Was vom Tage bleibt
Ruhe bis um fünf, aber Aufregung um zwei Prozent

Es sind gleich etliche Gewohnheiten, die heute über Bord gegangen sind. Das gilt etwa für Kurzurlaube für Steuerfahnder, die Inflation in der Eurozone und die Flugpläne von Frachtflugzeugen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend,

Nicht über meinem Dach

Die Anwohner des Frankfurter Flughafens können sich auf weitere ruhige Nächte freuen. Das Nachtflugverbot für das größte deutsche Luftkreuz ist höchstrichterlich bestätigt worden. Nur gut, dass es solche Richter nicht in Louisville, Kentucky, oder Memphis, Tennessee, gibt. Denn ohne die Nachtflugerlaubnisse dort gäbe es kein UPS, gäbe es kein FedEx. Das Geschrei der Lufthansa, die ob des Urteils von einem „schweren Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland“ spricht, ist dennoch übertrieben. Denn es ging um gerade einmal 17 Flüge in den Stunden zwischen 23 und 5 Uhr morgens. Klar, dass die Lufthansa die Starts und Landungen nur ungern verlagern will. Aber Deutschland wird deswegen nicht untergehen. Zumal die Anwohner sich jetzt lediglich über etwas freuen können, was der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch einst eindeutig versprochen hatte.

Hochdruckgebiet Inflation

Auch die Europäische Zentralbank verspricht etwas. Mittelfristig soll die Inflation in der Eurozone wieder knapp unter die Zwei-Prozent-Marke fallen. Das ist eigentlich ein Allgemeinplatz, da dieses Ziel fest in den Statuten der Bank verankert ist. Doch zumindest in diesem Jahr wird die Grenze wohl überschritten. Draghi rettet sich in die Semantik: Denn was „mittelfristig“ aus Sicht der Währungshüter bedeutet, verrät er nicht. Ist auch besser so, denn die extrem lockere Geldpolitik will er zunächst nicht ändern. Wir könnten uns an die Zwei vor dem Komma gewöhnen müssen.

Daimler auf Aufholjagd

Sogar an die Drei gewöhnen musste sich zuletzt der Daimler-Konzern. Denn das beste Pferd im Stall, die Marke Mercedes, wurde beim Absatz von den Konkurrenten Audi und BMW in den Schatten gestellt. Das wollen die Stuttgarter nicht auf sich sitzen lassen. Doch einfach wird das geplante Überholmanöver nicht werden. Denn Mercedes hat im ersten Quartal 2012 bereits ein Rekordquartal hingelegt, ohne an den Machtverhältnissen wesentlich etwas ändern zu können.

Urlaub in Balkonien

Zumindest ihre Reiseplanung müssen drei nordrhein-westfälische Steuerfahnder ändern. Sie hatten eine CD mit Daten deutscher Steuerhinterzieher gekauft, die von einer Schweizer Bank stammten. Die Schweiz hat daher einen Haftbefehl erlassen und der oberste Dienstherr der Beamten ein Reiseverbot. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans rät seinen drei Mitarbeitern davon ab, „Experimente zu machen“. Selbst ein Kurztrip in die Niederlande über Ostern ist damit Tabu für die Beamten. Ob sie sich angesichts der aufgewühlten Steuerdebatte in Balkonien entspannen können?

Dax rasselt ins Minus

Entspannung dürften nach dem heutigen Handelstag auch einige Anleger benötigen, denn schon etliche Wochen hat es keinen so deutlichen Rückschlag mehr gegeben. Über die Ostertage wird der Börsenhandel aber ruhen und die Nerven können sich erholen. Statt auf rote Zahlen zu starren, bietet sich vielleicht zur Ablenkung der Blick auf einen teuren Hasen an.

Einen schönen Feierabend wünscht - erstmals an dieser Stelle,

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Ruhe bis um fünf, aber Aufregung um zwei Prozent"

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  • Welcome Messieur.
    Wird nicht leicht werden Ihre Aufgabe, verwöhnt wie man ist als Leser Ihrer Mitstreiter.
    Ihnen Mut, alles Gute, jedenfalls von hier aus und rein professionell betrachtet, keine Furcht oder der Online-community. Wehren Sie sich, wenns zu hart werden sollte^^

    Beste Grüße

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