Was vom Tage bleibt
Reif für die Insel

Für Larry Ellison spielt Geld offenbar keine Rolle, Italien und Spanien dagegen suchen verzweifelt nach Geldquellen und Merkel hilft selbst ein Kuhhandel nicht mehr. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Ab nach Hawaii
Es ist in der aktuellen Krise kaum zu glauben, aber es gibt immer noch Menschen, für die spielt Geld keine Rolle. So hat sich Oracle-Chef Larry Ellison mal eben eine Hawaii-Insel gekauft, angeblich hat er dafür 500 bis 600 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Leisten kann er sich das locker, wird sein Vermögen doch auf 36 Milliarden Dollar geschätzt - fast genau so viel wie der Jahresumsatz seines Konzerns. Nach dem jahrelangen Streit mit dem deutschen Konkurrenten SAP ist Ellison wohl einfach reif für die Insel.

Wer will Sardinien?

Reif für die Insel sind auch Spanien und Italien. Das Dauerfeuer der Märkte scheint die hochverschuldeten Länder ziemlich zu zermürben. Bei Zinsen von sechs bis sieben Prozent ist die Finanzierung des ausufernden Defizits nur noch unter Schmerzen möglich. Doch halt - haben die beiden Länder nicht auch viele schöne Inseln? Schon Griechenland hatten viele Politiker, die auch mal in die Schlagzeilen kommen wollten, die Versteigerung seiner Inseln empfohlen. In der Forbes-Liste gibt es doch sicher noch den einen oder anderen Milliardär, der nicht weiß wohin mit seinem Geld. Vielleicht bietet ja auch Berlusconi für sein geliebtes Sardinien.

Schwarz-gelbe Chaostage

Auf ein ruhiges Eiland weit weg wünscht wohl zur Zeit auch Kanzlerin Merkel das ein oder andere Mal. Nun hat sie es gerade geschafft, sich mit der Opposition auf einen Kuhhandel zum Fiskalpakt zu einigen, da macht ihr das Bundesverfassungsgericht wieder einen Strich durch die Rechnung. Auf Bitte der höchsten Richter hat nun Bundespräsident Gauck verkündet, das Fiskalpakt-Gesetz und das Gesetz zum dauerhaften Rettungsschirm ESM vorerst nicht zu unterzeichnen bis die Verfassungsmäßigkeit geprüft ist. Jetzt rächt sich die Chaos-Politik der schwarz-gelben Regierung - der Zeitplan der Euroretter ist endgültig Makulatur.

Späte Erkenntnis der EZB

Ziemlich einsam wird es auch um die US-Ratingagenturen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will den Einfluss der Bonitätswächter auf ihre Entscheidungen massiv beschneiden. So sollen künftig die Einschätzungen der Agenturen keine Rolle mehr bei der Bewertung von Staatsanleihen spielen, die Banken als Sicherheiten für frische Liquidität einreichen. Nach all dem Unsinn, den zahlreiche Politiker in der Vergangenheit bei ihren Attacken auf die Ratingagenturen verbreitet haben, ist das endlich mal ein guter Vorschlag. Die Agenturen sollen ruhig ihre Arbeit machen, aber es wird ja niemand gezwungen auf sie zu hören. Doch warum kommt diese Erkenntnis so spät?

Was fehlt? Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer beweist geistige Insellage: Niemand wolle heute noch EU-Mitglied werden, „der noch alle Tassen im Schrank hat“, pöbelt er in einem Interview. Er hat wohl vergessen, dass auch die Schweizer Wirtschaft ohne die Handelsbeziehungen zur EU kaum lebensfähig wäre.

Ich wünsche Ihnen für den Feierabend ihre persönliche Insel zum Durchatmen,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Reif für die Insel"

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  • Wahrscheinlich wird die Kontinentaldrift Europa nicht in drei Teile zerreißen: Griechenland mit dem orthodoxen Euro, die Südstaaten mit Frankreich und dem katholischen Euro, die Nordländer mit dem protestantischen Euro. So mögen wir im Abendgebet um den Frieden Gottes beim Zusammenleben auf einem Kontinent bitten, damit wir nicht eine Talibanisierung wie im ehemaligen Jugoslawien erleben, zwischen Orthodoxen, Muslimen und Katholiken. Amen.

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