Was vom Tage bleibt: Schummler bei der Deutschen Bahn?

Was vom Tage bleibt
Schummler bei der Deutschen Bahn?

Das Kartellamt ermittelt gegen die Bahn, Google ist ein Milliardenverlust völlig egal. Strauss droht die Insolvenz, Facebook verdient gewaltig und die US-Wirtschaft boomt. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kartell-Dickicht

Was hat sie uns nicht Leid getan, unsere liebe Deutsche Bahn. Ein Kartell aus Stahlkonzernen hatte das Staatsunternehmen bei der Belieferung mit Schienen über Jahre durch illegale Preisabsprachen geprellt. Bis zu einer Milliarde Euro dürfte die Bahn dadurch verloren haben. Seit heute wissen wir aber, dass die Deutsche Bahn auch ihre ganz eigenen Probleme mit dem Wettbewerbsrecht hat. Das Bundeskartellamt ermittelt gegen die Bahn, weil sie sich beim Fahrkartenverkauf nicht immer an die Spielregeln der Marktwirtschaft gehalten haben dürfte. Mit dem Mitleidseffekt für die Bahn ist es damit nun vorbei. Von Preissenkungen dürfen wir alle aber wahrscheinlich nur träumen.

Milliarden zerrinnen

Es klingt wie ein Eingeständnis des Scheiterns: Vor zwei Jahren hat Google mehr als zwölf Milliarden US-Dollar für den Kauf des Handyherstellers Motorola auf den Tisch legen müssen, beim Weiterverkauf an Lenovo gibt es jetzt gerade noch drei Milliarden. Auch ein allseits gefeierter Konzern wie Google hat bei Zukäufen also nicht immer ein glückliches Händchen. Mit Handys kommt das US-Unternehmen offensichtlich überhaupt nicht klar: Nur Software geht, aber eben keine Hardware. Zum Glück muss sich niemand Sorgen machen, dass Google wegen der Milliardenpleite mit Motorola jetzt der Absturz droht. Wer so in Geld schwimmt wie Google, der darf auch einmal danebengreifen.

Bye, bye Kaufhaus

Wieder einmal hat es einen bekannten Einzelhändler erwischt: Strauss Innovation aus dem Rheinland steht kurz vor der Insolvenz. Die Probleme liegen ziemlich offensichtlich auf dem Tisch. Strauss hat zwar ein deutlich kleineres Sortiment als etwa Karstadt und Kaufhof. Letztlich aber stehen die Rheinländer genauso für das klassische Prinzip der Innenstadt-Kaufhäuser. Und genau dieses Segment hat gewaltige Probleme. Kleinere Spieler wie eben Strauss müssen den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten. Die Kaufhäuser haben in Deutschland keine große Zukunft mehr. Dieses Einzelhandelskonzept hat sich ziemlich überlebt.

Medium für alle

Facebook lebt. Laut waren die Stimmen, die in den vergangenen Wochen den steilen Abstieg von Facebook vorhersagen wollten. Vor allem die Teenager hätten sich von Facebook abgewendet, es entwickle sich langsam zu einem Medium der über 50-Jährigen. Auch wenn eine gewisse Verschiebung der Altersstruktur bei Facebook-Nutzern erkennbar ist: Der US-Konzern strotzt nur so vor Kraft. Niemand sollte also Facebook vorzeitig abschreiben. Die Anleger sehen das genauso. Wegen der extrem guten Quartalszahlen geht die Facebook-Aktie am Donnerstagabend geradezu durch die Decke. Ein echter Kauf, es gibt überhaupt keinen Grund zum Jammern.

Die Wende

Die Stimmung in den USA ist gut, nicht nur bei Unternehmen wie Facebook. Die US-Wirtschaft ist im letzten Quartal des vergangenen Jahres mit satten 3,2 Prozent gewachsen. Es bedarf keines klareren Hinweises, dass die Konjunktur in den USA nun endlich und nach vielen Jahren des Wartens die Wende geschafft hat. Und was die Amerikaner hinbekommen, sollten wir uns auch hier in Europa zum Vorbild nehmen. Gleich morgen wird das nicht funktionieren, dafür ist die Wirtschaft im Süden der Euro-Zone noch zu schwach. Aber wie wäre es im nächsten Jahr? Zum Glück mehren sich die Anzeichen in Europa, dass es langsam wieder kräftig nach oben gehen könnte. Eine steigende Nachfrage aus den USA ist da extrem hilfreich.

Einen schönen Abend mit einem hoffnungsvollen Blick nach vorn wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Schummler bei der Deutschen Bahn?"

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  • Stimmt`s?

    Dividendenrendite der Holtzbrink-Bahn aktualisieren; zu wenig Kapital

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