nicht sonderlich erfolgreich. Ein Schuldenschnitt, wie schon einmal, sei angebracht. Die Euro-Retter seien untereinander zerstritten. Wie immer, wenn einer meckert, wird er nicht gemocht. „Wenn der IWF das nicht versteht, ist das ein großes Problem“, sagt der Leiter des Euro-Krisenfonds, Klaus Regling. In dasselbe Horn stößt EU-Kommissionschef José Manuel Barroso. Es sei an der Zeit, die Zusammensetzung der Troika zu überdenken. So ist das mit Kritikern. Keiner liebt sie, aber wir alle brauchen sie.

Diesseits und jenseits der Linie

Barack Obama hatte eine „rote Linie“ gemalt. Davor war Platz für einen konventionellen Bürgerkrieg in Syrien. Dahinter befand sich das syrische Regime, falls es Chemiewaffen einsetzen sollte. Inzwischen hegt Obama keine Zweifel mehr am Einsatz von Chemiewaffen durch Syriens Staatschef Baschar al-Assad. Er kündigt deswegen „militärische Unterstützung“ der Rebellen an. Die rote Linie ist überschritten. In Moskau stieß das umgehend auf Kritik. Die Machthaber dort bezweifeln Obamas Erkenntnisse. Was ist die Wahrheit? Niemand unter uns Zuschauern weiß es so genau, denn sie gerät im Krieg als erstes unter Beschuss.

Mollaths Vermächtnis

Gustl Mollath ist 2006 in die Psychiatrische Anstalt Bayreuth eingewiesen worden, weil er seine Frau schwer misshandelt und die Reifen Dutzender Autos zerstochen habe. Mollath sagt, er sei Opfer eines Komplotts und der Justiz, weil er millionenschwere Schwarzgeldgeschäfte, die seine Frau mit Hilfe der Hypo-Vereinsbank abgewickelt habe, aufdeckte. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Wiederaufnahme seines Verfahrens beantragt und auch der Menschenrechtsausschuss im Bundestag beschäftigt sich mit ihm. Es gibt viele interessante Lesarten, den Fall zu erzählen. Ein Beziehungsdrama Mann gegen Frau. Oder eine Robin Hood-Geschichte: der Outlaw gegen die Staatsmacht. Oder ein modernes Märchen von einem, der sich von keiner Bank der Welt klein kriegen lässt. Die Verführungskraft dieser Geschichten ist groß. So groß, dass auch hier die Wahrheit auf der Strecke bleiben könnte – auch wenn hierzulande tiefster Frieden herrscht.

Ein friedliches Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Mollath, der Verführer"

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  • Eine Todernste Situation das begreifen die Journalisten in Ihren Sesseln einfach nicht.
    Ein einziger Psychiater kann einen Menschen vernichten.

    Mollaths Glück war es, dass Dr. Leipziger Bayreuth etwas nachlässig war. Heute würde er diesen "Fehler" nicht mehr machen.

    Nach der Urteilsverkündung war Gustl Mollath gleich in Marsch gesetzt worden, nach Bayreuth, zum Dr. Leipziger, er war ja jetzt untergebracht. Und der Dr. Leipziger wollte folgerichtig mit der neuroleptischen Kur, die ganz früher mal auch chemische Lobotomie genannt worden ist, beginnen. Gustl Mollath weigerte sich, um jeden bösen Anschein zu vermeiden, wurde er nach Straubing verlegt.
    Dort geschah ein Wunder.

    Bayreuth noch hatte die Betreuung beantragt, damit das Vermögen von Gustl Mollath verwertet werden konnte, die dazu notwendige Begutachtung machte ein Dr. Simmerl, und der fand keinen Wahn, keine Psychose!

    Große Aufregung, aber Hilfe kam. Professor Kröber Berlin stellte die alten Verhältnisse wieder her. Die Zwangsmedikation aber unterblieb, sonst wäre der Fall heute längst erledigt.

    Der Skandal ist - das Herr Leipziger sein perfides Spiel weiterhin betreiben darf. Z.B. vom 2-4.Sept. 2013 in Potsdamm. "Unser Gust: Realität, Wahn, Justiz u. Medien".

    Es wird Zeit das man sich EMPÖRT - das ist unser aller Verfassungsauftrag.

  • Mollath wurde deportiert und keiner schaut tätig hin. Alle zeigen sich betroffen, keiner gebietet dem Unrechtssystem Justiz Einhalt.

    Der Fall an sich ist nichts Neues. Der Richter Fahsel i.R. wies auf die Fehler im System in einem bitteren Leserbrief im Jahr 2008 auf die inneren Strukturen hin und prangerte es an.

    http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1862051_0_9223_-bitterboeser-leserbrief-ex-richter-geht-mit-seiner-zunft-ins-gericht-und-die-schweigt.html

    Nichts passiert. Alle schauen weg. Genau so wie es im Dritten Reich auch war!

  • KEINE der aufgelisteten Varianten rechtfertigt 7 Jahre Wegsperrung in eine Irrenanstalt.

    120 Reifenaufstechen ?
    Frau verprügeln ?
    ---> Rechtfertigt maximal 1 Jahr Haft.

    7 Jahre Irrenanstalt sind ein Menschenrechtsverbrechen - selbst wenn er schuldig wäre.

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