Was vom Tage bleibt
Reinigendes Börsen-Gewitter

Der Knall an den Aktienmärkten war absehbar. Bei den Banken bleibt die Lage kritisch und die große Flut hinterlässt ihre Spuren. Portugal könnte sich etwas mehr beeilen und Microsoft sucht nach Beute. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Beben durch Bernanke

Es ist ein denkwürdiger Tag für die Börsen, allerdings im negativen Sinne. Der Dax in Frankfurt stürzt um mehr als drei Prozent und nahezu 300 Punkte ab – das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Und wer ist schuld? Der gute Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank Fed. Es darf sich aber niemand beschweren, solch ein starker Tageseinbruch war absehbar. Es wird auch nicht der Letzte gewesen sein. Denn Bernanke verfolgt grundsätzlich einen vernünftigen Ansatz: Die Fed muss ihrer expansiven Geldpolitik langsam ein Ende setzen, weil sich die US-Wirtschaft erholt. Und dann entweicht natürlich ein bisschen Luft aus dieser Blase – und es kracht an den Börsen.

Die bösen Banken

Noch viel länger als ursprünglich gedacht werden die europäischen Banken ein Thema sein. Die Bundesbank hat heute von den „Zombie-Instituten“ vor allem aus dem europäischen Süden gesprochen. Es ist ein Jammer, dass Europas Politiker noch immer keine Lösung für die maroden Institute etwa aus Spanien, Griechenland, Zypern und Slowenien gefunden haben. Es sind tickende Zeitbomben innerhalb der Euro-Zone, die zu einer gewaltigen Bedrohung werden können. Die Bankenunion muss jetzt endlich schnell beschlossen werden, damit das dicke Ende nicht doch noch kommt. Ein reinigendes Gewitter wäre hier also auch nicht schlecht.

Die verrückte Flut

Geduld werden sicherlich Bahn- und Autofahrer in den deutschen Hochwassergebieten brauchen. Die Bestandsaufnahme nach der gewaltigen Flut ist alles andere als erfreulich ausgefallen. An den Bahnstrecken in Ostdeutschland und an den Autobahnen in Bayern hat das Wasser gehörig genagt. Staus auf den Straßen und längere Fahrzeiten mit der Bahn werden sich nicht vermeiden lassen. Das einzig Gute daran: Nach der Reparatur dürften die Verkehrswege wieder in einem Tip-Top-Zustand sein. Und dann geht alles vielleicht sogar noch schneller als vor der großen Flut.

Portugal braucht Zeit

Mögen Sie Portugal? Dann sollten Sie beim nächsten Besuch von Lissabon ebenfalls etwas mehr Zeit einkalkulieren. Nach einer neuen Studie sind die Wartezeiten am Flughafen der portugiesischen Hauptstadt leider die längsten in ganz Europa. Woran das wohl liegen mag? An der sommerlichen Hitze vielleicht? Eine gewisse Anpassung an europäische Standards kann da wohl nicht schaden. Portugal ist doch ein modernes Land. Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund, in der Luftfahrt das europäische Schlusslicht zu sein.

Microsoft auf Beutezug

Microsoft sieht sich wieder einmal nach einem ordentlichen Zukauf um, jetzt könnte der finnische Mobilfunk-Konzern Nokia das Ziel der Begehrlichkeiten sein. Microsoft geht klug und geschickt vor: Die Finnen sind angezählt, also tendenziell eine leichte Beute. Dem Software-Riesen Microsoft fehlt die Kompetenz im Mobilfunk, da käme Nokia gerade recht. Denn in der mobilen Datenkommunikation sind in den kommenden Jahren noch gewaltige Zuwachsraten zu erwarten. Wenn es jetzt mit Nokia nicht klappen sollte, wäre das auch nicht schlimm. Es wird nicht allzu lange dauern, dann hat Microsoft auf jeden Fall ein Mobilfunk-Unternehmen an der Angel.

Legen Sie Ihr Smartphone heute Abend ruhig einmal an die Seite, Ihre Familie wird es Ihnen danken. Einen schönen Abend wünscht

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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