Was vom Tage bleibt: Raubritter aus Berlin

Was vom Tage bleibt
Raubritter aus Berlin

Die Koalition verspielt ihre Zukunft und greift anderen in die Tasche, Standard und Poor's wird mit Fehlern der Vergangenheit konfrontiert und ein Grüner bezahlt Prostituierte aus der Parteikasse. Der Tagesrückblick
  • 7

Wunderschönen guten Abend,

Signal der Hilflosigkeit

Für wie dumm hält die Regierung eigentlich ihre Wähler? Wie auf dem Basar haben die Koalitionäre ihre politischen Interessen ausgekungelt und verkaufen das als "Signal der Handlungsfähigkeit" (Originalton Philipp Rösler). Dabei hat Schwarz-Gelb ja noch Glück, dass die Opposition zurzeit auch ein eher unglückliches Bild abgibt und für viele keine überzeugende Wahl ist. Ein innovativer Vorschlag: Alternativ zur normalen Wahlstimme könnte man die negative Stimme einführen, mit der die Partei, die einem gar nicht gefällt, eine Stimme abgezogen bekommt. Das würde sicher viele Nichtwähler zurück an die Urne locken.

Ausgeplünderte Förderbank

Wie verzweifelt die Koalitionäre nach neuen Geldquellen für ihre politischen Steckenpferde suchen und wie hemmungslos sie dabei vorgehen, zeigt das Beispiel der Förderbank KfW. Bisher ist gesetzlich festgelegt, dass die Bank ihre Gewinne einbehält, um sie in neue Förderprojekte zu stecken. Nun hat die Regierung kurzerhand beschlossen, sich diese Gewinne ausschütten zu lassen - und die KfW darüber über die Presse informiert. Erst missbraucht die Regierung die Förderbank für fragwürdige Verstaatlichungen wie beim Luftfahrtkonzern EADS, dann plündert sie sie aus. So verspielen die Raubritter aus Berlin die Zukunft.

Fehlurteil vor Gericht

Die Ratingagentur Standard & Poor's ist in Australien zu Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt worden, weil sie offenbar vor sechs Jahren die Bonität von Finanzprodukten zu optimistisch eingeschätzt hat. Bei vielen dürfte diese Meldung Genugtuung auslösen, sind doch die Ratingagenturen zu einem der beliebtesten Hassobjekte in der Finanzkrise geworden. Zuerst hatten sie die Katastrophe nicht kommen sehen und jetzt verschärfen sie die Krise noch mit ihren Herabstufungen, so der Vorwurf. Dabei haben sie doch immerhin aus der Krise gelernt - und schauen jetzt genauer hin. Was man von vielen Politikern nicht behaupten kann.

Comeback von Toyota

Aus Krisen gelernt hat auch Toyota. Vorschnell hatten viele den einst so bewunderten Autobauer schon abgeschrieben und nur noch auf den Aufstieg von Volkswagen geschaut. Doch so einfach dürfte das Überholmanöver nicht werden. Nach schweren Rückschlägen durch Rückrufaktionen und die Tsunami-Katastrophe hat sich Toyota nun zurückgemeldet und beim Absatz wieder die weltweite Spitzenposition übernommen. Dabei half die Rückbesinnung auf das Erfolgsrezept der Vergangenheit: permanente Erneuerung. Und die Besinnung darauf, was der Kunde will - und nicht was technisch möglich ist. Davon kann VW immer noch etwas lernen.

Was fehlt? Mit Geldern aus der Parteikasse hat Christian Goetjes, der frühere Schatzmeister der Brandenburger Grünen, über Jahre zwei Prostituierte ausgehalten und landete deswegen jetzt vor Gericht. Das soll doch noch einer behaupten, die Grünen hätten keine Nähe zur Wirtschaft: Ergo und VW lassen grüßen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Feierabend,

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Raubritter aus Berlin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat : Mit Geldern aus der Parteikasse hat Christian Goetjes, der frühere Schatzmeister der Brandenburger Grünen, über Jahre zwei Prostituierte ausgehalten

    Wenn der das echt "über Jahre" vollbracht hat, hat dieser Ossi genial zwei Menschen in schwieriger Krisenzeit über Wasser geholfen....waschechter GRÜNER halt, wie sie im Buche stehen. Und von Wirtschaft versteht er wirklich eine Menge...und wenn es nur die Taschenwirtschaft ist...?!

  • @rapid

    "Journalistische Eleganz", warum soll das nicht ausreichend sein? Das was Journalisten schreiben und kommentieren oder Leser kommentieren über das was Journalisten schreiben, wird niemals Politiker von dem abhalten zu tun, was sie entschieden haben zu tun. Ganz bestimmt nicht in einem politischen System, in dem wir uns bewegen.
    Also ist mir ein l´art pour l´art Stil eines Journalisten immer noch angenehmer, als die Vorspiegelung einer "objektiven" Bestandsaufnahme und angeglicher Einflussnahme auf politische Entscheidungen mittels refexiver Gedankengänge und pseudopolitischer Analysen.

  • "Kühle", keepcool, Rationalität, Überblick bis in die innerste "Herzkammer", auf der einen Seite. Auf der andern Seite, Leidenschaft, Eintreten und Vertreten von dem was man für richtig erkannt hat. Beides macht einen guten Journalisten aus, der den Anspruch hat, über dem Durchschnitt zu stehen.
    Le style c´est l´homme.
    Das ist richtig.
    Allerdings dann, wenn die journalistische Eleganz über der Überzeugung steht, bekommt die Angelegenheit einen Drift hin in Richtung Beliebigkeit, die nicht zu überzeugen vermag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%