Was vom Tage bleibt
Schulden machen Spaß

Spanien will sein Geld aus dem Rettungsschirm jetzt. Deutschland zahlt rekordniedrige Zinsen. Investmentbanker Notheis ruht. Und ein Formel 1-Fahrer begibt sich auf Abwege. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Her mit dem Schirm!

Spanien hat getan, was es vor zwei Wochen ankündigte: Das Land beantragt bei der EU Hilfe. Interessant ist nicht mehr, dass die Hilfe kommt, sondern dass sie schon jetzt kommen soll. Derzeit nämlich stammt das Geld aus dem Rettungsschirm, der auf den Namen EFSF hört. Ab Juli dann springt der ESM ein. Sich jetzt noch unter den ersten Schirm zu stellen, zeigt: Spanien braucht das Geld dringender, als es die Spanier jemals vermutet haben.

Her mit dem Geld!

Die neue sozialistische Regierung in Frankreich muss in diesem Jahr ein Haushaltsloch von bis zu zehn Milliarden Euro stopfen. Drastische Sparmaßnahmen seien aber nicht geplant, sagte der Finanzminister im gleichen Atemzug, als er über das Loch redete. Das heißt: Die Einnahmen müssen steigen. Aus Sicht der regierenden Sozialisten kann das nur bedeuten, die Reichen des Landes zur Kasse zu bitten. Reichtum allerdings ist ein scheues Reh: Es kann ruckzuck von der Lichtung hoppeln. Und in Genf ist sicher schon alles angerichtet.

Schulden machen Spaß

Die Deutschen sind ein Volk fleißiger Ameisen. Sie tragen ihr Erspartes in den Bau. Niemand macht sich deswegen Sorgen darüber, dass auch der deutsche Schuldenstand heute die Zwei-Billionen-Grenze überschritten hat. Schließlich geht es nicht darum, Schulden zurückzuzahlen, sondern sie zu refinanzieren. Und das gelingt den tüchtigen Ameisen besser, als so sprunghafte Tieren wie etwa Heuschrecken. Investoren gaben sich bei deutschen Staatstiteln mit Mini-Zinsen zufrieden. Es ist also geradezu eine Freude, sich zu verschulden. Die drei Billionen werden deswegen demnächst bitte schön ordentlich gefeiert!

Notheis lässt seinen Job ruhen

Der Investmentbanker Dirk Notheis lässt seine Posten bei der Deutschland-Tochter der US-Bank Morgan Stanley ruhen. Ruhende Aufgaben sind solche, die liegen bleiben, obwohl sie an sich gemacht werden müssten. Notheis verordnet sich folglich auch nicht freiwillig Ruhe, sondern steht schwer unter Druck, seit immer mehr pikante Details über seinen Deal mit dem baden-württembergischen Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus bekannt wurden. Mappus hatte Anteile des Versorgers EnBW auf Staatskosten gekauft, Freund Notheis hatte ihn beraten. Damit Notheis ruhen kann, werden seine Aufgaben auf andere übertragen. Möge er also in Frieden ruhen.

Die Wahrheit über Tegel

Um ein Jahr ist die Eröffnung des Hauptstadtflughafens verschoben. Solange muss es noch über Tegel gehen. Wie das geht, ließ sich an diesem Wochenende testen. „Den Umständen entsprechend gut“, sagte ein Flughafen-Sprecher. „Dem großen Andrang nicht standgehalten“, ätzte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. „Absolut am Limit“, hieß es von der Lufthansa. Zur Info: Der Flughafen ist für die Verzögerung des Umzugs mitverantwortlich. Die Airlines sind die, die es ausbaden müssen. So erklären sich die Facetten der Wirklichkeit.


Hellsichtige Golfer


Früher Formel 1, jetzt Golf-Caddy: David Coulthard hat mit einem fahrenden Auto einen landenden Golfball aufgefangen. Ein Profi-Golfer schlug den Ball auf 286 Stundenkilometer. Nach 275 Metern landete er im Cabrio, das mit Tempo 193 unterwegs war. Der Ball plumpste genau zwischen die Sitzen. „Die einzige Möglichkeit den Ball aufzufangen, war es, ihn die ganze Zeit über nicht aus den Augen zu verlieren“, sagte Coulthard und entpuppt sich damit als Metapher für alle Euro-Retter: Sie versuchen die rasende Währung aufzuhalten und merken gar nicht, dass ihr Gefährt auf eine Wand zurast.

Seien Sie wachsam. Herzlichen Gruß,

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Schulden machen Spaß"

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  • Die exponteial funktion des zins und zinses zins systems werdn unsere schulden Explodiern lassen....
    das ist eingeplant...
    wer um die 30 ist wird die 3 bill noch miterlebn

  • "...und entpuppt sich damit als Metapher für alle Euro-Retter: Sie versuchen die rasende Währung aufzuhalten und merken gar nicht, dass ihr Gefährt auf eine Wand zurast."

    Herr Stock ich muss Sie loben!
    Endlich eine kritische Stellungnahme zum Euro-Projekt von Ihnen.

    Ich wünsche mir mehr davon!

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