Was vom Tage bleibt
Skeptische Blicke nach Süden

Österreichs Große Koalition ist kein Vorbild und Italien macht wieder Ärger. Die Bahn wird teurer und Apple kippt Coca-Cola von Platz eins. Und: Europas Fluglotsen planen etwas ganz Großes. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Unglückliche Nachbarn

In der Regel ist es doch so: Deutschland blickt selten einmal nach Österreich. Normalerweise läuft es andersherum. Der Kleine übernimmt Trends und Veränderungen vom Großen, Österreich lässt sich also stark vom mächtigen Nachbarn im Norden beeinflussen und lenken. Jetzt lohnt aber der Blick in umgekehrter Richtung, nämlich in der Politik. Österreich ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was mit Großen Koalitionen falsch laufen kann. In der Alpenrepublik dominiert seit Jahrzehnten eine Große Koalition aus SPÖ und konservativer ÖVP das politische Geschehen. Das hat zu Vetternwirtschaft und politischem Stillstand geführt. Und das ist dann die Warnung an die Akteure in Berlin: Die Große Koalition wäre auch für Deutschland in Ordnung, aber bitte bloß nicht nach dem Vorbild Österreichs.

Römische Ängste

Ängstliche Blicke richten sich jetzt auch wieder nach Italien, weil das Trauerspiel um Ex-Premier Berlusconi in die nächste Runde geht. Der alternde Medien-Zar kämpft mit allen Mitteln um seine politische Macht und setzt dabei auch rücksichtslos das Schicksal Italiens aufs Spiel. Am Mittwoch soll sich spätestens entscheiden, ob Berlusconi den Zusammenbruch der Regierung in Rom zu verantworten hat und Neuwahlen erzwingt. Es wird einfach nur Zeit, dass dieser Mann endlich die politische Bühne Italiens verlässt.

Alte Monopole

Regelmäßige Bahn-Fahrer werden die Ankündigung vom Montag nicht allzu gern vernommen haben: Die Deutsche Bahn will – wieder einmal – die Preise erhöhen. Ob wirklich ein Anstieg der Strompreise die Preiserhöhung unvermeidlich gemacht hat, wie das Staatsunternehmen behauptet? Wir wissen es nicht und können es nicht nachprüfen. Besonders gilt das für die Fernstrecken, wo die Bahn immer noch ein Monopol besitzt. Trotzdem muss niemand die höheren Bahn-Preise einfach so hinnehmen. So könnte sich etwa das neue Fernbus-Netz wie in anderen Staaten zu einer ernsthaften Alternative entwickeln. Es hat schon seinen Grund, dass die Bahn-Verantwortlichen das neue deutsche Fernbus-Netz jahrelang zu verhindern suchten.

Die bessere Nummer eins

Auch Riesen können ins Wanken geraten. Daran hatten wir uns alle irgendwie gewöhnt: Coca-Cola sahnt regelmäßig bei allen großen Marken-Wettbewerben ab, die dunkle Brause aus den USA steht für die stärkste Marke der Welt. Doch auf einmal ändert sich das Machtgefüge unter den Marken, jetzt steht Apple ganz weit vorn auf Platz eins. Ich finde, das ist richtig so. Bei Getränken gibt es genügend andere Möglichkeiten, Coca-Cola muss nicht der Spitzenreiter sein. Auf mein intelligentes Smartphone möchte ich hingegen nicht mehr verzichten, dazu gibt es einfach keine Alternative.

Streik, ganz groß

Europa denkt immer noch sehr national. Nur wenige Dinge haben es bislang bis ganz nach oben auf die europäische Bühne geschafft. In der kommenden Woche zeichnet sich jedoch eine völlige Neuerung ab: der erste europäische Streik. In allen Mitgliedsländern der EU regt sich der Widerstand der Fluglotsen gegen die in Brüssel geplante Neuordnung der Flugsicherung. Wenn die EU nicht nachgibt, soll der Flugverkehr in der kommenden Woche an einem Tag komplett ruhen. Für die betroffenen Passagiere ist das sicherlich eine schlechte Nachricht. Für ein zusammenwachsendes Europa muss das allerdings nicht die schlechteste Neuerung sein, der erste gesamteuropäische Streik.

Einen entspannten Abend ohne Streik wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Skeptische Blicke nach Süden"

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  • Wieso soll Berlusconi (77 Jahre) die politische Bühne verlassen? Es ware eher Zeit, dass Napolitano (88 Jahre) aus der Politik verschwindet. Nur weil dieser linksgerichtet ist (also in Ihren Augen ein Guter), kann er bleiben. Zum Thema "grosse Koalition". Es wird ein Flop, eine Blockade, en Patt,wetten wir? Die Zukunft wird es uns zeigen.

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