Was vom Tage bleibt
Ruhe in der Röhre

Angesichts des TV-Abendprogramms wünsche ich mich nach Griechenland. Messi sitzt in der Hoeneß-Falle. Und diese Türkei passt nicht in die EU. Die Tageskommentare.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Von den Griechen lernen

Schwarz. Nichts. Kein Ton, außer dem Summen des Fernsehgeräts. Kein Testbild. Keine Endlosschleife. Einfach Schwarz. Ruhe in der Röhre. Der griechische Staatsfunk Elliniki Radiotiliorasi hat abgeschaltet. Das ist so, als wenn in Deutschland ARD und ZDF und alle ihre Schwester-, Bruder- und Enkelkanäle nicht mehr senden würde. Und was würde passieren? Wir würden heute Anne Will und ihre Gäste verpassen, Markus Lanz und die seinen auch. Dann würden wir auch den täglichen Bericht zur Flut verpassen, die Schalte zur Korrespondentin in Gummistiefeln, und zum Sprecher der Feuerwehr. Und dann würden wir heute Abend ins Bett gehen und uns überlegen, ob wir von Griechenland nicht doch auf Dauer etwas lernen können.

Macht Messi Mist?

War es die Hand Gottes? Passen Fußball und Steuern zahlen nicht zusammen? Die spanische Staatsanwaltschaft legt dem argentinischen Fußballstar Lionel Messi Steuerbetrug zur Last. Es besteht der Verdacht, dass der Weltfußballer und sein Vater in ihren Steuererklärungen für die Jahre 2007, 2008 und 2009 mehr als vier Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Messi sitzt also in der Hoeneß-Falle. Ich glaube, es ist nicht Fußball und Steuern zahlen, was nicht zusammenpasst. Es sind eher die Worte: Geld verdirbt den Charakter, die auf Hoeneß und Co. passen können.

Warten auf den Richterspruch

Nun haben sich beim Bundesverfassungsgericht zwei Tage lang die europäischen Währungshüter, ihre Kritiker und ihre Unterstützer die Klinke in die Hand gegeben. Und jetzt wird der Berg kreisen und vielleicht etwas größeres als eine Maus, aber sicher keinen Elefanten gebären. Wahrscheinlich werden die Richter die Politik der Europäischen Zentralbank nicht stoppen, sondern ein bisschen erschweren. Auch wenn der Inhalt des endgültigen Richterspruchs noch unklar ist, das Timing ist es nicht: Die Herren in der roten Robe werden ihren Spruch nach der Bundestagswahl verkünden. Alles andere könnte Sprengstoff für die Regierung bedeuten. Festhalten möchte ich hier, dass wir selbstverständlich unabhängige Gerichte haben.

Die EU hadert mit der Türkei

Eine alte Frau spannt die Gummibänder ihrer Steinschleuder. Auf dem rechten Arm steht in schwarzer Farbe „A+“, ihre Blutgruppe, falls sie verletzt werden sollte. Tränengas-Schwaden vernebeln den Istanbuler Taksim-Platz. „Aktivistinnen wie sie sind schuld daran, dass Taksim zum Kriegsschauplatz wird“, unterschreibt eine türkische Zeitung das Bild. Auf Facebook hält jemand dagegen: „Im Tränengas-Nebel der Polizei hätte nicht einmal mehr eine Mücke überlebt.“ Die Bilder aus Istanbul spitzen sich für uns in einer Frage zu: Passt das in unser EU-Europa? Wenn nicht sollten sich dann beide Seiten voneinander abwenden – oder das Gegenteil: Soll die EU die Türkei verändern? Die letzte Lösung würde mir gefallen. Und wenn der medizinische Fortschritt so weiter geht, erlebe ich sie noch.

Tod eines Rekordhalters

Denn alt werden ist keine ganz hohe Kunst mehr. Das hat der Japaner Jiroemon Kimura bislang vorgemacht, heute morgen dann ist er allerdings im Alter von 116 Jahre gestorben. Kimura hat vier Kaiser erlebt und arbeitete 45 Jahre lang für die Post. Im Zeitalter parlamentarischer Demokratien und der E-Mail ist dass Rezept vielleicht überholt, aber trotzdem: Herr Kimura, das war eine reife Leistung. Sie sind uns ein Vorbild.

Bleiben Sie jung heute Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Ruhe in der Röhre"

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  • Sehr geehrte HB Online-Redaktion. Vor zwei oder drei Jahren bin ich von Financial Times zu HB gekommen. Weil ich hier fast zu allen Themen Diskussionsforen fand. Dies bot z.B. FTD-Online nicht. Wie es auch Herr Stock da oben dies geschrieben hat. Mir scheint so, dass viele Menschen hier in den Foren schreiben,sehr häufig kommt es vor, dass auch intelligente und lesenswerte Beiträge gibt. Ich vermute, dass auch viele Menschen, auch Politiker, Manager, Angestellten..., diese Beiträge lesen, auch wenn sie keine Kommentare schreiben. Ich kann also über HB Foren mit wichtigen Menschen kommunizieren, und denen meine Meinung kund tun.
    Warren Buffett würde sagen hier hat sich eine Art Verbrauchermonopol entwickelt. Was ich sagen will: HB hat in diesem Punkt eine Stärke entwickelt. Folglich kann HB Online viele Werbeanzeigen in den Foren Platzieren. Z.B.dort, wo Herrn Stocks Bild und Text stehen.(Nichts gegen Herrn Stock). Aber auch könnte man nach jedem zehnten Beitrag eine Werbeleiste platzieren. Besonders bei den Themen, wo die Beiträge über 50, 60, 100 steigen. Werbeanzeigen haben bei der Printmedia eine lange Tradition, warum sollte bei HB-Online das anders sein? Es ist nichts unmoralisches. HB online bietet mit seinen Foren eine gute Dienstleistung an. Eine Art Facebook für Politik und Wirtschaft und Finanzen. Also warum sollte diese Dienstleistung auch nicht mit guten Preisen honoriert werden?!
    PS: Sie haben zwar auf der rechten Seite kleine Anzeigen eingeschaltet, mir sind sie gar nicht so aufgefallen. Ich habe sie gerade eben gesehen. Sie wirken auch so defensiv.

  • Herr Stock,

    das Fotto mit Ihnen und dem Hintergrund wurde wohl nicht in Düsseldorf gemacht, haben Sie sich schon vorsorglich abgesetzt?!...

    1. Zustimmung: Von den Griechen kannman lernen und das öffentliche Rundfung abschalten!

    2. Ablehnung: Tränengas, Wasserwerfer werden seit Jahrzehnten in Europa eingesetzt, auch in der BRD...

    3. Der Rest ist so belanglos...




  • Von den Griechen lernen?
    Na gut, auf Anne Will und Markus Lanz könnte ich verzichten. Aber auch auf die Nachrichten, Monitor, Panorama, Report, Neues aus der Anstalt, 3Sat, Arte oder Bayern2? Warum dann nicht gleich auch auf die Süddeutsche, die TAZ, Spiegel und Focus und den ganzen Quatsch? Und natürlich auf das Handelsblatt! Wer braucht schon diesen überflüssigen Mist?
    Ziehen wir also die Nachthaube über, blasen das Kerzlein aus und erzählen uns noch eine Gute-Nacht-Geschichte.
    Schlafen Sie gut!

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