Was vom Tage bleibt
Mr. Konfetti

Für Mario Draghi ist eine Konfettidusche keine Warnung, sondern eine goldene Bestätigung. Liegt er damit etwa richtig? Immer mehr Menschen haben ein Konto. Werden sie auch reicher? Was Sie heute lesen sollten.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Draghis heißer Ritt

Der wichtigste Mann in der Euro-Politik hat heute einen Eimer Konfetti auf sein Haupt bekommen. Das war als Schelte für Mario Draghi gemeint. Doch wahrscheinlich hat er den goldenen Flitter als Bestätigung aufgefasst. Sein Staatsanleihen-Kaufprogramm wirkt nämlich, wie es soll. Der Euro verliert fröhlich an Wert und ist so eine willkommene Exporthilfe für Europa. Die Zinsen haben nochmal nachgegeben, was die Schuldenlast der Euro-Staaten erträglich macht. Ja, selbst die Kreditklemme im Süden Europas scheint sich zu lösen. Haben wir Nörgler und Konfettiwerfer also unrecht? Nein, die Risiken des Programms bestehen fort, meint mein Kollege Jens Münchrath in seinem Kommentar: Natürlich entlasten niedrige Zinsen die hoch verschuldeten Staaten und Unternehmen. Aber sie vermindern auch den Anreiz, Schulden abzubauen. Natürlich hilft billiges Geld den schwachen Banken. Gleichzeitig aber treibt es die Banken in riskante Anlagen. Das ist ein heißer Ritt. Draghi bekämpft Fieber, in dem er die Temperatur weiter erhöht.

Mediziner der Marktwirtschaft

Unsere Marktwirtschaft funktioniert doch so: Zwei oder ein paar mehr Unternehmen wetteifern mit ihren Leistungen um Kunden. Wenn es gut läuft, verbessern sie das, was sie ihren Kunden anbieten, ständig. Darin liegt der Reiz. Das ganze wird völlig reizlos, wenn ein einzelner Anbieter das Geschehen dominiert. Deswegen gibt es Wettbewerbshüter. Sie sind keine Totengräber des Erfolgs, sondern sie sind Mediziner, die das Herz der Marktwirtschaft gesund erhalten. Diese Art Mediziner, genauer gesagt die Wettbewerbsbehörden der EU, haben sich jetzt Google vorgenommen. Google, so glauben sie, sei so erfolgreich, dass der Konzern den Wettbewerb aushebelt. Es gibt in der Marktwirtschaft eine einfache Methode, um Erfolg zu messen: Das ist der Blick auf den Gewinn. Mehr als 14 Milliarden Dollar waren das bei Google 2014. Das entspricht einer Umsatzrendite von 22 Prozent. Die Traumrendite ist ein Indiz dafür, dass der Wettbewerb abgehängt ist. Das Geldpolster bedeutet auch: Wer Google zu nahe kommt, wird aufgekauft. Im Sinne der Kunden kann das am Ende nicht sein. Der Anlauf der Wettbewerbshüter ist also richtig. Und zwar weil sie ein System bewahren, das sich noch mehr bewährt hat als Google: unsere Marktwirtschaft.

Verstaubte Rechte

Unsere Telefon- und Internetdaten sollen künftig für zehn Wochen gespeichert bleiben. So hat es Justizminister Heiko Maas in Berlin vorgestellt. Nach dieser Frist muss der Telekommunikationsanbieter die Daten löschen. Nicht gespeichert werden darf der Inhalt der Kommunikation. Die Leitlinien sehen zudem vor, dass keine Persönlichkeits- und Bewegungsprofile erstellt werden. Das ganze dient selbstverständlich unserer Sicherheit. Man kann das glauben. Man kann aber auch feststellen: Das Recht auf Privatheit verstaubt wie Opas alter Röhrenfernseher.

Von Afrika lernen

700 Millionen Menschen haben innerhalb der vergangenen vier Jahre ein Konto neu eröffnet. Das hat die Weltbank ausgerechnet und das ist deswegen eine prima Nachricht, weil die allermeisten von diesen Menschen aus Ländern stammen, in denen ein eigenes Bankkonto bisher als Luxus galt. Vor allem in einigen Staaten Afrikas gibt es entweder keine funktionierenden Banken oder keine stabile Währung, oder es hat eben niemand Geld, um ein Konto zu betreiben. Wenn die Zahl der Kontoinhaber jetzt wächst, wächst damit auch der Wohlstand. Die schlechte Nachricht ist ein bisschen kleiner. Sie betrifft nur unsere Geldbranche. Denn das, was sich in einigen Ländern Afrikas abspielt, ist ein aus der Not geborener Technologiesprung. Die neuen Konten sind virtuell, Soll und Haben erscheinen auf dem Display, bezahlt wird per SMS, kein Mensch braucht dazu eine Bankfiliale. Weil die Sache so praktisch ist, wird das mobile Konto in nicht allzu ferner Zukunft auch hierzulande Fuß fassen. Darauf sind unsere Geldhäuser, die nur im Zeitlupentempo an mobilen Bezahlsystemen werkeln, aber nur sehr unzureichend vorbereitet. Ich schlage deswegen umgekehrte Entwicklungshilfe vor. Anstatt die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit zum Brunnenbohren nach Afrika zu schicken, laden wir afrikanische Mobilfunkbetreiber nach Berlin ein. Sie erklären uns dann, warum es sinnvoll für eine Bank sein könnte, eine Mobilfunklizenz zu beantragen oder wie das ganz normale Leben ohne physisches Geld wirklich funktioniert.

Tschüss Klopp

Und Tschüss! Dortmund weint und Deutschland seufzt, aber heute hat Jürgen Klopp tatsächlich angekündigt, dass er seine Borussia im Sommer verlässt. Wir vom Handelsblatt haben unsere eigenen Methoden, um zu bewerten, ob das ein Drama oder eine Befreiung ist. Wir zählen nicht Tränen und Tore, sondern Geld und Kurse. Das Wertpapier des Fußball-Bundesligisten sank am Mittag unmittelbar nach Klopps Entscheidung um ein paar Prozent. Immerhin: Das kann nicht jeder abtretende CEO von sich behaupten.

Einen ansonsten unmaterialistischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Mr. Konfetti"

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  • Zahlen sind wichtig:und nicht BlaBla, hier die Zahlen:
    Der tiefste Stand des € gegen den US$ 2001, da gab es für einen € 0,85 US$, der höchste Stand des € gegen den US$ war im Juni 2008, für 1 € gab es US$ 1,57,-
    Heute für 1 € bekommst Du 1,05 US$ - Wir liegen z.Z. In der goldenen Mitte.
    Dank Draghi.
    Was willst Du mehr?
    Steigt der Euro wird gemeckert, fällt der Euro wird geweint, Hysterie, nenne ich das.

  • Sein Staatsanleihen-Kaufprogramm wirkt nämlich, wie es soll. "
    Der Wertverfall des Euros war vorher. Ihre Hetze ist sinnlos und unwahr. Ich hoffe,
    auf die Gerichte in Nürnberg.

  • Gold Und Platin Konfetti wäre angebracht gewesen. Überreicht von eine russischen Aktivistin, denn die "kleiden" sich besser und sind netter an zu sehen.

    Ich mag das EZB Programm.

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