Was vom Tage bleibt
Seit heute ist die Eurokrise von gestern, oder?

Griechenland muss sich sein Geld nicht mehr beim Steuerzahler borgen. Ein deutscher Aktionär droht Coca-Cola. Gegen Grippe ist kein Kraut gewachsen. Und: Berlusconi möchte ein Behindertenheim gründen. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ein Datum für Historiker

Vielleicht wird der 10. April 2014 einmal in die Geschichtsbücher als der Tag eingehen, an dem die Eurokrise vorbei war. Griechenland, dieses Schmuddelkind der Kapitalmärkte und das Synonym für die Eurokrise, hat sich jedenfalls heute zum ersten Mal seit seiner Pleite wieder Geld am Markt und nicht beim Steuerzahler geborgt. Knapp fünf Prozent Zinsen waren den Anlegern genug, um das Risiko, dass diese Anleihen einmal nicht bezahlt werden können, auszugleichen. Drei Milliarden Euro sind zusammengekommen. Wann ein Datum historisch ist, wissen nur die Historiker und die auch immer erst hinterher. Sie werden irgendwann einschätzen können, ob Griechenland aus seinen Fehlern gelernt hat. Uns lebende Griechenlandbeobachter prägt eher das, was Ingeborg Bachmann zum Besten gibt: Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.

Abgrundtiefe Cola-Fans

Es ist die wohl bekannteste Marke der Welt. Seit mehr als 100 Jahren im Geschäft. Alle Krisen überstanden. An der Börse gut 170 Milliarden Dollar wert. Jedes Jahr fließt eine ansehnliche Dividende. Eigentlich sollten Aktionäre von Coca-Cola keinen Grund zum Klagen haben. Nicht so der deutsche Investor Bert Flossbach. Der Vermögensverwalter aus Köln hat einen Brief geschrieben, in dem er die Geschäftsführung von Coca-Cola angreift: Bei dem geplanten Programm zur Mitarbeitervergütung, so schreibt er, handele sich um einen „massiven Vermögenstransfer“ von den Eigentümern hin zum Management. Weil Flossbach zwar in Deutschland ein größere Nummer, aus Sicht des Saftladens aber ein kleines Licht ist, haben er und andere kritische Aktionäre ihre Beschwerdebriefe auch an Warren Buffett adressiert. Der Investor aus Omaha hat seit den 1990er-Jahren insgesamt 400 Millionen Coca-Cola-Aktien gekauft. Damit gehört ihm fast ein Zehntel des gesamten Unternehmens. Er könnte echt Druck machen. Das Dumme für Flossbach: Buffett trinkt am liebsten Cherry Coke. Und wer sich das antut, outet sich als abgrundtiefer Coca-Cola-Fan.

Gegen Grippe ist kein Kraut gewachsen

Wissen Sie noch, als jeder von uns auf sein Recht bestand, eine Packung Tamiflu gegen Grippe im Kühlschrank zu horten oder zumindest in der Apotheke um die Ecke griffbereit verwahrt zu finden? Ist gar nicht so viele Jahre her und der damalige Hype bescherte dem Hersteller Roche einen Milliardenumsatz. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler bezweifelt jetzt die Wirksamkeit der Wunderpille. Das Medikament wirke nur schwach, erklärten Wissenschaftler des Forschungsnetzwerks Cochrane Review in einer Untersuchung, die heute im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde. Nebenwirkungen wie Schnupfen, Kopfschmerzen und Brechreiz seien bisher zu wenig beachtet worden. Roche weist das zurück, und ich erinnere mich an meinen Kinderarzt, der ein patenter Mann gewesen ist: Ohne Medizin, hat er diagnostiziert, dauert eine Grippe zwei Wochen. Mit geht das Drama 14 Tage.

Berlusconis Buße

Unmittelbar vor Beginn der Gerichtsanhörung über die Strafe für den wegen Steuerbetrugs verurteilten Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben seine Anwälte enthüllt, wie Berlusconi Buße üben will: Als Schirmherr eines Behindertenzentrums, das er nahe seiner Villa in Arcore bei Mailand selbst gründen wolle. Der 77-Jährige könnte auch einen Tag pro Woche in dem Zentrum arbeiten und den Behinderten „neue Impulse“ bieten, argumentieren die Advokaten. Fragt sich, wohin das führt: Die segensreiche Wirkung von Bunga-Bunga-Partys im Behindertenheim ist nämlich umstritten.

Einen impulsreichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Seit heute ist die Eurokrise von gestern, oder?"

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  • Die neuen Schulden Athens, sind eine Ausfall sichere Sache, 100 % Rückzahlung. Da die Bad bank EZB und vor allem der deutsche Steuerzahler dafür gerade steht.

    Wunderbare Nebelkerzen, die dort für die Biedermeierschläfer 2.0 geworfen wurden.

    Vorwärts in die EUDSSR

  • Eines haben die Leute nicht verstanden: Der erste Schritt, um Vertrauen in den EURO zu bringen, sind eben diese durch Nordländer garantierte und abgesicherte griechische Anleihen (die Griechen werden nie komplett dafür aufkommen kônnen und müssen). Der zweite Schritt werden die EUROBONDS sein...wetten wir? Denn auch Frankreich und andere Südländer werden die 3% Verschuldungsgrenze nicht einalten können. Wir steuern auf ein solidarisches, sozialistisches (Union der sozialistischen EU-Republiken)Europa hin. Die in Brüssel ansässigen, vom Volk unbekannten und nicht demokratisch gewählten Schmarotzer mit hohen Gehältern sind dagegen kaum sozialisisch und solidarisch,velangen aber vom Fussvolk, dass es so ist.

  • Dass die Griechen charakterlich ungeeignet sind, zeigt die erneute Bereitschaft, wieder Schulden zu machen - obwohl sie nicht einmal die Zinsen ihrer Altschulden bedienen können. Wir sollten ihnen die drei Milliarden in diesem Sommer von den noch ausstehenden "Tranchen" abziehen, denn sonst kommen diese Korruptis niemals zur Vernunft!

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