Was vom Tage bleibt: Prokon wird zum Problem für die Bafin

Was vom Tage bleibt
Prokon wird zum Problem für die Bafin

Die Finanzaufsicht wusste früh über das Prokon-Schneeballsystem Bescheid. Der Microsoft-Chef kommt aus der Wolke. Ein Virus frisst sich durch die Märkte. Schwarzarbeit verursacht keine Gewissenbissw. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Finanzaufseher schauten weg

Die Kontrolleure der Finanzaufsicht Bafin haben bereits fünf Jahre vor der Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon einen Brief vom Unternehmen selbst erhalten, in dem sie erfuhren, dass Prokon dringend frisches Geld einsammeln muss, um damit alte Anleger auszuzahlen. In dem Schreiben geht es unter anderem um die prekäre pekuniäre Lage eines Fonds. „Vor diesem Hintergrund besteht für die Gesellschaft derzeit nicht die Möglichkeit, das Eigenkapital an die Kommanditisten durch die Aufnahme neuer Kredite und Beleihungen von Vermögenswerten zurückzuzahlen“, gestehen die Windkraft-Anlagenentwickler den Finanzanlagen-Aufsehern. Der Brief rückt das Schneeballsystem von Prokon um keinen Deut in ein besseres Licht. Die Aufsichtsqualität der Bafin allerdings in ein deutlich schlechteres.

Der Allmächtige

Microsoft bestätigte heute Nachmittag, was vergangene Woche hier bereits zu lesen war: Nach fast einem halben Jahr intensiver Suche hat der Konzern in den eigenen Reihen einen gefunden, der es machen soll. Einen, der würdig ist, in Steve Ballmers große Fußstapfen zu treten. Es ist Firmenveteran Satya Nadella, ein 46-jähriger Inder. Er war zuletzt für die Cloud-Dienste zuständig. Der neue Chef kommt aus der Wolke – Microsoft war schon immer ein Unternehmen von himmlischer Allmacht.

Die Börse tanzt

Die Verunsicherung frisst sich wie ein Virus durch die Finanzmärkte, von den Rändern bis zum Kern: Zuerst war es die Sorge um Schwellenländer wie die Türkei, Südafrika oder Indonesien. Die sogenannten Emerging Markets stürzten ab, nachdem Investoren innerhalb kurzer Zeit massiv Kapital abgezogen hatten. Jetzt greift die Nervosität auf die großen Volkswirtschaften über. Die Kurse an den Börsen in New York, Tokio und Frankfurt gehen auf Talfahrt. Was bleibt? Ruhe bewahren. Wenn es zehn Prozent nach unten geht, dann geht es auch wieder 15 nach oben. Die Börse tanzt Rock'n'Roll.

Ergebnislos

Angela Merkel zu begeistern ist schon nicht einfach. Mit dem Plan, die Türkei in die EU zu holen, gelingt das allerdings gar nicht. Die Bitte des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan um eine stärkere deutsche Unterstützung beim EU-Beitritt seines Landes, beschied sie so: Das sei ein „ergebnisoffener Prozess“. Jeder von uns, der schon mal ergebnissoffen diskutiert hat, weiß, dass er anschließend auch ohne Ergebnis aus der Diskussion herausgekommen ist.

Wir Schwarzmaler

Sind wir nicht alle ein bisschen Schwarzer, fragen sich heute meine Kollegen Stefan Kaufmann und Maike Freund und berichten übers Putzen, Jäten, Streichen: Es sind vor allem diese Tätigkeiten, die nicht beim Finanzamt angemeldet werden. „Ein Großteil der Schwarzarbeit findet im Privaten statt“, stellen die beiden fest. Meist von Haushalten mit mittlerem Einkommen. Der häufigste Grund ist laut einer Umfrage der Minijob-Zentrale: Geld sparen. Der zweithäufigste: das Gewissen. Oder genauer: das fehlende Gewissen. 80 Prozent der Auftraggeber haben kein schlechtes Gewissen beim Schwarzmalen, halten Kaufmann und Freund empirisch fest.

Einen Abend voller gutem Gewissen wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Prokon wird zum Problem für die Bafin"

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  • Wiewiel Geld die Prokon Leute auf Ausländischen Konten gesichert haben , werden wir wohl erst einmal nicht erfahren. Aber auch ohne würden sie sicher gerettet werden, notfalls vom Staat. Das Problem ist und bleibt das es zuviele Steuern gibt und zuwenige Fenster aus der man es rauswerfen kann.

  • "Prokon wird zum Problem für die Bafin"

    Wir dürfen den Bundesfinanzminister nicht vergessen. Er ist oberste Dienstaufsichtsbehörde für die BaFin.

    Hier gilt es nachzufragen, wie er seiner Dienstaufsicht nachgekommen ist und weshalb er die Missstände in der BaFin nicht kannte. Vielleicht fehlte hier schlicht die notwendige Distanz für eine Aufsicht.

    In Köln würde man das wahrscheinlich anders ausdrücken: "Alles Klüngel"!

  • Hier noch einmal die Artikel in diesem Zusammenhang:

    Prokon-Pleite Die Finanzaufsicht schaute tatenlos zu
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/recht-steuern/anleger-und-verbraucherrecht/prokon-pleite-die-finanzaufsicht-schaute-tatenlos-zu/9428000.html

    Bafin wusste 2009 von Finanzlage bei Prokon
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/recht-steuern/anleger-und-verbraucherrecht/windparkfinanzierer-bafin-wusste-2009-von-finanzlage-bei-prokon/v_detail_tab_comments/9432116.html

    Es ist an der Zeit, dass die BaFin selbst "links gemacht" wird. So geht es nicht.

    Erdogan würde zuerst den Bundesfinanzminister feuern, weil der die Dienstaufsicht über die BaFin auszuüben hat. Von dessen Nachfolger würde er verlangen, dass er seinen Job macht und sich täglich über den Fortgang der Arbeiten Bericht erstatten lassen.

    Und was Mutti?

    Statt sich um eine eigene Arbeit zu kümmern, haben sie versucht über den Ankauf von Hehlerware das Volk einzuschüchtern.

    Die Meldungen von Hoeneß, über Schwarzer, Kulturstaatsekretär bis zum ehemaligen Finanzminister in NRW und CDU-Schatzmeiste passen alle zusammen.

    Das ganze Theater ist schon lange für die Comedian-Branche. Man hätte es sich vorher so nicht ausmalen können.

    Wir brauchen die Abgeordnetenkorruption ebenso wie die Steuerverschwendung als Straftatbestand im Strafgesetzbuch.

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