Was vom Tage bleibt
Ordnen, was sich einer Ordnung entzieht

Wie Frau Nahles ihre Kritiker provoziert. Wie Deutschlands Bankspitzen rotieren. Wie Hooligans demonstrieren und wie Saturn zurückmarschiert – das lesen Sie in diesem Rückblick auf den Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gesetz gegen Streikwut

„Es gehört“, so sagte uns heute der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum, „zur freien Gesellschaft, dass auch Minderheiten zu respektieren sind – das fällt der Gossen Koalition schwer.“ Baum sprach über den Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Nahles, der die Streikwut kleiner Gewerkschaften eindämmen will. Baum wird gegen die geplante Regel Verfassungsbeschwerde einlegen. „Die Große Koalition will ordnen, was sich einer staatlichen Ordnung entzieht“, meint er. Wenn das meine Tochter liest, die ihr Zimmer aufräumen soll, wird sie sagen: „Papa, Du willst ordnen, was sich einer Ordnung entzieht.“ Ich werde das nicht durchgehen lassen.

Herzbuben

Alexander Dibelius gibt seinen Posten als Deutschlandchef der US-Investmentbank Goldman Sachs nach 13 Jahren auf. Er bleibt Investmentbanker, aber er bleibt nicht Chef. Der ehemalige Herzchirurg hat alles überstanden: Eine Finanzkrise, einen privaten Rosenkrieg und die eine oder andere angedichtete Affäre. Zwei neue Chefs sollen ihn ersetzen. Goldman setzt an der Spitze auf die Kraft der zwei Herzen. Die Deutsche Bank macht das schon länger. Zu ihren Herzbuben zählt neben den Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain bislang auch Stefan Krause, der Finanzchef. Er könnte vor einem Wechsel in eine weniger bedeutende Position stehen, heißt es heute Abend. Fragt sich, wer deswegen Herzschmerzen bekommt.

Ich glaube an Marc Aurel

Die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“, die am Wochenende in Köln durch viele Fäuste und wenig Hallelujah aufgefallen ist, hat für ihre nächste Kundgebung „gegen den islamistischen Terror“ Hamburg ausgewählt. „Ergib Dich nicht der Stimmung dessen, der Dich beleidigt. Folge nicht dem Weg, auf den er Dich schleppen möchte“, ist von Marc Aurel überliefert, der übrigens ein mächtiger Kaiser in Rom gewesen ist.

Fortschritt a la Saturn

Selbst ist der Kunde: Wer bei Saturn künftig online bestellen will, muss nicht mehr zu Hause auf den Postboten warten, sondern kann sein Paket selbst in der Filiale abholen. Saturn preist das als Fortschritt. Mir kommt es irgendwie vertraut vor. Dunkel erinnere ich mich, schon als kleiner Junge ins Geschäft gegangen zu sein, um einzukaufen.

Hauptsache dabei

Berlin oder Hamburg – eine von beiden Städten soll sich darum bewerben, die Olympischen Spiele 2024 auszurichten. So will es der Deutsche Olympische Sportbund. Wer sich über die Ankündigung nicht freut, der denke an das olympische Motto: Dabei sein ist alles. Das gilt selbst schon fürs Bewerbungsverfahren.

Bleiben Sie dabei, wünscht sich

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Ordnen, was sich einer Ordnung entzieht"

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  • Schärfer formuliert:
    Die wiederholten Streiks in immer kürzerer Abfolge verwiesen auf eine volkommene Überforderung der betroffenen Boards mit ihren hochgesteckt wirkenden Zielen.

    Nach alter Gutherrenart soll hier eine vollkommen verfehlte Personalpolitik durchgedrückt werden, die inzwischen Markenkerne nicht nur beschädigt hat, sondern nochdarüberhinaus das als unternehmerische Avantgarde zu formulieren gedenkt.

    Mit Verlaub: das sind Gründerzeitmanieren, die moderner Betriebsführung nicht nur widersprechen, sondern die darüberhinaus der Öffentlichkeit mitzuteilen gedenken auf welchem Level man die betroffenen Unternehmen weiter in die Grütze zu fahren zu gedenken scheint.

  • Wenn ich es als Arbeitgeber auf einen Streik ankommen lasse, dann weiß ich sehr genau, welche Risiken ich inkauf nehme.
    Sollte ich deswegen das Grundgesetz mißachten mich erkennen müssen, würde ich mich außerhalb der geltenden Rechtsordnung bewegen.
    Nun gut: das mag kalkulierbar gelten.
    Schwere wirtschaftliche Verluste indes einzukalkulieren, um hier eine Herr in Hof Mentalität durchzusetzen, das könnte als durchaus ambitioniert gelten: erst recht, wenn man damit leben kann, eigenes Personal öffentlich als Brecher des Betriebsfriedens hinstellen zu wollen, das zumindest Butter und Brot Erträge einfährt.

    Erstaunlich, was da in einigen Boards abzugehen scheint.

  • schrankenlos?

    Das Streikrecht ist reglementiert und bewegt sich in klar definierten Grenzen. Sie tun ja geradewegs so als wäre mit der Inanspruchnahme grundgesetzlich garantierter Rechte von Arbeitnehmern der Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährdet.

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