Was vom Tage bleibt
Russland exportiert die Rezession

Audi stoppt den Verkauf in Russland, Deutschland steht vor dem nächsten Aufschwung. Sebastian Edathy ist wieder da, der Dax stürmt nach oben und Spitzenfußballer Marco Reus fährt ohne Führerschein. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Beißende Rezession

Die Rezession in Russland fängt an zu beißen. Die Bevölkerung flieht vor der Geldentwertung in Sachwerte, wodurch der Rubel weiter geschwächt wird. Doch die Krise in Russland kommt auch von Tag zu Tag stärker in Westeuropa an: Opel, Jaguar und jetzt auch Audi haben den Verkauf ihrer Autos in Russland gestoppt. Der Westen und Russland sind wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Der wichtige Unterschied: Westeuropa hat mehr Speck auf den Rippen und kann Rückschläge wesentlich besser verkraften.

Deutscher Boom

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat aufhorchen lassen. Während um uns herum von großen Krisen die Rede ist, machen sich die Forscher aus dem deutschen Norden ihre ganz eigenen Sorgen. Sie warnen davor, dass Deutschland in den nächsten zwei bis drei Jahren eine wirtschaftliche Überhitzung droht. Größer könnte das Lob für die deutschen Unternehmen nicht sein. Die hierzulande gefertigten Produkte sind so gut, dass sie auch über die nächsten Jahre hinweg extrem stark nachgefragt werden. Was wollen wir mehr?

Nachdenklichkeit

Der Auftritt des früheren SPD-Spitzenpolitikers Sebastian Edathy ist am Donnerstag das große innenpolitische Ereignis gewesen. Doch ganz ehrlich: So groß war die Angelegenheit dann doch wieder nicht. Viel Schall und Rauch kam da von der Bundespressekonferenz, Edathy richtete die erwarteten schweren Vorwürfe gegen seine früheren Parteifreunde. Um Anstand und Moral, die wichtigeren Themen, ist es bei Edathys Auftritt so gut wie gar nicht gegangen. Für die ermittelnden Staatsanwälte steht fest, dass Edathy Filme und Bilder nackter Kinder aus dem Internet heruntergeladen hat. Darüber sollte der frühere SPD-Spitzenmann lieber nachdenken, als gegen ehemalige Kollegen auszuteilen.

Börsensturm

Anleger brauchen so kurz vor Jahresschluss starke Nerven. Der Dax glänzt in dieser Woche mit extremen Kurvenbewegungen – nach oben und nach unten. Heute hat nicht mehr viel gefehlt, und der Dax hätte auf einen Schlag 300 Punkte dazugewonnen. Das ist natürlich eine Reaktion darauf, dass die US-Notenbank in Sachen Geldpolitik noch nicht auf die große Bremse tritt. Anleger sollten sich allerdings nicht zu sicher fühlen. Wenn Präsident Putin seine Panzer plötzlich wieder Richtung Ukraine losrollen lassen sollte, geht es auch mit dem Dax wieder kräftig nach unten. So ist es eben, das große Börsen-Jojo.

Reiche Fußballer

Für die meisten Deutschen ist es die wichtigste Nebensache der Welt, der Fußball. Und damit stehen die Fußball-Akteure im Rampenlicht der Öffentlichkeit, fast so wie die Gladiatoren im antiken Rom. Marco Reus, der große Star von Borussia Dortmund, ist sieben Jahre lang ohne Führerschein Auto gefahren. Ein Kavaliersdelikt? Mitnichten. Reus zahlt für seinen Irrsinn zu Recht eine halbe Million Euro Strafe. Was kann die Lehre aus dem Fall Reus sein? Top-Fußballer werden extrem jung extrem reich und wohlhabend – und können dadurch schnell die Bodenhaftung verlieren. Es bleibt in erster Linie die Aufgabe der Eltern, in solchen Fällen mäßigend einzugreifen. Wer soll es sonst denn tun?

Eine Woche vor Weihnachten wünsche ich Ihnen einen angenehmen und erfreulichen Abend. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Russland exportiert die Rezession"

Alle Kommentare

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  • @ Herr Helmut Metz
    Innere Freiheit muss aber nicht in absolute Gleichgültigkeit, Desinteresse und Tatenlosigkeit ausarten. Wie heißt es doch so treffend: "Gott hilft denen, die sich selbst helfen."
    Dagegenhalten hält fit, schafft Unruhe, verwirrt den Gegner kurzum, es macht Spaß.

  • Es wundert mich, dass Gabor Steingart, einer der wenigen verbliebenen aufrechten Wirtschaftsjournalisten in Deutschland (trotz einiger "Aussetzer" vor einigen Jahren bei Griechenland) - Wolfram Engels von der Wirtschaftswoche lebt leider schon lange nicht mehr - beim HB noch nicht ausgemistet hat.
    Auch hier in der HB-Redaktion ist kein Verständnis für unser Falschgeldsystem (was KEINE VT ist - einfach z.B. mal Murray Rothbard lesen!), und damit ist auch kein Verständnis dafür da, dass in diesem Geldsystem die Schulden des Einen das "Geld" des Anderen sind.
    Und was dann letztendlich in einer Schulden-Deflation passiert, die bereits angelaufen ist, dürfte eigentlich sogar ein Schuljunge kapieren.
    Aber selbst, wenn man es so hart formuliert wie Roland Baader, glauben diese selbsternannten Elite-Journalisten eben immer noch, "wir hätten mehr Speck auf den Rippen":
    "Die Sozialsysteme der Wohlfahrts- und Sozialstaaten der westlichen Welt steuern dem Zusammenbruch entgegen. Viele sind bereits am Ende und werden nur noch mit budgetpolitischen Tricks und betrügerischen Manipulationen mühsam aufrecht erhalten. Der Wohlstand der Industrienationen besteht seit rund drei Jahrzehnten zu einem Gutteil nur noch aus Schein und Illusion - konkret: aus Kapitalverzehr - und steht mit seinen Fundamenten auf dem schlammigen Untergrund eines riesigen Schuldenmeeres. Es ist nur eine Frage der (relativ kurzen) Zeit, bis diese Scheinwelt in sich zusammenbricht...Dass der Turmbau zu Babel zu Ende ist und die Industrienationen in eine Periode der Verarmung eintreten, steht fest."
    Aufklärung ist hier also komplett zwecklos. Viele Kommentatoren machen nur den riesigen Fehler, dass sie sich darüber aufregen und vielleicht sogar verzweifeln. Wieso?
    Rational betrachtet hat sich diese Gesellschaft ihren Untergang also absolut redlich verdient: "Wer nicht hören will, muss fühlen" - lehren Mama und Papa schon ihre Kinder.
    Erreicht man diese Erkenntnis, dann gewinnt man auch INNERE FREIHEIT.

  • @ Herr Vittorio Queri

    Die werden es auch noch unter Tränen lernen. Dann werden sie dankbar dafür sein, dass Leute gab, die das schlimmste verhinderten, weil sie mutig und entschlossen dagegen gehalten haben.

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