Was vom Tage bleibt: Richterspruch in München

Was vom Tage bleibt
Richterspruch in München

Uli Hoeneß wird verurteilt, VW baut Baukästen für Lkw. In Frankreich beginnt das Wettrennen um Mobiltelefone, die Lufthansa zahlt wieder Dividende und die TV-Gebühren sollen wirklich gesenkt werden. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Pause für alle

Die Richter haben gesprochen, Uli Hoeneß muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig und die Hoeneß-Anwälte haben bereits Revision angemeldet. Aber geht das Urteil trotzdem nicht für alle Seiten in Ordnung? Uli Hoeneß hat ein Verbrechen begangen und muss dafür büßen. Er ist aber nicht der große Kriminelle, der auf ewig hinter Gitter muss. Die Staatsanwaltschaft könnte auch zufrieden sein, weil dem Sühnegedanken Rechnung getragen wird. Im Fall Uli Hoeneß hat es in den vergangenen Monaten genug Aufregung gegeben. Es wird Zeit, dass wieder Ruhe einkehrt. Das Urteil macht einen Anfang.

Lego in Wolfsburg

Volkswagen setzt auf das Prinzip Lego. Die Autos aus dem Wolfsburger Konzern werden wie aus einem Baukasten zusammengesetzt. Im Inneren unter dem Blechkleid sind viele Teile bei VW-, Audi-, Skoda- und Seat-Modellen identisch. Unterscheiden dürfen sich die Marken im Äußeren, dann ist Differenzierung erlaubt. Mit Hilfe dieses Baukastenprinzips hat VW schon eine ganze Menge Geld gespart und für große Erfolge gesorgt. Dasselbe Muster soll nun auch bei den verschiedenen Lkw-Marken des Konzerns angewendet werden. Achtung, liebe Konkurrenz: VW beherrscht das Denken im Baukasten. Deshalb sollte es auch bei Lastwagen funktionieren.

Neue Telefone

In Frankreich ist ein milliardenschwerer Bieterkampf um das Mobilfunkunternehmen SFR entbrannt. Normalerweise würden wir nicht so genau hinsehen, wenn bei unseren Nachbarn in Frankreich etwas in Sachen Mobilfunk passiert. Der Wettstreit um SFR ist allerdings nur die Spitze eines Eisberges, in ganz Europa hat die Neuordnung des Mobilfunksektors begonnen. In Deutschland soll E-Plus einen neuen Eigentümer bekommen, der mexikanische Telekom-Milliardär Carlos Slim hat sich bei den nationalen Telefongesellschaften in den Niederlanden und in Österreich eingekauft. In Europas Mobilfunkbranche wird auf absehbare Zeit kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Die nächsten Runde der Konsolidierung hat begonnen, nationale Grenzen werden zunehmend gesprengt. Sehr viele Kunden werden sich daran gewöhnen müssen, dass ihr Mobilfunkanbieter plötzlich einen ganz anderen Namen bekommen hat.

Privat gegen Staat

Allein der Name deutet schon auf die enge Bande zum Staat hin. Die Deutsche Bahn hat immer noch denselben Eigentümer, die Regierung in Berlin. Der Deutschen Lufthansa hingegen ist es gelungen, ihr staatliches Erbe schon vor längerer Zeit abzuschütteln. Deutschlands größte Fluggesellschaft ist schon länger vollständig privatisiert. Nun gibt es einen merkwürdigen Zufall: Die Deutsche Bahn hat soeben angekündigt, dass sie ihre Dividende kürzen will. Das Unternehmen muss sparen. Die Lufthansa hingegen kündigt parallel dazu an, dass es wieder eine ordentliche Dividende für die Aktionäre geben wird. Steckt vielleicht doch dahinter, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen besser wirtschaften kann?

Das erste Mal abwärts

48 Cent pro Monat sind nicht sonderlich viel. Auf ein ganzes Jahr bezogen macht das noch nicht einmal sechs Euro. Von einer massiven Entlastung der privaten Haushalte zu sprechen, wäre also geradezu lächerlich. Aber immerhin: Es hat ein Stück Symbolkraft, wenn die Rundfunkgebühren in Deutschland nicht immer nur steigen, sondern tatsächlich zum ersten Mal gesenkt werden sollen. Denkbar wäre allerdings noch viel mehr. Brauchen wir wirklich das öffentlich-rechtliche System in seiner bisherigen Größe? Warum nicht etwa das ZDF herausnehmen und in einen privaten Sender umwandeln? Nachdenkenswert ist das allemal.

Einen angenehmen Abend, vielleicht ohne Fernsehapparat wünscht Ihnen   

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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