Was vom Tage bleibt: Schweigen ist Gold wert

Was vom Tage bleibt
Schweigen ist Gold wert

Der teuerste Satz, den ein Bankvorstand je gesagt hat, kostet rund 900 Millionen Euro. Deutschlands Schulden werden teurer. Eine Nonne gibt sich die Ehre und geht in den Knast. Der Tagesbericht.
  • 1

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Vergleich mit einem Jenseitigen

Die beiden einschlägigen Sätze lauten so: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, hatte der damalige Vorstand der Deutschen Bank Rolf Breuer gesagt, die Mediengruppe von Leo Kirch meinend. Damals nahm er in Kauf, Kirch auf diese Weise den Todesstoß zu versetzen. Was er nicht ahnte: Es war der teuerste Satz seines Lebens. Kirch hatte später zu Protokoll gegeben: „Erschossen hat mich der Rolf“ und einen Prozess angestrengt, den er selbst nicht überlebte. Seine Erben,unter ihnen seine Frau Ruth, haben ihn weiter geführt und jetzt möglicherweise eine knappe Milliarde Euro Schadensersatz erstritten. Der Vergleich sei auf dem Weg, sagen uns jedenfalls Beteiligte. Wenn Schweigen Gold wert ist, hat der Goldpreis ab jetzt noch Luft nach oben.

Blutige Schlacht

Auf dem Maidan-Platz in der Ukraine sprechen die Waffen. Aus den Demonstrationen ist ein Bürgerkrieg geworden. Deutschland und Frankreich wollen da nicht zuschauen, sondern reden, wie heute auf einer Pressekonferenz von François Hollande und Angela Merkel in Paris, über Sanktionen. Was auch immer das heißt. Reden sollten sie vielleicht mit Russland. Das eher desolate Verhältnis zu Russlands Präsidenten wirkt wie ein Brennglas: Derzeit ist diese Lupe auf Kiew gerichtet, wo sich die Russland-treuen und die Europa-treuen Anhänger eine blutige Schlacht liefern.

Eine glimmende Affäre

Die Bilder aus Kiew, das Reden über Sanktionen – all das hilft Angela Merkel, die Regierungskrise daheim zu übertünchen. Hier glimmt die Affäre Edathy. Das akute Feuer ist gelöscht. Beigetragen haben dazu heute Sätze wie die, die im Bundestag fielen: „Diese Sache bringt uns nicht auseinander“, betont der SPD-Politiker Burkhard Lischka in seiner Rede zum Zustand der Großen Koalition am Tag fünf der Edathy-Affäre. Noch goldiger hatte zuvor Unionspolitiker Stephan Mayer die Zukunft gesehen: „Nach diesen Erfahrungen werden wir noch stärker zusammenwachsen.“ Unter den Anhängern der sich selbst erfüllenden Prophezeiung stehen diese beiden Propheten in der vorderen Reihe.

Schulden werden teurer

Heute ist es passiert: Erstmals seit knapp anderthalb Jahren hat der Bund nicht ausreichend Interessenten für eine zehnjährige Staatsanleihe gefunden. Eigentlich wollte er fünf Milliarden Euro einnehmen. Die Gebote der Investoren für die Bundesanleihe summierten sich aber nur auf gut 4,3 Milliarden. Der Grund: Die Investoren mussten sich mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,64 Prozent begnügen. In Italien, Spanien, Portugal und Griechenland gibt es deutlich mehr. Und da die gefühlte Situation in diesen Ländern komfortabler ist als ehedem, kehren die Investoren Deutschland den Rücken. Die Zeit, in der sich Deutschland für lau verschulden konnte, ist seit heute von gestern.

Die Ehre einer Nonne

Es sei eine Ehre, ins Gefängnis zu gehen, sagte heute die 84-jährige Nonne Megan Rice. „Ich bin schuldig, sehr schuldig – und ich war schon einmal im Gefängnis, da gibt es wunderbare Menschen.“ Rice und ihre Komplizen waren im Juli 2012 in den Y12 National Security Complex in Oakridge, Tennessee eingebrochen. In der Anlage befinden sich große Mengen waffenfähiges Uran. Die Anlage gilt als besonders sicher, ist es aber offenbar nicht. Das Seniorentrio jedenfalls kam rein und sprühte ein paar Mauern mit Farbe und Parolen an. Dafür hat sie nun die Ehre. Es ist schön, wenn Menschen aus der Not eine Tugend machen. Nonnen sind jedenfalls dafür ausgebildet.

Einen ehrenvollen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Schweigen ist Gold wert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Seit wann hat für Herrn Stock Gold einen Wert? Ist ja was völlig Neues!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%