Was vom Tage bleibt
Schreckensmeldung zum Mittag

Europa fürchtet für kurze Zeit ein zweites Tschernobyl, alle ICE bekommen WLAN. Der Iran bombardiert den IS, die Lufthansa erweitert ihr Billigkonzept und Schweden muss schon wieder wählen. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Erinnerung an Tschernobyl

Heute Mittag sind den meisten Menschen hierzulande kalte Schauer den Rücken heruntergefahren. Aus der Ukraine war die Meldung gekommen, dass es einen Atomunfall im Süden des krisengeschüttelten Landes gegeben habe. Sofort wurden wieder die Erinnerungen an die Katastrophe von Tschernobyl vor bald 30 Jahren wach, als ganz Europa von einer atomaren Giftwolke bedroht wurde. Zu unser aller Glück ist es heute eine Falschmeldung gewesen. Eine völlige Entwarnung kann es trotzdem nicht geben. Die gesamte Infrastruktur in der Ukraine ist in völlig desolatem Zustand. Deshalb kann dort doch noch einmal passieren, wovor wir uns alle fürchten.

Funkstille

Was der Bahn-Chef als Fortschritt und Neuerung verkauft, ist in Wahrheit eine ordentliche Pleite. Bis zum Jahr 2016 soll es in allen ICE der Deutschen Bahn kostenloses WLAN geben, verspricht Konzernboss Rüdiger Grube. Schön wäre es, wenn es das kostenlose Internet tatsächlich in zwei Jahren geben würde. Denn mit der Zeit nimmt es der Konzern bekanntlich nicht so genau, vielleicht braucht die Bahn für das WLAN-Projekt noch viel länger. Und es bleibt das Grundsatzproblem: Die Deutsche Bahn hat das Internet viel zu spät entdeckt und hängt der Konkurrenz ordentlich hinterher. Andere Eisenbahngesellschaften können das schon viel länger.

Neue Allianz

Auf den ersten Blick ist es eine scheinbar unbedeutende Nachricht aus der Krisenregion Naher Osten. Auch der Iran hat in der Nacht zum Mittwoch Stellungen des Islamischen Staates bombardiert. Es war zwar (noch) keine gemeinsame Aktion mit der von den USA angeführten Allianz des Westens. Die neuen Attacken des Iran haben aber hohe Symbolkraft: Die Führung in Teheran beginnt, zusammen mit dem Westen an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. Es könnte der Beginn einer ganz neuen Allianz sein, die vor ein paar Jahren noch völlig unvorstellbar war. Doch inzwischen ist dieses Bündnis wieder möglich.

Ganz auf billig

Die Lufthansa hat sich entschieden und den Weg frei gemacht für ihr erweitertes Konzept von Billigflügen. Preiswerte Tickets soll es künftig nicht mehr nur auf kurzen innerdeutschen und innereuropäischen Verbindungen geben, sondern auch auf der Langstrecke. Für das Unternehmen gibt es keine Alternative zu diesem neuen Konzept. Die (preiswerte) Konkurrenz drückt an allen Ecken und Enden, Deutschlands größte Airline muss reagieren. Wenn dann auch noch die Belegschaft mitzieht und die Piloten endlich mit ihren sinnlosen Streiks aufhören, dann kann das neue Konzept sogar funktionieren.

Wankende Stabilität

Schweden gilt als solides Land mit hoher sozialer und politischer Stabilität. Doch das war einmal, heute am Mittwoch ist Schwedens aktueller Ministerpräsident Stefan Löfven nach gerade einmal zwei Monaten im Amt schon wieder zurückgetreten. Schweden ist eben nicht mehr der große Hort an Stabilität. Politisch kämpft das Land genauso wie andere Staaten in Europa mit erstarkten Rechtspopulisten, die gegen den europäischen Einigungsprozess aufbegehren. Trotzdem muss das nicht das völlige Ende des offenen schwedischen Modells bedeuten. Die Schweiz hat sich gerade erst am vergangenen Wochenende gegen verschärfte Zuzugsbeschränkungen für Ausländer ausgesprochen. Das macht auch Hoffnung für die Schweden.

Frieren Sie nicht zu viel und genießen Sie den Vorgeschmack auf Winter und Weihnachten. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Schreckensmeldung zum Mittag"

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  • Temelin direkt vor unserer Haustür zerfällt schon seit Jahren- und das ganz ohne Unfall.
    Die Liste der Pannen ist lang und im www zu finden.
    Aber Hauptsache wir schalten bei uns alles ab und beziehen den Strom von dort. ):

  • In der Ukraine zerfällt nicht nur die Infrastruktur, sondern auch schön langsam der Sarkophag von Tschernobyl.
    Und was glauben Sie, wer die milliardenschweren Sanierungskosten dafür bezahlen darf (neben der russischen Gasrechnung)? Die Russen (und auch die Amis) garantiert nicht...

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