Was vom Tage bleibt
Patienten haben entschieden

Die Techniker Krankenkasse setzt sich an die Spitze, Google kauft schon wieder dazu. Der ADAC gerät unter Feuer, RWE bekommt viel Geld und Ford verkündet die Revolution. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Abstimmung mit den Füßen

Kaum ein Tag vergeht ohne Wehklagen über das deutsche Gesundheitssystem. Zu lange Wartezeiten, zu hohe Kosten, fehlende Effizienz. Das galt in der Vergangenheit vor allem für das gesetzliche System, in dem Versicherte früher nur sehr begrenzt die Kasse wechseln konnten. Das hat sich inzwischen geändert, und sofort beginnt die Abstimmung mit den Füßen. Die Techniker Krankenkasse ist jetzt zur größten gesetzlichen Kasse in Deutschland aufgestiegen – weil sie die Versicherten mit ihren Leistungen überzeugt. In einem ziemlich regulierten System wie der Krankenversicherung ist also tatsächlich Wettbewerb möglich. Fazit: Mehr davon, auch in anderen Bereichen. Unser Land wird davon profitieren.

Überall Computer

Google ist doch immer für eine Überraschung gut. Wir haben uns zwar alle daran gewöhnt, dass der große US-Konzern in regelmäßigen Abständen das Portemonnaie öffnet und einen Zukauf nach dem anderen tätigt. Neu ist allerdings, dass Google nicht mehr nur Unternehmen aus der IT-Branche erwirbt. Gut zwei Milliarden Euro nimmt Google für den Kauf des Haustechnik-Anbieters Nest in die Hand. Ganz praktisch formuliert: Der IT-Riese holt sich jetzt Rauchmelder und Heizthermostate ins Reich. Warum machen die Amerikaner das? Ganz einfach. Nest steht für die Entwicklung, dass der Computer auch bei einfachen Dingen des Alltags eine immer größere Bedeutung bekommt. Nest wird definitiv nicht der letzte Google-Kauf bleiben. Wie wäre es mit einem Automobilzulieferer oder einem Maschinenbauer?

Wackelt die Bastion?

Der ADAC ist eine Macht in diesem Land. Mit bald 20 Millionen Mitgliedern kann Deutschlands größter Autoklub ganz schnell mit den Muskeln spielen und die Interessen der Auto-Lobby durchdrücken. Noch hat der ADAC auch einen Ruf als unabhängige und neutrale Institution, was etwa die Autotests des Klubs belegen sollen. Was aber, wenn die Vorwürfe stimmen, der ADAC habe bei der Abstimmung über die beliebtesten Autos ein wenig korrigierend nachgeholfen? Es wäre eine Katastrophe, ein großer Verlust an Glaubwürdigkeit. Deshalb ist es umso unverständlicher, dass sich die Münchener ADAC-Zentrale heute nach Bekanntwerden der Vorwürfe weitgehend in Schweigen gehüllt hat. Sollte an den Manipulationsvorwürfen doch etwas dran sein?

Formalität vs. Realität

Die RWE-Verantwortlichen dürften sich die Hände reiben. Nach einer Gerichtsentscheidung ist die vom Land Hessen angeordnete kurzzeitige Stilllegung des Kernkraftwerkes Biblis nicht in Ordnung. RWE hat dadurch Anspruch auf eine Entschädigung in dreistelliger Millionenhöhe. Formal mag das Bundesverwaltungsgericht damit Recht haben, der Anordnung des Landes Hessen fehlte die juristische Grundlage. Aber was heißt das im echten Leben? Deutschland hat den Ausstieg aus der Kernenergie nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima beschlossen. Kernenergie ist eine unsichere Sache. Fukushima hat gezeigt, dass die Abschätzung aller potenziellen Risiken eben nicht möglich ist. Deutschlands Ausstieg ist daher die richtige Entscheidung. Mögen die Herren und Damen Richter bei den Formalitäten auch ein Haar in der Suppe gefunden haben.

Amerikanische Verspätung

Es klingt nach der großen Revolution. Ford-Chef Alan Mulally kündigt in einem Handelsblatt-Interview an, dass sein Unternehmen künftig in großem Stil Aluminium im Fahrzeugbau einsetzen wolle. Hierzulande kann solch eine Ankündigung nur großes Gähnen auslösen, weil etliche deutsche Hersteller schon lange auf das leichte Metall setzen. Viel zu spät haben die Amerikaner die Vorzüge von Aluminium erkannt. Der vermeintlich große Wurf von Ford macht vielmehr etwas anderes deutlich: Die US-Autohersteller haben schon häufiger wichtige Innovationen verpasst. Die großen amerikanischen Konzerne waren fast alle schon nahe an der Pleite, die deutschen hingegen nicht.

Noch ein letzter Hinweis: Handelsblatt Online hat wieder mit der großen Anlegerumfrage zum Jahresbeginn gestartet. Wo steht der Dax Ende 2014? Was machen Dollar und das Gold? Den direkten Weg zur Abstimmung finden Sie hier.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen ganz herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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