Was vom Tage bleibt
Rote Karte für Blatter

Kann ein Chef weitermachen, dessen Führungsmannschaft verhaftet wird? Kann eine Königin regieren, wenn sie politisch den Mund halten muss? Warum setzen sich E-Autos nicht durch? Die Fragen (und Antworten) des Tages.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Endspiel

Die Fifa hat alle glücklich gemacht und manche noch glücklicher. Der Weltfußballverband hat den Fußball zu einem Quell der Freude für die Zuschauer und zu einer Geldquelle für alle sonstigen Beteiligten geformt. Lange hat das Eine das Andere überwogen. Seit heute Morgen ist Schluss. Heute Morgen begaben sich Vertreter der Schweizer Polizei, in Zivil und so diskret wie möglich, in das Zürcher Nobelhotel Baur au Lac, romantisch am Ende der Bahnhofstraße am See gelegen. Die Zimmerpreise dort sind auch gern mal vierstellig. Sieben Personen wurden festgenommen. Gegen sie liegen Haftersuche aus den USA vor. Pikanterweise sind die Herren hochrangige Funktionäre des Weltfußballverbandes Fifa, darunter die beiden Sepp Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. Der Vorwurf: Sie sollen so viele Millionen an Bestechungsgeld eingesammelt haben, dass sie beispielsweise die Hotelpreise auch nicht mehr abschrecken. Jetzt haben wir viele Fragen. Die erste: Kann so ein Verband sich am Freitag hinsetzen und seinen Bandenchef Blatter für weitere vier Jahre im Amt bestätigen? Die zweite: Wenn bei der Vergabe der Weltmeisterschaften nach Russland und Katar nachweislich Korruption im Spiel war – muss dann die Vergabeprozedur wiederholt werden?

Was die Queen wirklich denkt

Jetzt hat es auch die Königin gesagt und damit erhält das Versprechen das Siegel Ihrer Majestät: „Meine Regierung wird die Beziehungen zur EU neu verhandeln“, erklärte die Queen heute bei ihrer Thronrede – jener seltenen Gelegenheit, in der sie politisch werden darf. Allerdings nicht allzu sehr: Wie sie selbst über Europa denkt, das erzählte sie mit keinem Sterbenswort. Mir fällt dazu nur der Satz bei Monty Python ein: „König allein ist irgendwie nicht abendfüllend.“

Durchsichtige Schweiz

Die EU und die Schweiz haben ein weitreichendes Steuerabkommen geschlossen. Danach wollen die Parteien ab dem Jahr 2018 alle Kontodaten miteinander teilen. Transparenz – so heißt der Zug der Zeit. Diskretion – dieses alte Wort, das einst das Mantra der Banken war, klingt heute wie Omas oller Kaktus: verstaubt und wer sich dran wagt, den piekst er auch noch.

Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung

Beim Wiener Motorensymposium haben wir mit dem Ingenieur und Fahrzeugentwickler Professor Fritz Indra, einst Motorenentwickler bei BMW Alpina, Audi und General Motors, ein bemerkenswertes Gespräch geführt. Auf die Frage, was die wichtigste Erkenntnis des Symposiums für ihn sei, antwortete er: „Es gab keinen einzigen Vortrag mehr über das Elektroauto, das ist ein Riesenfortschritt.“ Der Professor hält Elektroautos für ein Phantom. Wie war das mit Kaiser Wilhelm? „Ich glaube an das Pferd, das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Gebückt in den Vorruhestand

In Frankreich steigt das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre. Aber nicht für alle: Wer sich in seinem Berufsleben oft bücken muss, die Arme hebt, den Oberkörper um mehr als 30 Grad neigt, nachts oder in Schicht arbeitet, Lasten schleppt, Vibrationen aushalten muss oder unter Überdruck arbeitet, kommt früher zu seinem Ruhegeld. „Compte personnel de pénibilité“ nennt sich die geltende Rechtslage, nach der französische Firmen gezwungen sind, für jeden Beschäftigten über seine gesamte berufliche Laufbahn hin aufzuzeichnen, wann, wie lange und wie oft er eine der als mühsam anerkannten Tätigkeiten verrichten musste. Wenn Sie unseren Bericht darüber lesen, wissen Sie, dass Sie die französische Konkurrenz so schnell nicht fürchten müssen. Solange diese Regelung besteht, wird es jenseits des Rheins mehr Aufwand sein, Tagebuch zu führen, als sich mit Konkurrenten rumzuschlagen.

Einen entspannten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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