Was vom Tage bleibt
Spiel mit Grenzen

Die Schweiz könnte die Zuwanderung beschränken und in Deutschland fehlen Stromtrassen. Berlins Bürgermeister hält alles aus, Jack Wolfskin schrumpft und mit der Steuermoral geht es abwärts. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Neue Grenzen

So richtig lustig ist das nicht mehr, was da gerade in der Schweiz passiert. Wir haben die Eidgenossen doch eigentlich als eine weltoffene Nation zu schätzen gelernt. Und als Vorbild für viele andere Länder, weil die Schweiz die Mehrsprachigkeit in den eigenen Grenzen so wunderbar offen und liberal geregelt hat. Nun aber scheint es mit der Schweizer Freizügigkeit rapide bergab zu gehen. Auch Deutsche bekommen die neue Fremdenfeindlichkeit zu spüren. Am Sonntag entscheiden die Schweizer darüber, ob sie die Grenzen für Ausländer wieder ein beträchtliches Stück dichter machen. Es ist allein schon traurig genug, dass es überhaupt solch eine Abstimmung geben muss.

Hinterhof-Fehde

Im Englischen gibt es die wunderschöne Bezeichnung der „Nimbys“. „Not in my back yard“, also nicht in meinem Hinterhof. Der Begriff steht für den wachsenden Widerstand in der Bevölkerung, der immer öfter größere Infrastrukturprojekte komplett verhindert. Die Nimbys gibt es natürlich auch in Deutschland, wie der aktuelle Streit um den Bau neuer Stromtrassen zeigt. Es ist wirklich zum Verzweifeln: Der umweltfreundliche Umbau der Stromerzeugung mit Solar- und Windenergie macht zwar große Fortschritte. Doch irgendwelche Hinterwäldler verhindern, dass der Strom über neue Leitungen auch dorthin transportiert werden kann, wo der Strom gebraucht wird.

Hauptstadt-Spielereien

Was könnte der richtige Spitzname für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit sein? Stehauf-Männchen? Teflon-Mann? Es ist schon auffällig, wie viele Affären der SPD-Politiker ziemlich unbeschadet überstanden hat. An erster Stelle steht natürlich der Berliner Pannen-Flughafen, wo Wowereit sogar wieder Aufsichtsratschef werden durfte. Und jetzt hat Wowereit ziemlich lange an einem Staatssekretär festgehalten, der das Image der Sozialdemokraten wegen seiner Steuerhinterziehung immens beschädigt. Warum hält die SPD eigentlich so lange an diesem Bürgermeister fest? Das wissen nur die Götter.

Freiluft-Schwäche

Warum Sie am vergangenen Wochenende im Park, im Wald oder in den Bergen unterwegs? Mit ziemlich großer Sicherheit ist ihnen „Jack Wolfskin“ begegnet. Nicht als Person, sondern gleich hundertfach als Logo auf den Jacken Ihrer Mit-Spaziergänger und Mit-Wanderer. Das muss man den Wolfskin-Machern wirklich lassen: In den vergangenen Jahren haben sie einen gnadenlos erfolgreichen Aufstieg hingelegt. In Deutschland und etwa auch im benachbarten Österreich geht in freier Natur nichts mehr ohne die deutsche Outdoor-Marke. Deshalb ist es völlig normal, dass es nach solch gewaltigen Zuwächsen jetzt die ersten Rückschläge gibt und der Umsatz erstmals fällt. Mehr Markenvielfalt im Stadtpark muss ja auch nicht unbedingt das Schlechteste sein.

Land ohne Moral

Die Steuermoral ist das große Thema im Lande. Es gibt keinen Zweifel daran. Die Eliten in Deutschland haben sich im Umgang mit dem Fiskus nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Steuervergehen sind keine Kavaliersdelikte. Die Eliten haben auch eine Vorbildfunktion: Sie müssen genauso ihre Steuern überweisen wie der Arbeiter am Band, der der Steuerzahlung kaum ausweichen kann. Es ist schade, wenn es mehr staatliche Eingriffe und Gesetze geben muss, weil sich die Steuersünder anders nicht überzeugen lassen. Aber nach den jüngsten spektakulären Fällen von Steuerhinterziehung gibt es wahrscheinlich keine Alternative dazu.

Etwas nachdenklich gestimmt wünsche ich Ihnen einen schönen Abend

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Spiel mit Grenzen"

Alle Kommentare

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  • Konsensuales, kritisches Denken?

    Während die Schweiz, deren politisches System auf Stabilität auf und kontinuierliche Entwicklung der Konkordanzdemokratie zielt, baseln in Deutschland Politiker und der grne Mainstreamjournalismus an der Gendergeneration, die in Universitätsstädten lecht locker, flockig die Zuwachskosen nd e Wegfallkosten ds Energiewandels und der Schuldnquote ausblendet mit 50Prozent fablhafter Logik- isbesndere in NRW- Deutschland abschaft-
    Im Zitalter des moralischen Imperialismus macht nicht nur grünes Fernsehen nervös sondern die Innere Pressefreiheitunterhöhl wird von grünen Stromtrassen, als ob sie keie Umweltschäden du Gesundheitsschäden hinterließe.
    Die NSA- Affären wirken als technoloische Kriegserklärung, als ob Krieg von Deutschland gekoppelt an Freihanelsabkommen augehen könne.

    ES IST ZEIT für `nen konstruktiven, nachhaltigen Dialog weitblickender, möglichst unabhängiger Plitiker, die die wirtschaftliche u gsellschaftliche "Maßeinheit" Deutschlands zur Bestimmung "arhitektonischer" Relationen in `ne Kommission möglichst bald erörtern.

  • In der Schweiz ist jeder 4. ein Ausländer.
    Und nicht alle davon verfügen über eine überaus kompatible Mentalität, sind aber umso einbürgerungswilliger.
    Die Deutschen fallen ganz sicher nicht in solchen Verdacht. Was Menzels Kommentar also soll, bleibt völlig schleierhaft. Wahrscheinlich hat er Angst, demokratische Entscheide könnten wieder einmal wegweisend für die heute stümperhaften Geschäfte der EU sein.
    Bevor irgend ein EU- Land also jammert, soll es erst einmal eine vergleichbare Ausländerquote vorweisen.
    Oder erklären, wie es in einer solchen Situation handen würde !!!

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