Was vom Tage bleibt
Moral und Versicherer

Der Debeka-Skandal wird größer, die BayernLB bereitet den Rückzug aus Ungarn vor. Die Bundesbank verteidigt die EZB, ein Berliner Start-up wird geadelt. Und Spanien kehrt an die Bondmärkte zurück. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Merkwürdiges Gebaren

Die Debeka ist eigentlich ein angesehenes Unternehmen mit langer Tradition. Als Beamtenversicherer hat sich der Konzern einen Namen gemacht, eigentlich ist also alles in Ordnung. Jetzt kommen aber immer mehr Details zum Vorschein, wie die Geschäfte bei der Debeka tatsächlich abgewickelt werden. Beamte werden klammheimlich als Versicherungsvermittler eingesetzt, hinter den Kulissen gibt es einen schwunghaften Handel mit Adressen. Natürlich gegen Geld, damit am Rande der Legalität und nahe zur Korruption. Die Debeka sollte sich jetzt nicht länger verstecken und zu ihrer Verantwortung bekennen. Dieses Geschäftsmodell dürfte jedenfalls der Geschichte angehören. Debeka-Kunden sind sicherlich nicht länger bereit, sich auf diese Weise über den Tisch ziehen zu lassen.

Ende mit Schrecken

Die BayernLB gehörte einst zu den ganz besonders expansionsfreudigen Landesbanken. Die Münchener interessierten sich in den Jahren vor der Finanzkrise ganz besonders für Osteuropa. Dort sollte das Wachstum herkommen, das auf dem angestammten Heimatmarkt nicht mehr zu erwarten war. Erst wurde die MKB in Ungarn übernommen, später die Hypo Alpe Adria aus Klagenfurt. Die Bank aus Klagenfurt galt auch nur wegen ihres Osteuropa-Netzwerks als interessant, nicht wegen ihres kleinen Österreich-Geschäfts. Inzwischen hat die BayernLB genug Lehrgeld für ihr gescheitertes Ost-Engagement zahlen müssen. Die Trennung von der Hypo Alpe liegt schon vier Jahre zurück, jetzt will die BayernLB Abschied von der Budapester MKB nehmen. Gut, dass das jetzt endlich passiert. Ganz einfach dürfte diese Trennung aber nicht werden – und noch einmal eine ganze Menge Geld kosten.

Solidarität in Frankfurt

Mario Draghi hat für die von der EZB in der vergangenen Woche beschlossene Zinssenkung schon ordentlich Kritik einstecken müssen. Besonders in Deutschland sitzen die Kritiker, die der EZB-Führung eine falsche Entscheidung vorhalten. Wie gut, dass sich jetzt Bundesbank-Präsident Weidmann zu Wort meldet und die Zinsentscheidung verteidigt. Die Euro-Zone besteht aus 17 Ländern, die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen durchmachen. In einer solchen Situation müssen eben auch Kompromisse getroffen werden, die vielleicht nicht jedem gefallen. Deutschland ist wirtschaftlich stark genug, um das historisch niedrige Zinsniveau aushalten zu können.

Berliner Boom

Der renommierte amerikanische Investor Sequoia steigt beim Berliner Start-up-Unternehmen 6Wunderkinder ein. Vor einigen Jahren hätte so etwas kaum jemand für möglich gehalten. Aber jetzt zeigt sich, dass auch in Deutschland eine lebendige und wirklich leistungsfähige IT-Branche entstanden ist. Noch sind es vor allem kleine junge Unternehmen, die besonders im Berliner Raum für Furore sorgen. Wer weiß: Vielleicht ist aus 6Wunderkinder in einigen Jahrzehnten ein Mega-Konzern geworden. Bill Gates hat schließlich auch einmal ganz klein angefangen.

Olé Espana!

Die wirklich gute Nachricht des Tages: Spanien wird an die internationalen Finanzmärkte zurückkehren können und ist nicht mehr auf die Unterstützung aus dem europäischen Rettungsschirm angewiesen sein. Die zum Teil extrem harte Rosskur hat in diesem ganz konkreten Fall also gewirkt. Das macht Hoffnung für die anderen Krisenländer aus der Euro-Zone. Wenn jetzt schon das große Spanien die Wende schafft, dann sollte das auch bald den kleineren Krisenstaaten gelingen.

Einen geruhsamen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Moral und Versicherer"

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  • Merkwürdiges Gebaren.
    Ich hab nix gegen Menzel und immer wieder hab isch das jefühl, dass Menzel sisch noch einarbeitet: täte er es nur einmal mit wirklicher Kritik und nisch mit so ne weischgespülte klammernummer.

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