Was vom Tage bleibt
Noch gibt er nicht auf

Martin Winterkorn will VW-Chef bleiben, der Dax stürzt schon wieder ab. Apple droht mit dem eigenen Auto, die EU verteilt Flüchtlinge per Zwang und die russischen Stützpunkte in Syrien werden größer. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Zuspitzung

Martin Winterkorn will nicht weichen. In einer fast dramatischen Video-Botschaft hat er angekündigt, dass er Volkswagen-Chef bleiben werde und den Abgasskandal lückenlos aufdecken wolle. Der VW-Chef wirkte angeschlagen, angegriffen. Vielleicht sind seine Worte schon in wenigen Tagen nicht mehr viel wert. Die Zahl seiner Gegner wächst von Stunde zu Stunde, weil am Ende doch der Chef ganz oben den größten Skandal in der VW-Geschichte zu verantworten hat. Am Freitag entscheidet der Aufsichtsrat über Winterkorns Vertragsverlängerung. Schwer zu glauben, dass es dazu noch kommen wird.

Schlechte Zeiten für alle

Der Skandal um VW ist längst kein Thema mehr allein für den Wolfsburger Konzern. Der Verkehrsminister will alle Volkswagen-Dieselmodelle überprüfen lassen, auch die Kanzlerin fordert schnelle Aufklärung. VW hat der gesamten deutschen Exportwirtschaft einen Bärendienst erwiesen. Der Ruf von „Made in Germany“ leidet, der Glaube an die deutsche Ingenieurkunst gerät in Zweifel. Auch die Aktienkurse der anderen Autohersteller müssen büßen – und Deutschlands wichtigster Index Dax schließt tiefrot.

Die Neuen kommen

Noch geht es den deutschen Autoherstellern gut. Noch. Niemand kann heute abschätzen, welche Konsequenzen der VW-Skandal nach sich ziehen wird. Alte und neue Konkurrenten können frohlocken, die hochgelobte deutsche Konkurrenz hat plötzlich ein riesiges Problem. In vier Jahren will Apple mit seinem ersten Elektroauto auf der Straße sein. Keine Frage, die Amerikaner werden das schaffen. Und den Deutschen erheblich zusetzen.

Mit großer Mehrheit

Selten hat es das gegeben: Bei der Verteilung von Flüchtlingen zwingt eine Mehrheit von EU-Staaten einer Minderheit ihren Willen auf. Länder wie Frankreich und Deutschland haben durchgesetzt, dass widerstrebende Staaten wie Ungarn und Tschechien jetzt doch Flüchtlinge aufnehmen müssen. Eine richtige Entscheidung. Die Aufnahme der Flüchtlinge kann keine rein westeuropäische Aufgabe sein – sie betrifft den ganzen Kontinent. Niemand darf ausscheren, das sollten auch die Osteuropäer verstehen.

Die Russen sind da

Die Lage in Syrien wird komplizierter, was uns in Europa einen noch stärkeren Zustrom an Flüchtlingen bescheren kann. Russland hat inzwischen mehrere Tausend Soldaten in dem Bürgerkriegsland stationiert. Ihr Auftrag wird sein, das Assad-Regime im Amt zu halten. Doch der Ausgang dieses neuen russischen Feldzuges ist völlig offen. Er kann mit einer Teilung Syriens enden, was vielleicht sogar etwas mehr an Stabilität bringen wird. Oder Syrien endet vollends im blutigen Chaos.

Ihnen wünsche ich einen erholsamen und geruhsamen Abend, ganz ohne die Probleme dieser Welt. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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