Was vom Tage bleibt Schwarzer Tag für die Demokratie

Mario Draghi hebelt die nationalen Parlamente aus, Merkel schweigt dazu vielsagend, Metro bekommt mehr Ruhe für die Sanierung und Opel eine Chance, die nicht wirklich eine ist. Der Tagesrückblick
22 Kommentare
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

EZB gibt den Kurs vor

Es kam wie befürchtet, aber das macht es nicht besser: Heute war ein schwarzer Tag für die Demokratie. Die EZB hebelt mit ihrem heute verkündeten Anleihekaufprogramm die Mitbestimmung der nationalen Parlamente aus, völlig unkontrolliert und ohne festgelegte Obergrenze verfügt sie über das Geld der Mitgliedsländer. Ein Schlaglicht auf das demokratische Verständnis von EZB-Chef Mario Draghi gibt sein Zitat: „Wir haben einen Parcours für die Regierungen entworfen.“ Für ihn sind die Regierungen offenbar Springreiter, die auf sein Kommando hüpfen. Und das schlimmste: Auch das Bundesverfassungsgericht kann mit seiner Entscheidung in der kommenden Woche daran nicht viel ändern.

Merkel schweigt und Rajoy profitiert

Und was macht Bundeskanzlerin Angela Merkel? Kämpft sie standhaft gegen ihre schleichende Entmachtung? Weit gefehlt, sie scheint ganz zufrieden zu sein, dass ihr die Sisiphos-Aufgabe, den Euro zu retten, ein Stück aus der Hand genommen ist. Praktisch zeitgleich mit der EZB-Pressekonferenz ist sie auf Höflichkeitsbesuch bei ihrem spanischen Amtskollegen Mariano Rajoy. Und sie schweigt zum Anleihekauf der Notenbanken. Sie will wohl die Atmosphäre in Madrid nicht belasten. Denn Spanien muss im Oktober noch 20 Milliarden Euro refinanzieren und könnte damit einer der Hauptprofiteure des EZB-Programms sein.

Metro bekommt Ruhe für die Sanierung

Manchmal steht der Geltungsdrang dem Erfolg im Wege. Nachdem die Metro-Aktie aus dem Dax gefallen ist, hat Konzernchef Olaf Koch gleich die Devise ausgegeben, dass das Unternehmen so schnell wie möglich wieder in den prestigeträchtigen Börsenindex zurück will. Dabei sollte Koch doch froh sein, dass durch den Abschied aus dem Kreis der 30 Dax-Konzerne sein Konzern nicht mehr so im Fokus von Öffentlichkeit und Analysten steht. Seine Sanierungsaufgabe ist schwer genug. Wenn er sie etwas mehr im Verborgenen und mit etwas mehr Ruhe anpacken kann, schadet das wahrlich nicht.

Frauen an die Macht

Einer Studie der Unternehmensberatung Egon Zehnder zufolge sind im vergangenen Jahr knapp 41 Prozent aller neuen Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt worden. Wenn man sich die Qualifikation junger Frauen in Deutschland anschaut, kann man nur sagen: Das ist eine gute Entwicklung. Ob man sie jetzt mit einer Quote beschleunigt oder nicht, ist letztlich egal. Sie ist zwangsläufig. Und allen Männern, die jetzt schon über angebliche Diskriminierung jammern, sei gesagt: Wenn dieser Trend innerhalb der kommenden fünf Jahre anhält, dürfte jeder vierte Posten in Führungsgremien mit Frauen besetzt sein. Also kein Grund, sich zu fürchten.

Was fehlt? General Motors hat sich gegenüber seiner kriselnden deutschen Tochter richtig großzügig gezeigt: Opel darf jetzt nicht nur nach Australien, sondern sogar nach Chile exportieren. Toll. Das ist bestimmt ein guter Ausgleich dafür, dass die überlebenswichtigen Märkte und China weitgehend versperrt bleiben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Feierabend,

Florian Kolf

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22 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Schwarzer Tag für die Demokratie"

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  • Merkel scheint zufrieden, Ziel erreicht, auch wenn Sie es so nie gesagt hat. Für mich ist sie einfach eine Steigerung von Kohl, selbst in der Lüge. Ich vermisse hier einen Artikel über die Äußerungen zur EZB von Mme. Merkel.

  • es wird höchste Zeit dass das Handelsblatt ihr Titanic-Szenario, mit dem es garnicht so schlecht lag, aktualisiert!!
    Die unbegrenzte + unerlaubte Staatsfinanzierung ist schon schlimm genug, aber dass die EZB auch noch ihren vorrangigen Gläubigerstatus aufgibt ist der absolute Wahnsinn!!! Wenn die Rettungsaktion schiefgeht und ein oder mehrere größere Länder bankrott anmelden ist Deutschland höchstwahrscheinlich auch bankrott, aber was interessiert das den Italiener Draghi (Drache bzw. Teufelsdrache wäre eigentlich der bessere Name) oder die Griechen, Spanier, Italiener, Portugiesen, mitgefangen mitgehangen.

    Niemand politisch bedeutende in Deutschland sagt und setzt es auch durch „jetzt ist endlich Schluß mit dem Aufladen von Risiken auf Deutschland!!!“ Man kann sich nur noch an den Kopf fassen über die Blindheit + Naivität der deutschen Politiker!!! Für diejenigen die immer sagen Deutschland profitiert ja sooon vom € wird es u. U. noch ein katastrophales erwachen geben .

    Die weltgrößten Zocker sind nicht die Bänker (denn die haben Risikobegrenzungsmechanismen) sondern die deutschen Politiker + EZB, denn sie zocken off limit mit der Zukunft der deutschen Bürger + ihrer Kinder, um Steckenpferden gewisser Politiker sanieren zu versuchen!!!

  • Herr Kolf, erfrischend klar und deutlich Ihre ersten beiden Absätze!

  • Mario Draghi ist ein Trickser, um nicht Herrn Dobrindts Vokabel Falschmünzer zu verwenden: die Maastricht-Verträge verbieten die "direkte" Defizitfinanzierung von Staaten ausdrücklich. Er umgeht also das Verbot, indem er Händler zwischenschaltet. Er nimmt damit den Parlamenten ihr vornehmstes Recht der Budgetkontrolle und bestiehlt die Steuerzahler der ordentlich wirtschaftenden Länder, indem er die liederlichen Habenichtse aus dem Süden mit Geld, das ihm nicht gehört, überschüttet.

    Ich hoffe, daß das Bundesverfassungsgericht den Euro-"Rettungsschirm" (in Wirklichkeit: Schuldensumpf) für verfassungswidrig erklärt und damit die Ausblutung Deutschlands für Betrug, Schlamperei, Korruption und Unfähigkeit der "Southeners" stoppt!

  • @ Rondo

    In den Online-foren überall Shitstorm für die Reset-TAtata

    Jedoch nur 40935 Unterschriften und ein Häuflein Elend am 12.9. in Karlsruhe. Wie kann das sein? Warum schreiben Sie nicht im Karlsruher Morgenblatt- so what

  • Diese EU-Verträge sind nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt wurden! Oder, warum geht keines der Zahlerstaaten gegen Draghi's Machenschaften vor?

  • Also ich muß sagen:
    Ich fühle mich verraten und verkauft.

    Ausgeliefert einer unlegitimierten EU Junta-
    die machen einfach was sie wollen.

    Keiner hat sie gewollt-
    Keiner hat sie gewählt.
    Und trotzdem machen sie mir Vorschriften.

    Ich habe das Gefühl, ich lebe in einem rechtsfreien Raum.

    WIE KANN DAS SEIN ??????

    WAS soll dieser EU Scheiß ?

    Über Gurkenkrümmung und Glühbirnenverbot?

    Da seh ich einen Öttinger dumm labern-
    im 5.Klässler Englisch - zum Schämen.

    Und diese Gurkentruppe will mir irgendwas sagen ?

    Ne Jungs- macht eueren Scheiss alleine...


  • Draghi ist der Diktator Europas. Er hat wie ein Rauschgiftdealer die Regierungschefs der Euro-Staaten und die Konzernlenker der deutschen Exportindustrie angefixt mit scheinbar leichtem Geld und wird sie jetzt alle komplett abhängig machen. Aber genau wie bei den Drogenjunkies wird das bittere Ende noch kommen. Es gibt keine Sucht ohne böses Erwachen.
    Draghi sieht nur Geld, er kennt weder die Realwirtschaft noch die Menschen, die mit normaler Arbeit Geld verdienen müssen.
    Die Realwirtschaft leidet. Deutschland verschenkt faktisch seine Exporte und die Mittelmeerstaaten haben ihre Produktion zu großen Teilen eingestellt - so muss man das doch sehen, wenn 50% der Jugendlichen arbeitslos sind.

    Mein Gott, es gehört doch nicht viel Verstand dazu, um zu sehen, dass dieser Weg in den Abgrund führen muss! Offenbar ist aber nicht einmal dieses bißchen Verstand bei Frau Merkel, der hauptverantwortlichen Demokratievernichterin vorhanden.

    Eines ist sicher: Das Geld von Herrn Draghi kann man nicht essen. Der Niedergang der Realwirtschaft durch die unsinnigerweise mittels Euro erzwungenen wirtschaftlichen Ungleichgewichte wird fortschreiten. Die Ausplünderung durch die Banken und die Plutokratie beschleunigt sich. Wir bekommen südamerikanische Verhältnisse mit Riesendifferenzen im Wohlstand von arm und reich, zerfallende Staaten mit nicht mehr legitimierten Politikern und machtlosen Schießbudenparlamenten (haben wir schon) und ein Siechtum über Jahrzehnte. Europa vernichtet sich selbst! Und das alles hauptsächlich wegen einer einzigen unfähigen Frau und einer CDU, die bis auf seltene Ausnahmen nur noch aus unfähigen Weicheiern besteht! Adenauer muss in seinem Grab schon mit Schallgeschwindigkeit rotieren!

  • Um Europapolitik geht es hier nur im Sinne von der Plünderung Europas durch Goldman Sachs.

    http://www.youtube.com/watch?v=IupbE7JBRAw

  • Sehr treffender Kommentar!
    Das Merkel hat jeden und jedes politische Ziel verheizt wenn es nützlich erschien.
    Der Schäuble ist, natürlich neben Kohl, ein wesentlicher Architekt dieser Schuldenunion. Weiter schreibe ich jetzt nichts mehr.

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