Was vom Tage bleibt
Sieg des guten Geschmacks

Ritter Sport verpasst der Stiftung Warentest eine Schlappe. Die Banker-Boni bleiben zu hoch. Die Prokon Zinsen waren es wohl auch. Richtig Geld verdienen lässt sich dafür mit Cannabis-Aktien. Der Tagesbericht.
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Was vom Tage bleibt... Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fehlbare Tester

Die Tester der Stiftung Warentest sind unbestechlich und unfehlbar. Diese Ansicht galt bis heute. Zumindest die Unfehlbarkeit steht aber jetzt in Frage, weil ein Gericht in München entschieden hat, dass die Stiftung den Schokoladenhersteller Ritter Sport wahrscheinlich zu Unrecht verdächtigt, keine natürlichen Aromen in deren Schokoladenrezeptur zu rühren. Anstatt jetzt aber über fehlbare Tester, fehlbare Richter oder vielleicht doch trickreiche Chocolatiers zu sprechen, sagen wir uns doch einfach: Das Urteil bedeutet einen Sieg für den guten Geschmack.

Die Stunde der Märchenerzähler

Es gibt viele Märchen über die EU. Eines geht so: Es war einmal ein Hofstaat in Brüssel, der machte was er wollte. Tatsächlich setzt dieser Hofstaat in der Regel genau das um, was die Mitgliedsstaaten vorher beschlossen haben. Ein anderes lautet: Die Könige von Brüssel zwingen uns, ungeliebte Zuwanderer durchzufüttern. Tatsächlich gibt es für Menschen, die von öffentlicher Unterstützung leben, keinen Automatismus des Wohnrechts in einem EU-Land über sechs Monate hinaus. Europafeindliche Märchen gibt es wirklich viele. Und es gehört zu den Ritualen, dass vor jeder Europawahl eine neue Märchensammlung herausgegeben wird. Wir müssen sie ja nicht alle lesen.

Die Boni-Verräter

Die Finanzaufsicht Bafin gibt vielen deutschen Großbanken schlechte Noten dafür, wie sie ihre führenden Köpfe mit Boni bedenken: Viele Institute nähmen die Beschränkungen für ihre Top-Mitarbeiter offenbar nicht richtig ernst. Nur bei vier von 15 Banken, die die Bafin im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen hat, erreichten die Boni maximal die Höhe des Grundgehalts – wie es seit Jahresbeginn EU-weit vorgeschrieben ist. Sieben weitere bräuchten für die versprochenen Boni die Zustimmung ihrer Eigentümer, weil sie in der Spitze das Doppelte der Fixgehälter erreichten. Die übrigen geben ihren Bankern noch höhere Zusatzvergütungen. Es gilt noch immer: Bonus war mal eine Auszeichnung für eine besonders gute Leistung. Heute steht das Wort für Verrat am Prinzip der gerechten Bezahlung.

Viel Wind um nichts

Angelockt von hohen Zinsen haben Anleger fast 1,4 Milliarden Euro in die Windkraftfirma Prokon gesteckt. Langsam wird klar, dass die Prokon-Gewinne womöglich im Leben nicht ausreichen, um den Anlegern ihre versprochenen Zinsen auszuzahlen. Überraschung? Nein. Es ist doch klar wie Kloßbrühe: Richtig viel Geld verdienen mit Geldanlagen geht nur mit richtig viel Risiko. Acht Prozent Zinsen hat Prokon versprochen. Das bedeutet in einer Phase, in der sichere Anlagen anderthalb Prozent abwerfen, richtig viel Risiko. Jammern gilt also nicht.

Rauschender Erfolg

Seit Colorado als erster Bundesstaat in den USA den Verkauf von Marihuana als Genussmittel legalisiert hat, reißen sich Spekulanten um Anteile an Unternehmen, die sich der Cannabis-Pflanze verschrieben haben. Es ist die Suche nach „dem nächsten Microsoft“, sagen Analysten. Das wird auch Zeit: Microsoft hat unser Leben in Excel-Tabellen gepresst. Mit Cannabis kommen wir da wieder raus.

Einen rauschenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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