Was vom Tage bleibt
Münchener Steuerleiden vor dem Ende

Uli Hoeneß kommt an einem Gerichtsverfahren wohl nicht vorbei. Die Deutsche Bank überrascht wie die Notenbanker aus der Schweiz. Viagra wird billiger, nur Fiat kommt nicht so recht vom Fleck. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Klarheit im Fall Hoeneß

Nun also wirklich: Die Staatsanwälte in München erheben Anklage gegen Uli Hoeneß. Nach den wochenlangen Spekulationen ist es gut so, dass es jetzt endlich dazu kommt. Denn der Schritt der Münchener Ankläger sorgt für Klarheit. Sie dürfen nicht den Anschein erwecken, dass der ansonsten gefeierte Fußball-Manager mit einer Sonderbehandlung rechnen kann. Das heißt aber nicht, dass Hoeneß automatisch im Gefängnis landen wird. Wenn der Großteil seiner Steuervergehen verjährt ist, dann müssen für diesen prominenten Steuersünder ebenfalls Recht und Gesetz gelten. Und das dürfte am Ende heißen, dass Hoeneß nur für den kleineren Teil seiner Vergehen büßen und keine Gefängnisstrafe fürchten muss.

Überraschung aus Frankfurt

Eigentlich hatten wir uns so langsam daran gewöhnt, dass wieder etwas positivere Nachrichten von den Banken kommen. Vor allem in den USA hatten die großen Institute während der vergangenen Monate ziemlich ordentlich verdient. Und nun überrascht ausgerechnet die Deutsche Bank mit einem vergleichsweise schlechten Quartalsergebnis, der Gewinn ist eingebrochen. Was lehrt das Beispiel von Deutschlands größter Bank? Bei den Kreditinstituten ist noch lange keine Ruhe eingekehrt. Zunächst können Gerichtskosten wie bei der Deutschen Bank für unangenehme Überraschungen sorgen. Zum anderen drückt bei vielen Instituten noch die dünne Eigenkapitaldecke. Also: Die nächste Überraschung kommt bestimmt.

Bauchschmerzen in der Schweiz

Für weitere Überraschungen dürften auch die Notenbanken sorgen. Heute am Dienstag war die Zentralbank aus der Schweiz an der Reihe. Wegen des Goldpreisverfalls mussten die Schweizer Währungshüter ihre Goldreserven neu bewerten. Und schwupps, so schnell kann das gehen, dann sind auf einen Schlag mal so eben 14 Milliarden Franken weg. Auch andere Notenbanker müssen sich darauf einstellen, dass ihnen ähnliche Schritte drohen. Im Welt-Finanzsystem steckt noch eine ganze Menge an heißer Luft, beim gesamten Anlagevermögen sind also weitere Abwertungen zu erwarten. Insofern war der Schritt der Schweizer Währungshüter nicht das Ende, sondern erst der Anfang.

Viagra ist nicht mehr exklusiv

Mit wenig erfreulichen Nachrichten musste auch der US-Pharmakonzern Pfizer aufwarten. Patente laufen bei den Amerikanern aus, extrem profitträchtige Medikamente wie die Potenz-Pille Viagra werden dadurch auf absehbare Zeit zur Massenware und deutlich billiger. Gut so, finde ich. Patente können nicht auf ewig vergeben werden, das gilt beispielsweise auch in der Industrie so. Für die Pharmakonzerne darf es keine Ausnahmen geben, irgendwann laufen auch deren Patente einmal aus. Gerade Pfizer hat in den vergangenen Jahren ordentlich verdient. Da darf es künftig gerne etwas gemächlicher zugehen.

Armes Italien!

Fiat ist zu einem echten Trauerspiel geworden. Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres hat der Turiner Autokonzern rote Zahlen geschrieben. Wenn der Autoabsatz in Südeuropa stockt, spüren das die Italiener natürlich sofort. Wie gut, dass Fiat noch seine Chrysler-Beteiligung hat. Das Geld aus den USA sorgt dafür, dass Fiat am Ende doch über die Runden kommt. Im Nachhinein erweist sich der Chrysler-Einstieg als kluger Schachzug von Fiat-Chef Sergio Marchionne. Wer weiß, vielleicht hat er noch mehr gute Ideen. Und dann könnte es mit Fiat möglicherweise doch wieder aufwärts gehen. Zu gönnen wäre es den leidgeprüften Italienern.

Einen angenehm kühlen Sommerabend wünscht

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Fiat wird früher oder später pleite gehen.

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