Was vom Tage bleibt
Nie wieder nach Moskau?

Die russische Regierung verhängt Einreiseverbote für US-Politiker, die Dax-Vorstände verdienen mehr. Die EU stopft Steuerlöcher, Air Berlin braucht Geld und Niedersachen verlängert die Schulzeit. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kinderspielchen

Heute hat die russische Regierung die Katze aus dem Sack gelassen: So namhafte Menschen wie der konservative US-Politiker John McCain und der republikanische Mehrheitsführer im Senat, John Boehner, sind mit einem Einreiseverbot für Russland belegt worden. Die Folgen dieser Entscheidung dürften ziemlich begrenzt sein. McCain und Boehner werden bestimmt nicht sonderlich darunter leiden, dass sie jetzt nicht mehr nach Moskau fahren können. Das dürfte im Gegenzug auch für die russischen Politiker gelten, die die US-Regierung mit einem Einreiseverbot belegt hatte. Bleiben die Sanktionsspielereien zwischen Ost und West auf diesem Niveau, dann gibt es keinen Grund zur besonderen Aufregung. Alle anderen Amerikaner und Russen können sich weiterhin frei zwischen beiden Ländern bewegen. Die beiden Präsidenten Obama und Putin können unverändert miteinander reden und gemeinsam nach einer Lösung in der Ukraine-Krise suchen. Das sollten sie jetzt gefälligst auch tun.

Wo ist die Inflation?

Es klingt auf den ersten Blick nach einer gewaltigen Steigerung: In den vergangenen zehn Jahren haben die Vorstände der großen Dax-Konzerne ihre jährlichen Bezüge von 400 auf etwa 550 Millionen Euro gesteigert. Wer von der Ungerechtigkeit der Wirtschaft überzeugt ist, könnte lauthals lospoltern und dagegen protestieren. Wer ein zweites Mal hinsieht, dürfte etwas nachdenklicher reagieren. Wer ausschließlich auf die reine Steigerung der Bezüge sieht, der vergisst dabei leider die Inflation. Inflationsbereinigt sieht die Welt dann schon wieder ganz anders aus. Wird nämlich der Kaufkraftverlust mit einbezogen, dann verdienen die Dax-Vorstände in etwa das, was sie schon vor zehn Jahren bekommen hatten. Also kein Grund zur Beunruhigung, alles ist in Ordnung.

Löcher stopfen

Luxemburg und Österreich geben jetzt endlich nach und heben auf Druck der anderen EU-Staaten ihr Bankgeheimnis auf. Beide Länder konnten sich in der Vergangenheit stets sehr gut hinter der Schweiz verstecken, die in aller Regel die Prügel der großen EU-Staaten und der USA wegen ihrer laxen Bankregeln abbekam. Im Windschatten der Schweiz sind Österreich und Luxemburg immer wunderbar mitgesegelt und haben von ihren Sonderbestimmungen für die eigenen Banken profitiert. Wenn jedoch in Europa einheitliche Banken- und Steuerregeln eingeführt werden, dann bitte sehr auch mit Luxemburg und Österreich. Steuersünder aufgepasst, das nächste Schlupfloch wird geschlossen.

Flug nach Arabien?

Die gesamte Finanzwelt rätselt darüber, warum Air Berlin die eigentlich für heute angekündigte Bilanzpressekonferenz um eine Woche verschoben hat. Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft geht es alles andere als gut. Wenn nicht die heimliche Mutter, die arabische Fluggesellschaft Etihad, immer wieder Geld hineinpumpen würde, sähe es bei Air Berlin schon reichlich düster aus. Deshalb dürfte es niemanden wundern, wenn Etihad versuchen wird, seinen Einfluss noch weiter auszubauen. Im Zweifel kann das auch heißen, dass die Air-Berlin-Aktie komplett von der Börse verschwindet. Zumindest herrschten dann ziemlich klare Verhältnisse.

Keine Chance für Reformen

Niedersachsen versucht sich als Vorreiter für Westdeutschland und will das erst vor ein paar Jahren eingeführte verkürzte achtjährige Abitur (G8) schon wieder abschaffen. Andere Länder werden wahrscheinlich folgen. Dass es dazu kommt, ist ein weiteres Beispiel für die Reformunfähigkeit hierzulande. Veränderungen werden zwar eingeleitet, auf halbem Wege geht es aber wieder zurück. Die ostdeutschen Länder haben das G8-Abitur als DDR-Erbe übernommen und leben gut damit. Vielleicht sollten Lehrer aus Schwerin, Magdeburg und Leipzig nach Westdeutschland wechseln Um zu zeigen, dass G8 tatsächlich funktionieren kann.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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