Was vom Tage bleibt: Putin vergisst die Wirtschaft

Was vom Tage bleibt
Putin vergisst die Wirtschaft

Russlands Banken brauchen Kapital, Siemens wirbt in Moskau für Aufträge. Air Berlin lässt die Aktionäre zappeln, die Türkei verbietet Youtube und Deutschland führt den Doppelpass ein. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bank-Schaden

Ob Russlands Präsident Putin damit gerechnet hat? Die politischen und militärischen Folgen des Einmarsches auf der Krim waren für ihn einigermaßen kalkulierbar. Aber hat Putin auch an die Wirtschaft gedacht? Die russischen Banken werden jedenfalls von einem Krim-Nachbeben erschüttert, die Zentralbank in Moskau hält schon Notfallpläne bereit. Dass westliche Kapitalgeber nach der Krim-Besetzung verstärkt Geld aus Russland abziehen könnten, damit hätte Putin eigentlich rechnen müssen. Für die russische Wirtschaft sind das jedenfalls extrem schlechte Nachrichten. Das nächste Beben ist schon hörbar.

Enge Verbundenheit

Joe Kaeser braucht im Moment ein ziemlich dickes Fell. Der Siemens-Konzern hat die eine oder andere Baustelle offen, da braucht der Konzernchef nicht noch weitere Problemfälle. Deshalb ist er in Moskau bei Präsident Putin gewesen, um für eine Fortsetzung der guten deutsch-russischen Wirtschaftskontakte und natürlich auch für Siemens-Aufträge zu werben. Recht hat Kaeser damit. Denn auch nach der Besetzung der Krim geht das Leben weiter. Deutschland und Russland sind wirtschaftlich eng miteinander verflochten – deshalb gibt es keine Alternative zu dieser über Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit.

Alles zu spät

Verspätungen von Flugzeugen sind etwas völlig Normales. Dass eine Airline aber mit ihrer Bilanzpressekonferenz ein zweites Mal in Verzug gerät, das ist etwas völlig Neues. Air Berlin wird die Bilanz für 2013 nun also erst im April präsentieren (können). Die Gründe für diese einmalige Aktion liegen auf der Hand, dem Unternehmen geht es alles andere als gut. Die Golf-Airline Etihad, der große Finanzier im Hintergrund, will endlich Klarheit bei den Eigentumsverhältnissen schaffen. Nur wenn Etihad das komplette Sagen bei Air Berlin hat, wird die deutsche Fluggesellschaft mit weiteren Geldspritzen zum Überleben rechnen können. Aus Sicht von Etihad ist das völlig verständlich. Nur die anderen Air-Berlin-Aktionäre schauen in die Röhre. Aber es bleibt ihnen sowieso nichts anderes übrig, als auf die Entscheidung von Etihad zu warten. Ihr Geld haben sie bereits verspielt.

Türkische Eigenheiten

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat ein sehr sonderbares Verständnis von Meinungsfreiheit und Bürgerrechten. In der vergangenen Woche hat seine Regierung schon den Nachrichtendienst Twitter abgedreht. Erst ein Gericht hat den umstrittenen Premier gebremst und das Twitter-Verbot wieder aufgehoben. Erdogan scheint allerdings alles andere als lernfähig zu sein: Jetzt hat die türkische Regierung auch den Videodienst Youtube abstellen lassen. Vielleicht hilft in dieser Situation nur ein wenig Druck befreundeter Staaten, um den türkischen Premier endlich zur Räson zu bringen. So wird das nichts mit dem Beitritt zu EU.

Endlich Fortschritt

Deutschland hat sich lange Zeit schwer damit getan, doch nun ist es endlich soweit: Hierzulande wird der Doppelpass offiziell zugelassen. Die Bundesrepublik verkauft sich international zwar gern als weltoffenes und fortschrittliches Land. Doch in Sachen doppelter Staatsangehörigkeit war unser Land bislang eher auf dem Stand des 19. Jahrhunderts. Wie gut, dass jetzt endlich Vernunft einkehrt und wir ein international völlig übliches Niveau erreichen. Natürlich sind zwei Staatsbürgerschaften absolut zulässig. Deutschland blickt damit nach vorn und in die Zukunft. Sehr gut.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend und bis zum nächsten Mal

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Putin vergisst die Wirtschaft"

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  • Vor allen Dingen, werter Herr Menzel, ist schon jetzt das in freudiger Erwartung verhaltene Grummeln ob der Gewinnerwartungen an den Börsen jenseits Russlands mindestens ebenso unüberhörbar.
    Nun hat es der Westen aber Russland gezeigt: dass das so einfach nicht geht, Gebiete zu annektieren.
    Fragen Sie Monsanto, um zu erfahren, wie man kein Russe sein muß, um Märkte nicht nur zu claimen, sondern de facto zu annektieren, ohne den Sicherheitsrat einschalten zu müssen.
    Und die russische Zentralbank?
    Mal ehrlich: wußten Sie bis dato dass es so etwas überhaupt gibt?

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