Was vom Tage bleibt: Sag mir, wo die Zinsen sind

Was vom Tage bleibt
Sag mir, wo die Zinsen sind

Banken zahlen auf Einlagen keine Zinsen mehr. Die Schweizer lernen unseren Bundesrat kennen. Steinbrück hat vielleicht ein Bankenproblem. Daimler löscht Mails im Urlaub. Die Kommentare zum Tag.

Liebe Leserinnen und Leser,

Atemlos im Bundesrat

Der Bundesrat ist ein Gremium, das schon mancher Deutsche nicht auf der Pfanne hat. Dass dessen Entscheidungen auch im Ausland atemlos verfolgt werden – wann ist das schon mal passiert? Der Züricher „Tages-Anzeiger“ bot seinen Lesern heute live auf seiner Webseite den Bericht aus dem Bundesrat an. Dort wurde über das Steuerabkommen mit der Schweiz gesprochen, und es fiel wie erwartet durch. Was die Schweizer jetzt von dem Bundesrat wissen, ist, dass es sich um ein höchst politisches Gremium handelt. Und solche entscheiden niemals nur einfach so nach Sachlage.

Sozialismus bei VW

Drei-Jahrespläne gab es früher nur im Sozialismus. Heute gibt es sie auch bei Volkswagen: Bis 2018 will der Konzern zum größten Autohersteller der Welt aufsteigen. Der Aufsichtsrat um den großen Vorsitzenden Ferdinand Piëch hat dafür Milliardeninvestitionen beschlossen. Ursprünglich wurde heute mit einem Plan für die kommenden fünf Jahre gerechnet. Dazu gibt es, so haben die Wolfsburger erkannt, zu viele globale Unsicherheiten. Das beruhigt. Sozialismus total herrscht auch in der VW-Zentrale nicht.

Der Kandidat und die Banken

Die nordrhein-westfälische CDU verlangt von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Auskunft über eine mögliche Verstrickung in zweifelhafte Veranstaltungen der inzwischen abgewickelten WestLB. Eine Tochter der Landesbank hat Beamte, Sparkassenchefs und Funktionäre von Stadtwerken zu teuren Reisen eingeladen. Für diese sogenannten Kundenevents, die sehr nach dem aussehen, was Juristen Vorteilsnahme nennen, hat die Banktochter in den Jahren 2002 bis 2005 mindestens rund eine halbe Million Euro ausgegeben. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Düsseldorfer Landtag, Karl-Josef Laumann, erinnerte im Gespräch mit Handelsblatt Online daran, dass der damalige Finanzminister Steinbrück bis 2002 stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats und Mitglied im Präsidialausschuss der WestLB gewesen sei und in dieser Zeit die WestLB-Tochter die umstrittene Reisepraxis begonnen habe. Steinbrück und die Banken – das ist ein Thema, das noch spannend wird.


Zinssatz nullkommanull

Die Schuldenkrise und die damit verbundene Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank treibt selbst erfahrenen Bankern die Sorgenfalten auf die Stirn. „Wer sich in diesen Zeiten über Wirtschaft und Geldanlage auf dem Laufenden hält, hat gute Chancen, verrückt zu werden“, schreibt der Ex-Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter in einer Kolumne für Handelsblatt Online. „Tagesgeld, Termingeld, Sparbücher bieten Zinsen, mit denen nicht einmal der Inflationsverlust ausgeglichen wird“, warnt er. „Damit sind wir am Ende eines Jahres unweigerlich ärmer als zwölf Monate zuvor.“ Wie Recht er hat, zeigt ein Blick auf die Konditionen für Festgeld bei den Banken. Diese Woche markiert einen neuen Tiefpunkt in der Misere der Zinssparer. Die ersten Banken überweisen ihren Kunden gar keine Zinsen mehr. Wer sich erinnert, dass unser Geld auf dem Konto eines Geldhauses einen Kredit darstellt, den wir der Bank geben, der darf uns an sich für unsere Großzügigkeit loben.

Keine Mails im Urlaub

Daimler hat sich etwas einfallen lassen. Die Mails an Mitarbeiter, die im Urlaub sind, werden gelöscht. Das soll Entspannung total gewährleisten. Das finde ich klasse. Noch besser wäre natürlich, wenn das „Was vom Tage bleibt“ zu den Mails gehört, die auch in den Ferien durchkommen, weil sie vielleicht als entspannungsfördernd eingestuft werden.

Ein entspanntes Wochenende wünscht Ihnen,

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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