Was vom Tage bleibt
Nach der Krise ist vor der Krise

Die Lebensversicherer müssen möglicherweise ihre Zinsversprechen senken. Berlin kichert, weil München grummelt. Erdogan räumt auf. Und Nahles hat eine Nachfolgerin. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Auf die Krise folgt die Krise

Der Garantiezins auf Lebensversicherungen könnte Anfang 2015 nach drei Jahren erneut sinken. Wegen der niedrigen Marktzinsen jedenfalls beraten Versicherungsexperten derzeit über eine Senkung der maximalen Verzinsung, die Versicherer ihren Neukunden versprechen dürfen. 1,25 statt 1,75 Prozent könnten am Ende herauskommen. Keine Frage: Das Lieblingsfinanzprodukt der Deutschen zur Altersvorsorge büßt damit weiter an Attraktivität ein. Die Finanzkrise ist eben nicht vorbei, sondern sie trifft uns alle.

München grummelt

Das System Seehofer geht so: Er fördert seine Lieblinge, bis sie ihm gefährlich werden. Das funktioniert und erhält die Macht. Dumm ist nur, wenn das System an einem Tag zuschlägt, an dem anderes im Vordergrund stehen sollte. Wie heute. An sich geht es Anfang des Jahres nämlich darum, dass der Kreuther Geist nach Berlin strömt. Will sagen: Dass die CSU von ihrem romantischen Tagungsort Wildbad Kreuth aus möglichst stark die Themen in Berlin prägt. Diesmal jedoch benebelt der Kreuther Geist vor allem die bayerische CSU selber. Weil sich Horst Seehofer und seine mögliche Nachfolgerin Ilse Aigner nicht einig sind, hängt der Haussegen schief. Aigner musste einen eigenen Vorschlag zur Finanzierung der Energiewende zurückziehen, Seehofer sagte seine für den Nachmittag geplante Rede bei der Winterklausur in Wildbad Kreuth erstmal ab. Berlin kichert, München grummelt.

Armes Ankara

Als Reaktion auf Korruptionsvorwürfe gegen seine Regierung hat der türkische Ministerpräsident Erdogan Hunderte von Polizisten rausgeschmissen. Allein in der Hauptstadt Ankara wurden 350 Beamte ihrer Posten enthoben, in anderen Provinzen 250 weitere Polizeibeamte versetzt. Insgesamt sind seit dem Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung am 17. Dezember mehr als Tausend Polizeibeamte ausgetauscht worden. So reagiert Erdogan auf die Tatsache, dass er von den Korruptionsermittlungen nicht vorab informiert wurde. Die Türken glauben jedoch, es steckt mehr dahinter: etwa ein Machtkampf zwischen Erdogans Partei und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Sich ein Bild von außen zu machen, ist schwer. Klar ist: Sicherer wird die Türkei so nicht, stabiler auch nicht.

Die neue Generalin

Die Gewerkschafterin Yasmin Fahimi soll neue SPD-Generalsekretärin und damit Nachfolgerin von Andrea Nahles werden, die in der Großen Koalition das Arbeitsministerium übernommen hat. Fahimi leitete bislang das Ressort „Politische Planung“, die Grundsatzabteilung, beim Hauptvorstand der IG Bergbau, Chemie und Energie in Hannover. Sie ist also eine Frau, sie ist Gewerkschafterin, sie ist aus Hannover - was sie sonst zu bieten hat, erfahren wir, wenn sie im Dienst ist.

Der Fall Pofalla

Jetzt soll erstmal Zeit verstreichen. Die Deutsche Bahn will bis Ende März ihrem Aufsichtsrat ein Konzept und einen Personalvorschlag für den Bereich „Wirtschaft, Politik und Regulierung“ vorlegen, teilen Bahnchef Rüdiger Grube und der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht heute in bemühter Einmütigkeit mit. Den Namen Pofalla erwähnen beide nicht. Es muss eben erstmal Gras über einen wachsen, der erst erklärte, dass er kürzer treten wolle und dabei schon wusste, dass der Staatsbetrieb Bahn ihm bereits einen Posten vorwärmte.

Einen wärmenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Nach der Krise ist vor der Krise"

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  • Richtig, "die Finanzkrise ist eben nicht vorbei".

    Wie sollte sie auch?

    Die FED druckt pro Jahr 1.000.000.000.000 Dollar an neuem Schuldgeld mit ihrem Quantative Easing Programm.

    Das heißt innerhalb von 12 Monaten werden mittlerweile mehr ungedecktes Fiatgeld ins System gepumpt, als die FED in der gesamten Zeit seit ihrer Gründung 1913 bis 2007 in der Bilanz hatte.

    Das heißt alle 12 Monate werden nun 100 Jahre an Geldwert neu "geschaffen" und ergießen sich ins System.

    Also ganz im Gegenteil, die Finanzkrise ist nicht vorbei, sondern wird immer größer, bis es unter den gewaltigen Schuldenbergen zusammenkracht.

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