Was vom Tage bleibt
Steinbrück und seine Abgründe

Der Kanzlerkandidat redet jetzt doch nicht bei der Schweizer Bank Sarasin. Das Attentat auf einen Versicherungsmanager offenbart ein heikles Thema. Die Allianz kann nicht mehr zahlen, was sie versprach. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steinbrücks Abgründe

Auf Peer Steinbrück werden einige, die es gut mit ihm meinen, eingeredet haben. Wieder ein Vortrag auf Einladung einer Bank? Das wird verdammt schwer zu erklären – selbst wenn er das 15.000-Euro-Honorar spendet. Heute zog Steinbrück also die Notbremse: Er sagte seinen Vortrag bei der Schweizer Privatbank Sarasin für Donnerstagabend ab. Der Grund ist natürlich nicht der Ärger wegen der Vortragshonorare - nein, der Grund seien Berichte über staatsanwaltliche Ermittlungen bei der Bank, ließ Steinbrück mitteilen. Hmm. „Wir schauen in einen Abgrund“, würde ich dazu Steinbrück aus vorherigen Zeiten zitieren.

Attentat mit Folgen

Wissen Sie, wie viele Versicherungsunternehmen die Sparkassen unterhalten? Elf. Noch mehr, als sie sich Landesbanken geleistet haben. Seit Jahrzehnten ringen die Sparkassenverbände darum, vielleicht nur noch eine einstellige Zahl am Leben zu erhalten. Vergeblich. Es bewegt sich nichts. Bis heute. Heute ist der Chef des Sparkassen-Versicherungskonzerns Provinzial Nordwest Ulrich Rüther von einem Vermummten angegriffen und mit einem Schraubenzieher in die Brust gestochen worden. Rüther hätte am Vormittag an einer Betriebsversammlung der zweitgrößten Sparkassen-Versicherung teilnehmen sollen, bei der die Belegschaft über mögliche Verkaufsabsichten an die Allianz informiert werden sollte. Das Attentat hat ein Schlaglicht auf ein Thema geworfen, das alle Sparkassenkunden angeht. Es könnte sein, dass sich öffentliche Banken hier eine Überversorgung mit Versicherungsunternehmen auf Kosten ihrer Kunden leisten. Ulrich Rüther befindet sich übrigens bereits auf dem Weg der Besserung. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute.

Corbats erste Tat

Es gab die, die die Banken in die Finanzkrise führten. Und es gab die Generation von Bankern, die sie durch die Finanzkrise gesteuert haben. Jetzt sind die nächsten dran. Die, die die Banken neu aufstellen: Schmaler, offener und hoffentlich auch sicherer. Bei der Citigroup heißt der neue Mann seit zwei Monaten Michael Corbat. Seine erste Tat heute: Er streicht 11.000 Stellen. Schmaler ist die Bank damit. Wir freuen uns schon, wenn Corbat zeigen kann, dass sie so auch sicherer geworden ist.

Das Leben geht nicht mehr auf

Hoffentlich nicht Allianz versichert: Der Marktführer hat eingeräumt, dass auch er die Überschussbeteiligung für Kunden seiner Lebensversicherungsprodukte deutlich senkt. Sich nun über die Allianz zu ärgern, ist zwecklos. Die können nichts dafür. Es ist die Schuldenpolitik der EU-Länder und die Schuldenbehebungspolitik der deutschen Regierung, die ein Zinstief zur Folge hat, das so dauerhaft ist wie das schlechte Wetter in Bielefeld. Die Folge ist, dass unsere Lebensberechnungen nicht mehr aufgehen. Die Krise ist bei uns zu Hause angekommen.

Schon mal die Instrumente gezeigt

Kurzarbeitergeld soll nicht mehr sechs sondern zwölf Monate lang bezahlt werden können, hat die Regierung beschlossen. Sie räumt damit ein, dass sie der Konjunktur nicht traut. Aber sie zeigt auch, dass sie einen Werkzeugkasten besitzt, den sie bei Bedarf öffnen kann. Wir durften heute schon mal die Instrumente sehen.

Einen kurzweiligen Abend wünscht Ihnen,

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Steinbrück und seine Abgründe"

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  • @milo

    Volle Zustimmung. Und um Verantwortung zu übernehmen muss man reden und eine offene Diskussion führen. Dazu dienen auch online Plattformen, deshalb ist die Schließung der Kommentarfunktionen nur schwer verständlich. FAZ, ZEIT oder sogar Welt tun sich da nicht so schwer , warum gerade das ansonsten auch von mir sehr geschätzte HB-online?

  • 1948 geboren habe ich schon sehr frueh gelernt, Seilschaften zahlen sich aus. Von alten strammen Nazis als Lehrer bis hin zur deutschen Rechtsprechung, die eindeutig auf dem rechten Auge mehr als nur blind war und ist. Es sind nicht die letzten Jahre oder die 68'er, die einen Verfall der Moral und Sitten eingeleitet haben, es fing schon sehr viel frueher an. Meine Elterngeneration hat mir ganz deutlich vor Augen gefuehrt, wie man Verantwortung nicht uebernimmt.

  • Hallo und guten Abend Herr Stock,

    zum gesamten NPD-Verbotskomplex keine Kommentarfunktion.
    Heute war mal kurz was offen, ich habe einen Kommentar geschrieben, nichts aufregendes, ich bin weder Anhänger dieser Partei oder irgendwie rechts eher das Gegenteil. Der Kommentar wurde ersatzlos gestrichen. Warum machen sie da?
    In der FAZ wird munter und sehr kontrovers diskutiert, ohne das die Demokratie deshalb erkennbar Schaden nimmt.
    Kennen Sie die liberale Zeitschrift eigentümlich frei, auf die Herr Henkel jüngst hinwies.
    Das HB-online ist auch etwas eigentümlich.

    Schönen Gruß.

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