Was vom Tage bleibt
Steuerfahnder küsst man nicht

Die Credit Suisse empfiehlt Kunden eine Selbstanzeige, gegen einen Ex-Ministerpräsidenten wird wegen Untreue ermittelt und eine Zwangsanleihe für Reiche sorgt für Aufregung. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend,

wir sind ein wenig stolz heute. Gleich zwei Exklusiv-Meldungen aus den Redaktionen von Handelsblatt und Handelsblatt Online haben heute die Schlagzeilen auch anderer Nachrichtenseiten beherrscht. Zum einen der Vorschlag des Berliner Forschungsinstituts DIW, den Schuldenstand in Deutschland oder anderen Ländern über eine Zwangsanleihe für Vermögende zu reduzieren. Zum anderen die Ermittlungen der Steuerfahndung gegen Kunden der Schweizer Großbank Credit Suisse wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung.

Schäuble hegt Sympathie für Zwangsabgabe

Für das Finanzministerium bezog ein Sprecher Stellung zu der DIW-Idee, Vermögende zur Bekämpfung der Schuldenkrise extra zur Kasse zu bitten. Für kriselnde Euro-Länder sei der Vorschlag durchaus „interessant“, nicht jedoch für Deutschland. Die Begeisterung für neue Spar- und Eintreibe-Vorschläge aus Merkels Landen dürfte in Griechenland und anderswo allerdings begrenzt sein.

Kontrollmaterial liegt vor, Zwangsgeld möglich

Ein Schreiben der Steuerfahndung, wie es Kunden der Credit Suisse erhalten haben, ist kein Liebesbrief. Ein Muster zu den vorliegenden Fällen liegt unserer Redaktion vor. Die Betroffenen erhalten die Aufforderung, Details vor allem zu Auslandsvermögen offen zu legen und im selben Atemzug eine Drohung: Das Finanzamt könne „im Falle der Verweigerung eine Mitwirkung durch Zwangsmaßnahmen wie etwa Zwangsgeld herbeiführen.“ Die Mitarbeiter der Credit Suisse haben ihren Kunden teilweise zur Selbstanzeige geraten - die Vermögensberater selbst sind fein raus. Die Bank hatte gegen die Zahlung von 150 Millionen Euro erreicht, dass Ermittlungen wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen eigene Angestellte eingestellt wurden. Aus gutem Grund, wie sich zeigt.

Ex-Ministerpräsident im Visier der Staatsanwaltschaft

Auch die Investmentbank Morgan Stanley hat weiter Ärger an der Backe. Heute wurden Wohnungen und Büros durchsucht, unter anderem des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus. Er hatte mit seinem Freund und Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis (der sein Amt derzeit ruhen lässt), den Kauf eines Großteils des Energieversorgers EnBW durch das Land eingefädelt. Jetzt ermittelt gegen beide die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue. Für eines der größten Skandal-Geschäfte eines Politikers wirkt das noch milde.

Ein sonniges Börsenwunder

Als Solar-Dax wurde der Technologieindex TecDax oft gescholten, zu viele deutsche Vorzeigeunternehmen tummelten sich dort. Auch jenseits des Segments strahlten Solar-Aktien. Acht namhafte Werte hat sich unsere Redaktion näher angeschaut und festgestellt: die Branche ist derzeit an der Börse nur noch 1,12 Milliarden Euro wert, einst waren es bis zu 25 Milliarden Euro. Einen sagenhaften Absturz legte etwa Centrotherm hin. Von einst 67 Euro je Anteilsschein rasselte das Papier auf etwas über einen Euro herunter. Heute ging es dann allein nochmal um 80 Prozent bergab. Der Grund: Der auf die Solarbranche spezialisierte Maschinenbauer will sich in einem Insolvenzverfahren unter Eigenregie vor dem Untergang retten. Eine Blase ist geplatzt.

Einen Abend mit hoffentlich ein paar Sonnenstrahlen wünscht,

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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