Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Schwarzer Tag für die Demokratie

Mario Draghi hebelt die nationalen Parlamente aus, Merkel schweigt dazu vielsagend, Metro bekommt mehr Ruhe für die Sanierung und Opel eine Chance, die nicht wirklich eine ist. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.
Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

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EZB gibt den Kurs vor

Es kam wie befürchtet, aber das macht es nicht besser: Heute war ein schwarzer Tag für die Demokratie. Die EZB hebelt mit ihrem heute verkündeten Anleihekaufprogramm die Mitbestimmung der nationalen Parlamente aus, völlig unkontrolliert und ohne festgelegte Obergrenze verfügt sie über das Geld der Mitgliedsländer. Ein Schlaglicht auf das demokratische Verständnis von EZB-Chef Mario Draghi gibt sein Zitat: „Wir haben einen Parcours für die Regierungen entworfen.“ Für ihn sind die Regierungen offenbar Springreiter, die auf sein Kommando hüpfen. Und das schlimmste: Auch das Bundesverfassungsgericht kann mit seiner Entscheidung in der kommenden Woche daran nicht viel ändern.

Merkel schweigt und Rajoy profitiert

Und was macht Bundeskanzlerin Angela Merkel? Kämpft sie standhaft gegen ihre schleichende Entmachtung? Weit gefehlt, sie scheint ganz zufrieden zu sein, dass ihr die Sisiphos-Aufgabe, den Euro zu retten, ein Stück aus der Hand genommen ist. Praktisch zeitgleich mit der EZB-Pressekonferenz ist sie auf Höflichkeitsbesuch bei ihrem spanischen Amtskollegen Mariano Rajoy. Und sie schweigt zum Anleihekauf der Notenbanken. Sie will wohl die Atmosphäre in Madrid nicht belasten. Denn Spanien muss im Oktober noch 20 Milliarden Euro refinanzieren und könnte damit einer der Hauptprofiteure des EZB-Programms sein.

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Metro bekommt Ruhe für die Sanierung

Manchmal steht der Geltungsdrang dem Erfolg im Wege. Nachdem die Metro-Aktie aus dem Dax gefallen ist, hat Konzernchef Olaf Koch gleich die Devise ausgegeben, dass das Unternehmen so schnell wie möglich wieder in den prestigeträchtigen Börsenindex zurück will. Dabei sollte Koch doch froh sein, dass durch den Abschied aus dem Kreis der 30 Dax-Konzerne sein Konzern nicht mehr so im Fokus von Öffentlichkeit und Analysten steht. Seine Sanierungsaufgabe ist schwer genug. Wenn er sie etwas mehr im Verborgenen und mit etwas mehr Ruhe anpacken kann, schadet das wahrlich nicht.

Frauen an die Macht

Einer Studie der Unternehmensberatung Egon Zehnder zufolge sind im vergangenen Jahr knapp 41 Prozent aller neuen Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt worden. Wenn man sich die Qualifikation junger Frauen in Deutschland anschaut, kann man nur sagen: Das ist eine gute Entwicklung. Ob man sie jetzt mit einer Quote beschleunigt oder nicht, ist letztlich egal. Sie ist zwangsläufig. Und allen Männern, die jetzt schon über angebliche Diskriminierung jammern, sei gesagt: Wenn dieser Trend innerhalb der kommenden fünf Jahre anhält, dürfte jeder vierte Posten in Führungsgremien mit Frauen besetzt sein. Also kein Grund, sich zu fürchten.

Was fehlt? General Motors hat sich gegenüber seiner kriselnden deutschen Tochter richtig großzügig gezeigt: Opel darf jetzt nicht nur nach Australien, sondern sogar nach Chile exportieren. Toll. Das ist bestimmt ein guter Ausgleich dafür, dass die überlebenswichtigen Märkte und China weitgehend versperrt bleiben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Feierabend,

Florian Kolf

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  • 07.09.2012, 20:21 UhrDrCoaeleonesErbengemeinschaft

    Merkel scheint zufrieden, Ziel erreicht, auch wenn Sie es so nie gesagt hat. Für mich ist sie einfach eine Steigerung von Kohl, selbst in der Lüge. Ich vermisse hier einen Artikel über die Äußerungen zur EZB von Mme. Merkel.

  • 07.09.2012, 20:21 UhrFranz_f_x_s

    es wird höchste Zeit dass das Handelsblatt ihr Titanic-Szenario, mit dem es garnicht so schlecht lag, aktualisiert!!
    Die unbegrenzte + unerlaubte Staatsfinanzierung ist schon schlimm genug, aber dass die EZB auch noch ihren vorrangigen Gläubigerstatus aufgibt ist der absolute Wahnsinn!!! Wenn die Rettungsaktion schiefgeht und ein oder mehrere größere Länder bankrott anmelden ist Deutschland höchstwahrscheinlich auch bankrott, aber was interessiert das den Italiener Draghi (Drache bzw. Teufelsdrache wäre eigentlich der bessere Name) oder die Griechen, Spanier, Italiener, Portugiesen, mitgefangen mitgehangen.

    Niemand politisch bedeutende in Deutschland sagt und setzt es auch durch „jetzt ist endlich Schluß mit dem Aufladen von Risiken auf Deutschland!!!“ Man kann sich nur noch an den Kopf fassen über die Blindheit + Naivität der deutschen Politiker!!! Für diejenigen die immer sagen Deutschland profitiert ja sooon vom € wird es u. U. noch ein katastrophales erwachen geben .

    Die weltgrößten Zocker sind nicht die Bänker (denn die haben Risikobegrenzungsmechanismen) sondern die deutschen Politiker + EZB, denn sie zocken off limit mit der Zukunft der deutschen Bürger + ihrer Kinder, um Steckenpferden gewisser Politiker sanieren zu versuchen!!!

  • 07.09.2012, 18:24 UhrUmoppelopter

    Herr Kolf, erfrischend klar und deutlich Ihre ersten beiden Absätze!

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