Was vom Tage bleibt Steinbrück und seine Abgründe

Der Kanzlerkandidat redet jetzt doch nicht bei der Schweizer Bank Sarasin. Das Attentat auf einen Versicherungsmanager offenbart ein heikles Thema. Die Allianz kann nicht mehr zahlen, was sie versprach. Der Tagesbericht.
12 Kommentare
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steinbrücks Abgründe

Auf Peer Steinbrück werden einige, die es gut mit ihm meinen, eingeredet haben. Wieder ein Vortrag auf Einladung einer Bank? Das wird verdammt schwer zu erklären – selbst wenn er das 15.000-Euro-Honorar spendet. Heute zog Steinbrück also die Notbremse: Er sagte seinen Vortrag bei der Schweizer Privatbank Sarasin für Donnerstagabend ab. Der Grund ist natürlich nicht der Ärger wegen der Vortragshonorare - nein, der Grund seien Berichte über staatsanwaltliche Ermittlungen bei der Bank, ließ Steinbrück mitteilen. Hmm. „Wir schauen in einen Abgrund“, würde ich dazu Steinbrück aus vorherigen Zeiten zitieren.

Attentat mit Folgen

Wissen Sie, wie viele Versicherungsunternehmen die Sparkassen unterhalten? Elf. Noch mehr, als sie sich Landesbanken geleistet haben. Seit Jahrzehnten ringen die Sparkassenverbände darum, vielleicht nur noch eine einstellige Zahl am Leben zu erhalten. Vergeblich. Es bewegt sich nichts. Bis heute. Heute ist der Chef des Sparkassen-Versicherungskonzerns Provinzial Nordwest Ulrich Rüther von einem Vermummten angegriffen und mit einem Schraubenzieher in die Brust gestochen worden. Rüther hätte am Vormittag an einer Betriebsversammlung der zweitgrößten Sparkassen-Versicherung teilnehmen sollen, bei der die Belegschaft über mögliche Verkaufsabsichten an die Allianz informiert werden sollte. Das Attentat hat ein Schlaglicht auf ein Thema geworfen, das alle Sparkassenkunden angeht. Es könnte sein, dass sich öffentliche Banken hier eine Überversorgung mit Versicherungsunternehmen auf Kosten ihrer Kunden leisten. Ulrich Rüther befindet sich übrigens bereits auf dem Weg der Besserung. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute.

Corbats erste Tat

Es gab die, die die Banken in die Finanzkrise führten. Und es gab die Generation von Bankern, die sie durch die Finanzkrise gesteuert haben. Jetzt sind die nächsten dran. Die, die die Banken neu aufstellen: Schmaler, offener und hoffentlich auch sicherer. Bei der Citigroup heißt der neue Mann seit zwei Monaten Michael Corbat. Seine erste Tat heute: Er streicht 11.000 Stellen. Schmaler ist die Bank damit. Wir freuen uns schon, wenn Corbat zeigen kann, dass sie so auch sicherer geworden ist.

Das Leben geht nicht mehr auf

Hoffentlich nicht Allianz versichert: Der Marktführer hat eingeräumt, dass auch er die Überschussbeteiligung für Kunden seiner Lebensversicherungsprodukte deutlich senkt. Sich nun über die Allianz zu ärgern, ist zwecklos. Die können nichts dafür. Es ist die Schuldenpolitik der EU-Länder und die Schuldenbehebungspolitik der deutschen Regierung, die ein Zinstief zur Folge hat, das so dauerhaft ist wie das schlechte Wetter in Bielefeld. Die Folge ist, dass unsere Lebensberechnungen nicht mehr aufgehen. Die Krise ist bei uns zu Hause angekommen.

Schon mal die Instrumente gezeigt

Kurzarbeitergeld soll nicht mehr sechs sondern zwölf Monate lang bezahlt werden können, hat die Regierung beschlossen. Sie räumt damit ein, dass sie der Konjunktur nicht traut. Aber sie zeigt auch, dass sie einen Werkzeugkasten besitzt, den sie bei Bedarf öffnen kann. Wir durften heute schon mal die Instrumente sehen.

Einen kurzweiligen Abend wünscht Ihnen,

Oliver Stock

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12 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Steinbrück und seine Abgründe"

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  • @milo

    Volle Zustimmung. Und um Verantwortung zu übernehmen muss man reden und eine offene Diskussion führen. Dazu dienen auch online Plattformen, deshalb ist die Schließung der Kommentarfunktionen nur schwer verständlich. FAZ, ZEIT oder sogar Welt tun sich da nicht so schwer , warum gerade das ansonsten auch von mir sehr geschätzte HB-online?

  • 1948 geboren habe ich schon sehr frueh gelernt, Seilschaften zahlen sich aus. Von alten strammen Nazis als Lehrer bis hin zur deutschen Rechtsprechung, die eindeutig auf dem rechten Auge mehr als nur blind war und ist. Es sind nicht die letzten Jahre oder die 68'er, die einen Verfall der Moral und Sitten eingeleitet haben, es fing schon sehr viel frueher an. Meine Elterngeneration hat mir ganz deutlich vor Augen gefuehrt, wie man Verantwortung nicht uebernimmt.

  • Hallo und guten Abend Herr Stock,

    zum gesamten NPD-Verbotskomplex keine Kommentarfunktion.
    Heute war mal kurz was offen, ich habe einen Kommentar geschrieben, nichts aufregendes, ich bin weder Anhänger dieser Partei oder irgendwie rechts eher das Gegenteil. Der Kommentar wurde ersatzlos gestrichen. Warum machen sie da?
    In der FAZ wird munter und sehr kontrovers diskutiert, ohne das die Demokratie deshalb erkennbar Schaden nimmt.
    Kennen Sie die liberale Zeitschrift eigentümlich frei, auf die Herr Henkel jüngst hinwies.
    Das HB-online ist auch etwas eigentümlich.

    Schönen Gruß.

  • @Henry

    Ich möchte Ihr Thema noch erweitern,
    es gibt z.B. immer mehr sogenannte Amokläufe.
    warum hatten wir das früher nicht, was hat sich geändert?
    Nicht nur Mitglieder der sogenannten unteren Schichten machen das, auch gerade Gutbürgerliche.

    Vor ich glaube 2 Jahren stand in Schweizer Zeitungen ein Fall bei dem Zivilpolizisten im Zivilauto absichtlich Kinder angefahren hatten weil sie davongelaufen waren. Angestellt hatten die Kinder wohl nichts, selbst wenn wäre es unverhältnismässig sie mit dem Auto derart zu stoppen.

    Auf deutschen Bahnhöfen sehe ich immer öfter Bundespolizei und Zivilstreifen die Jugendliche, welche friedlich herumstehen öffentlich durchsuchen nur weil deren Kleidung nicht dem Stil der Bullen entspricht. Ansonsten haben die nichts angestellt.

    In den Vollzeitbetreuungsanstalten von der Kita aufwärts, (weil Eltern zwar Kinder in die Welt setzen aber keine Lust mehr haben sich mit ihnen zu befassen)
    Glaubt man den Fans dieser Vollbetreuungsanstalten will man den Kindern Gewaltfreiheit beibringen.
    Die Kinder kommen dann aus den Schulen und merken, dass wir in einer Welt leben in der das Recht des Stärkeren gilt. Politganoven, und andere nehmen sich ihr angebliches Recht indem sie die Justiz benutzen, das kann die Masse der Gesellschaft nicht. Die machen es halt dann mit den Fäusten.

    Wir leben in einer verkommenen abgehalfterten Gesellschaft.
    Die Frage ist wie lange das noch so weitergehen wird oder kann.

  • "... Weil CDU Enthaltungen beim Ergebnis nicht mitzählt
    Medien fallen auf geschönte Merkel-Wahl rein

    So leicht lassen sich manche Journalisten täuschen: Die CDU braucht bloß zu verkünden, Angela Merkel sei mit 97,94 Prozent der Delegiertenstimmen als Parteichefin wiedergewählt worden - und schon übernehmen viele Medien diese Angabe. Dabei ist die Zahl geschönt: Sie lässt die Enthaltungen unter den Tisch fallen. Die Deutsche Presseagentur hat in ihrer Parteitags-Berichterstattung ausdrücklich auf dieses Problem hingewiesen. Dennoch verwendeten viele Medien undifferenziert die Parteiangaben. ..."

    http://meedia.de/print/medien-fallen-auf-geschoente-merkel-wahl-rein/2012/12/05.html

    Betrug wie in der DDR: Die "Nichtwähler" werden uns auch immer von FORSA, EMNID, usw. vorenthalten ... Die Wahlbeteiligung wird immer verheimlicht !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Schicken Sie die Rechnung an die Absahner Steinbrück und den Staatspensionär Ch. Wulff.

  • Herbert Wehner würde diesem Typen (Vortrags-Millionäer, Bilderberger und Bewunderer der Arbeiter) das Parteibuch um die Ohren schlagen. Schlimm runtergekommen die spd ...

  • Armer PS: Keine fette Schweizer Weihnachtsgans.

  • Lieber Herr Oliver Stock,

    was ist nur mit der Moral der Menschen los.
    An allen Ecken und Kanten knistert es. Nahezu alle Politiker sind für das Volk keine Vorbilder mehr. Das ist genau die saumäßige Moral die ich anklage. Mehr und mehr kupfern unsere Bürger dieses Treiben ab.

    Das kommt davon, immer mehr Menschen begehen Unfallflucht nach einem Verkehrsunfall. Neben dem großen Ärger müssen die Betroffenen die Reparaturkosten selber tragen. So passiert es auch mir, am 01.12.2012 um 14:19 Uhr in Ronnenberg OT Empelde (Hannover).

    Ich stellte mein Fahrzeug ordnungsgemäß am Straßenrand „In der Beschen“ ab um u.a. einen Adventskranz im HAGEBAUMARKT einzukaufen. Als ich nach ca. 2 Stunden zurückkam war mein Fahrzeug mit einem Totalschaden gesegnet. Der Stoßfänger, eine Rückleuchte, einiges an Blech und zwei Radlager sind im Eimer. Der Schaden beläuft sich auf über 2.000,- Euro. Ein weißer Kleintransporter VW?, laut Zeugin, hat den Toyota Corolla Compact um 13 cm versetzt und an den nahe liegenden Bordstein geschleudert. Dabei entstand wohl auch der Radlagerschaden an der rechten Seite. In dem Fall wurden vorsichtshalber beide Radlager gewechselt. Zur Sicherheit folgten ein Achsvermessung und eine geringe Nachjustierung der Spur. Der Blech- und Lackschaden ist bei einem 17 Jahre alten Fahrzeug nicht mehr rentabel. Ärgerlich ist, dass der das Fahrzeug in einem topp gepflegten Zustand war.

    Wer den Schaden hat brauch für den Spott nicht zu sorgen.
    Die Verantwortung sehe ich bei unseren Politikern. Da wo Korruption an der Tagesordnung legalisiert wird, muss sich niemand wundern dass diese saumäßige Moral auf das Volk überspringt.

    Unsere Politiker sind unglaubwürdig und so wird Fahrerflucht nach einem Unfall zum Hobbysport in Deutschland.

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