Was vom Tage bleibt
Quittung für Moskau

Opel verlässt Russland, die EZB weiht ihr neues Gebäude ein. Der Ölpreis ist auf dem Weg nach unten, ein Gericht verbietet Uber in ganz Deutschland und die Welt erschreckt über den Terror von Tunis. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ohne Russland

Wladimir Putin dürfte diese Nachricht überhaupt nicht gefallen haben: General Motors zieht sich samt seiner deutschen Tochter Opel komplett aus Russland zurück. Aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Entscheidung absolut verständlich. Der russische Automarkt ist so gut wie tot, die großen Wachstumsziele sind überhaupt nicht mehr erreichbar. Ohne Ukraine-Krieg und ohne Krim-Annexion hätte es den Rückzug von GM und Opel sicherlich nicht gegeben. Insofern ist der russische Präsident selbst dafür verantwortlich, dass es auf dem russischen Automarkt nicht mehr vorwärts, sondern nur noch rückwärts geht. Vielleicht folgen bald andere Unternehmen.

Bauen für die Zukunft

Die EZB ist eine wahrhaft europäische Institution. Über die Zentralbank und den Euro sind die Menschen von Lissabon bis Kreta miteinander verbunden. In den ersten zehn Jahren war die EZB in einem Provisorium in Frankfurt untergebracht. Wie jede andere Institution darf natürlich auch die EZB ihr eigenes neues Gebäude errichten, das vor allem eines signalisiert: Dauerhaftigkeit und langen Atem. Die Blockupy-Proteste am Mittwoch waren vollkommen unangebracht. Wir brauchen die EZB als Anker für ein gemeinsames Europa. Das Euro-Projekt ist überhaupt noch nicht gescheitert und hat sehr wohl eine Zukunft.

Einfach falsch

Die Opec hat sich zu früh gefreut. Noch vor wenigen Tagen verkündete das Ölkartell, der Preisverfall des vergangenen Jahres sei beendet und der Rohölpreis bewege sich wieder nach oben. Im Moment passiert das genaue Gegenteil, die Preise rutschen erneut in den Keller. Die Erwartungen der Opec haben sich überhaupt nicht erfüllt: Die USA produzieren munter weiter in großen Mengen eigenes Öl. Trotz des Preisverfalls sind viele neue Schieferöl-Felder immer noch profitabel und werden es auch in Zukunft sein. Die Opec sollte sich lieber selbst hinterfragen und keine falschen Prognosen abgeben. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Tage des Ölkartelles gezählt sind.

Wider den Markt

Schade, wie sich Richter in Deutschland immer wieder gegen die Marktwirtschaft entscheiden. Ein Frankfurter Gericht meint nun, dass es den Internet-Fahrdienst Uber Pop gleich im ganzen Land verbieten müsse. Eine völlige Fehlentscheidung. Uber macht das gesamte Taxi-Gewerbe schneller, effizienter und besser. Die Frankfurter Richter verhindern echten Wettbewerb und schützen die Taxi-Unternehmer vor einem neuen Konkurrenten. So funktioniert Wirtschaft eben gerade nicht.

Erinnerung von Tunis

Der Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo liegt gerade einmal zwei Monate zurück und ist eigentlich schon wieder in Vergessenheit geraten. Die Ermordung von Touristen in einem Museum von Tunis erinnert nun leider nachdrücklich daran, dass die terroristische Bedrohung überhaupt nicht verschwunden ist. Die tunesische Hauptstadt ist nur ein wenig weiter entfernt, das ist der einzige Unterschied. Wir alle müssen mit dieser Bedrohung leben lernen, sie ist Teil unseres Alltags geworden. Das hat Tunis heute noch einmal ziemlich klar gemacht.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Quittung für Moskau"

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  • >> Wladimir Putin dürfte diese Nachricht überhaupt nicht gefallen haben: General Motors zieht sich samt seiner deutschen Tochter Opel komplett aus Russland zurück. >>

    Anstelle von General Motors werden sehr viele andere Produzenten in die freien Nischen springen.

    140 Mio. Verbraucher sind eben 140 Mio. Verbraucher. Die Kaufen Autos. Anstelle von Opels werden eben Tatas, Nissans, Kias gekauft. GM ist doch kein weltweiter Monopolist.

    Falsche Analyse, H. Menzel !

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