Was vom Tage bleibt
Starke Nerven

Das sind die Nachrichten des Tages: Goldmans Glanz verblasst. Aber der Bank geht es noch immer besser als der Eurozone, Ungarn oder dem Bundespräsidenten.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das Los der Banker

Wer Investmentbanker werden will, braucht Nerven. Nicht nur nach außen, sondern auch nach innen: Die größte Investmentbank der Welt, Goldman Sachs hat heute ihre Zahlen vorgelegt und die sahen nicht gut aus. Der Jahresgewinn ist um 67 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar geschrumpft. Die Banker verdienen deswegen zwar immer noch nicht wenig, aber weniger als im vergangenen Jahr. Ist es vorbei mit dem Investmentbanking? Iwo - es ist nur so: Eine Investmentbank verdient dann, wenn sich der Aufstieg der Wirtschaft ankündigt. Auf ihrem Höhepunkt geht es bei den Bankern schon wieder abwärts. Und in der Krise schreiben sie rote Zahlen, die sich gewaschen haben. Der Trick ist, über diesen Zyklus unterm Strich Geld zu verdienen. Und das gelingt Goldman noch immer - dank starker Nerven.

Pessimistische Weltbank

Dass der Höhepunkt bei der Konjunktur überschritten ist, wissen alle. Auch die Weltbank. 0,3 Prozent Minus sagt sie für die Wirtschaft in der Eurozone voraus. Vor einem halben Jahr hatte sie noch mit einem Plus gerechnet. Schuld ist die Eurokrise, aus der wir uns heraus sparen sollen. Aber Muskeln kann sich eben niemand anhungern, was den Pessimismus der Weltbank erklärt. Deutschland hat noch Muskeln, wenn es rundherum magerer wird, werden allerdings auch diese Kräfte nicht mehr lange vorhalten

In die Pusta mit ihnen

Wenn ein Unternehmen schlecht geführt wird, setzen irgendwann die Eigentümer den Managern den Stuhl vor die Tür. Wenn ein Land schlecht geführt wird, muss das Volk dummerweise bis zu den nächsten Wahlen warten. Ungarns Regierungschef Viktor Orban ist ein solcher schlechter Manager. Er hat niedrigere Steuern versprochen und gleichzeitig bessere Sozialleistungen. Er hat diesen Spagat versucht, indem er beispielsweise die Pensionsrückstellungen verstaatlichte und die Banken schröpfte. Er hat damit das Vertrauen der Investoren verspielt, von denen immer mehr Ungarn den Rücken kehren. Es wäre Zeit Orban in die Pusta zu schicken. Weil ihm sein Volk aber eine absolute Mehrheit verschafft hat, und die Ungarn jetzt noch nicht die Wahl haben, haben nun EU und IWF eingegriffen: Geld, das vor der Staatspleite bewahren soll, gibt es nur gegen eine bessere Politik, sagen sie. Orban hat heute versprochen, sich zu ändern. Was uns das angeht? Eine ganze Menge. Österreichs Verlust der Rating-Bestnote zum Beispiel rührt wesentlich daher, dass die Investitionen unserer Nachbarn in Ungarn gerade den Bach hinuntergehen.

Wulff macht den Waldheim

Apropos Österreich: Erinnert sich noch einer an Kurt Waldheim, den international geächteten Präsidenten des Landes? Ihm waren Verstrickungen in der Nazi-Zeit nachgewiesen worden und niemand wollte ihm mehr die Hand schütteln. Die Österreicher hielten dennoch an ihm fest, und es wurde ihr einsamster Präsident. Christian Wulff ist auch auf diesem Weg. Das Bundespräsidialamt hat heute Wulffs Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos abgesagt. "Terminliche Gründe" sind schuld. Ob ich gar nicht erst hingehe oder in der Ecke stehe - das Ergebnis bleibt das gleiche: Ich bin einsam. Ein Bundespräsident jedoch, der einsam ist, hat keine Wirkung mehr. Er schafft sich selber ab.

Italienisches Wunder

Der Untergang der Costa Concordia ist ein Drama. Die Rolle des Kapitäns auch. Zu seinem verfrühten Abgang von Bord erklärte er heute, er sei zufällig in ein Rettungsboot gefallen. Er steht nun unter Hausarrest. Derweilen riskieren Retter, die im Wrack nach Vermissten suchen, noch immer ihr Leben, weil das havarierte Schiff weiter zu sinken droht. Bei aller berechtigten Kritik, geht, meine ich, eines unter: Von den rund 4500 Menschen an Bord konnten sich etwa 4450 retten. Wenn ich die Bilder der Katastrophe sehe, ist das ein großes Wunder.

 

Haben Sie einen wundervollen Abend,

Oliver Stock 

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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