Was vom Tage bleibt
Nicht alle fliegen auf Karlsruhe

Ein Großteil der Politik-Elite war heute aus Berlin nach Karlsruhe gereist, um die Beratungen über den Rettungsfonds ESM zu verfolgen. Von Hamburg aus wird das künftig schwieriger. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend,

Karlsruhe und der Rettungsfonds - hoch spannend und halb öffentlich

Das Bundesverfassungsgericht hat sich heute durch die Anträge gegen den europäischen Fiskalpakt und den Rettungsfonds ESM geackert. Im Saal durfte niemand Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen, sei es per SMS oder Twitter-Kurznachricht. Nur eine Tonübertragung in einen anderen Saal gab es. Und so wirkte das höchste Gericht etwas gestrig, als es über die Zukunft des Euro diskutierte. Je länger der Tag dauerte, desto mehr kristallisierte sich hinaus, dass doch eine vollständige Prüfung der Gesetze auf ihre Verfassungsmäßigkeit folgen und diese bis 2013 dauern könnte. Europa müsste mit angezogener Handbremse weiterfahren. Den turbulenten Tag können Sie gerne auch in unserem Live-Blog nachlesen.

Air Berlin meldet Rückschlag (nicht nur) für Karlsruhe

Während die Verfassungsrichter diskutierten, meldete die Fluggesellschaft Air Berlin die Kürzung der Flugverbindung von Hamburg nach Karlsruhe. Doch damit ist die nächste Welle des Sparprogramms von Vorstandschef Hartmut Mehdorn bei weitem nicht umschrieben. Allein in Hamburg werden 38 von 220 Verbindungen gekappt, dazu noch Strecken wie Köln-Sylt oder Stuttgart-Mailand. Die Kürzung allein mit der Luftverkehrssteuer zu begründen, ist aber schwach. Denn hohe Kerosinpreise lasten ebenfalls auf Airlines rund um die Welt.

Zinsmanipulation, die x-te

In der Anhörung rund um manipulierte Marktzinsen lauschte ein britischer Parlamentsausschuss heute dem scheidenden Barclays-Aufsichtsratsvorsitzende Marcus Agius. Der wusch seine Hände in Unschuld und schob den schwarzen Peter dem Management zu. Dem ebenfalls zurückgetretenen Vorstandschef Diamond gewährt Agius aber trotzdem einen goldenen Handschlag. Diamond erhält zwei Millionen Pfund (knapp 2,5 Millionen Euro) an Abfindung. Dafür verzichtet der immerhin auf langfristig garantierte Bonusleistungen in Höhe von rund 20 Millionen Pfund. Für ein paar gepflegte Runden Golf dürfte auch die gekürzte Summe reichen. Zuletzt lag Diamonds Handicap übrigens bei 9,2.

Keine Sommerpause für Euro-Retter

„Schwimmen Sie nicht zu weit raus und achten darauf, das Handgepäck immer griffbereit zu haben“, hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert den Abgeordneten zum Schluss der letzten ordentlichen Sitzung vor der Sommerpause geraten. Denn Sondersitzungen zur Euro-Rettung deuteten sich bereits an. Am 19. Juli ist es jetzt soweit: Die Parlamentarier sollen über den Hilfsantrag Spaniens an den Rettungsfonds EFSF - den Vorläufer des ESM - entscheiden. Immerhin ist sicher gestellt, dass diese Hilfe verfassungsgemäß wäre. Nur ob die für einen späteren Zeitpunkt geplante Übertragung der Hilfen an den ESM möglich sein wird, das blieb heute ungeklärt.

Einen schönen Abend wünscht,

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Nicht alle fliegen auf Karlsruhe"

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  • Tatsächlich erfrischend sachlich. Danke.

  • Danke,
    endlich ein Tagesrückblick der auch als solcher taugt und nicht bloße Satire ist. Hier wird ein guter Überblick mit einem Funken Meinung gegeben. Bitte so beibehalten, es war lange Zeit dieses unnütze Gerede zu ersetzen.

    Schönen Feierabend

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