Was vom Tage bleibt
Nach mir die Sintflut

Die Deutsche Bank greift zu verzweifelten Maßnahmen, der Rettungsschirm soll zum Goldesel werden, Griechenland jammert über leere Kassen und Deutschland bricht den Medaillenfluch. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Hiobsbotschaften bei der Deutschen Bank

Es ist ein kolossaler Stolperstart, den das neue Spitzenduo bei der Deutschen Bank da hingelegt hat. Seit zwei Monaten sind sie im Amt und müssen immer neue Hiobsbotschaften verkraften. Nun müssen sie in Folge der Schuldenkrise einen dramatischen Gewinneinbruch vermelden und kündigen den Abbau von 2000 Stellen an. Um an einer anderen Front Ruhe zu bekommen, hat jetzt Aufsichtsratschef Achleitner öffentlich betont, dass Jain am Skandal um manipulierte Libor-Zinssätze, der die Bank erschüttert, nicht beteiligt war. Dass diese demonstrative Unterstützung überhaupt nötig ist, zeigt, wie schwach die Stellung der neuen Bankspitze ist.

Audi läuft und läuft und läuft

Überhaupt nicht von der Schuldenkrise betroffen dagegen ist der Premiumautobauer Audi. "Luxus läuft eben immer", könnte man meinen. Doch dass dem nicht unbedingt so ist, haben aber zuletzt die schwachen Daimler-Zahlen gezeigt. Der entscheidende Faktor ist, dass Audi in den vergangenen Jahren sehr konsequent am Markenimage gearbeitet hat und Produkte in der Modellpalette hat, die auch die jüngere Kundschaft begeistern. Daimler dagegen hat sich zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht. Doch damit hat man höchsten bei Oldtimer-Fans eine Chance.

Lizenz zum Gelddrucken

Die Politiker in Europas Schuldenstaaten haben mittlerweile offenbar jedes Maß verloren. Jetzt planen die Regierungschef von Italien und Frankreich allen Ernstes, den Rettungsschirm mit einer Banklizenz auszustatten. Was sich so harmlos anhört wie das Ausstellen eines Gewerbescheins, hätte jedoch weitreichende Konsequenzen. De facto wäre es die Lizenz, unbegrenzt Geld zu drucken. Offenbar ist endgültig das Motto "Nach mir die Sintflut" zum Leitmotiv der Euro-Krise geworden.

Jammernde Schuldner

Um die verzweifelten Euro-Retter weiter unter Druck zu setzen, ist den Schuldnern jedes Mittel recht. Der stellvertretende griechische Finanzminister Christos Staikouras jammerte jetzt in einer Fernsehansprache, die Barreserven der Regierung seien "fast bei null" und die zugesagte nächste Hilfstranche sei nicht eingetroffen. Die bühnenreifen wie tränenreichen Auftritte sollten sich Leute wie Staikouras lieber sparen. Wenn die griechische Regierung rechtzeitig Maßnahmen gegen die Krise ergriffen hätte, könnten sie dem Musterschüler Irland nacheifern, der schon wieder über eine Rückkehr an die Kapitalmärkte nachdenkt.

Was fehlt? Ein geradezu kollektives Aufatmen ging heute durch die Büros in Deutschland: Um 13.20 Uhr macht die deutsche Mannschaft der Vielseitigkeitsreiter ihren Sieg perfekt und gewann damit die erste Goldmedaille für Deutschland bei den olympischen Spielen. Nun sollte aber auch der Spott im Netz, der über Deutschland nach zwei langen medaillenlosen Tagen ausgegossen wurde, wieder der Begeisterung über die Leistungen der Athleten weichen. Und wer danach der deutschen Wirtschaft noch etwas Gutes tun will, der sollte mit einem Bier anstoßen. Denn der Bierabsatz ist im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen - trotz Fußball-EM.

Ich wünsche Ihnen einen goldenen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Nach mir die Sintflut"

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  • Schlechte Zahlen von Daimler...
    Jawoll, das kann ich nur unterstreichen. Ich BIN Mercedes-Oldtimerfan und -fahrer und ich fahre diese alten Kästen, weil ich immer noch der Ansicht bin, daß das das Beste war, was Mercedes je gebaut hat. Ich bin auch der Meinung, daß beispielsweise eine W123 T-Modell auch heute in Bezug auf Bedienungs- und Wartungsfreundlichkeit sowie Übersichtlichkeit kaum zu toppen ist. Ein paar moderne Motoren rein (aber ZUVERLÄSSIGE!), ein bißchen windschnittiger und das wäre das perfekte Auto. Aber nein, sie machen alles mit, was die anderen auch machen und das noch nicht mal besser, sondern nur teurer. Das Design ist an Häßlichkeit kaum zu toppen, es ist im schlechtesten Sinne modisch. Die Verkäufer in den Niederlassungen sind an Hochnäsigkeit kaum zu toppen und deshalb verkauft mir diese Firma schlicht kein neues Auto. Sollte ich gezwungen sein, einen Neuwagen zu kaufen, würde es vermutlich ein BMW, auch wenn diese Firma für mich bislang nicht existent war.

  • Was François Hollande in Sachen EU betreibt, kann man einerseits verstehen: Deutschland hat auf Kosten der schwächeren EU-Länder Unsummen verdient, nun sucht er nach Wegen, das Geld wieder aus Deutschland heraus zu holen.

    Aber sein Weg ist falsch: Nicht das deutsche Großkapital, das das dicke Geschäft gemacht hat, sondern das deutsche Gemeinvolk wird bluten. Das könnte man noch akzeptieren, denn irgendwie sind wir ja für deutsche Politik verantwortlich. Aber Hollande ist dabei, ein Monster aus seinem Käfig zu holen, dass man nicht wieder einsperren kann, und das nicht nur geeignet ist, jetzt Geld aus Deutschland herauszuholen, um bisherige und zukünftige Ungerechtigkeiten auszugleichen, sondern auch dazu, dass von trickreichen Kreisen aus allen EU-Ländern geplündert wird. Die Gemeinschaftswährung Euro muss weg, der Schaden, den sie anrichtet, kann bestenfalls durch hoch komplexe Regulierungssysteme exakt ausgeglichen werden, nicht aber durch einfache Ideen, wie sie jetzt präsentiert werden. Hätte Hollande Mut, dann würde er erstens das sagen, zweitens verlangen, dass die Länder, die bisher auf Kosten anderer vom Euro profitierten, den dadurch angerichteten Schaden beseitigen müssten.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    "Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"

  • Ob bei Daimler, ob in der griechischen Regierung, ob bei der Deutschen Bank - in der Spitze sitzen nicht selten Pfeifen, die aufgrund von Firmen- /Parteitreue und vor allem nach dem Peter Prinzip nach oben gekommen sind: Man wird mindestens solange befördert, bis man eine Funktion zu erfüllen hat, für deren Erfüllung man nicht mehr kompetent ist. Aber in einer Welt, in der man mangelnde Sachleistung mit Lug und Intrige ausgleichen kann, muss das in den meisten Fällen nicht einmal auffallen.

    Was Sie, Florian Kolf, über Audi und Daimler sagen, trifft genau den Kern. Man fragt sich, wofür es zig-Unis mit Marketing-Lehrstühlen gibt (ich habe Marketing bei Profs. Dieter Ahlert und Heribert Meffert gelernt), wenn ein Spitzenunternehmen wie Daimler ein so grottenschlechtes Marketing betreibt - aber der Vorstand dafür noch Millionen kassiert.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://www.freegermany.de/apokalypse20xx.html

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