Was vom Tage bleibt
Stinktieraffäre und Lindnereffekt

Wenn zwei sich streiten, freut sich still der Dritte: Die FDP sieht wieder einem Hoffnungsschimmer. Bertelsmann scheint dazu zu lernen und die Ölindustrie wiederholt alte Fehler. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Stinktieraffäre erschüttert NRW

Was in den USA schon zum schlechten Ton gehört, macht jetzt offenbar auch im NRW-Wahlkampf Schule: Die Schlammschlacht inklusive der Diffamierung des politischen Gegners. Ein ehemaliger Sprecher von CDU-Chefin Angela Merkel hat auf Facebook eine Seite unter dem Titel "Weniger Kraft" freigeschaltet, auf der er SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit geöffnetem Schädel gezeigt, aus dem Seifenblasen steigen. Auf einem anderen Plakatmotiv wird die rot-grüne Minderheitsregierung als Stinktier gezeigt. Die NRW-CDU, die zunächst hinter der Kampagne vermutet wurde, hat sich bereits davon distanziert. Nutzen wird ihr das nichts. Diese niveaulose Kampagne schadet der CDU, nicht der SPD.

Der Lindner-Effekt

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Zum ersten Mal seit fünf Monaten gewinnt die FDP wieder leicht an Zustimmung. Laut dem heute veröffentlichten Forsa-Wahltrend des Magazins „Stern“ und des Fernsehsenders RTL kletterten die Liberalen im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf vier Prozent. Verantwortlich für den Hoffnungsschimmer machen Experten ausgerechnet Christian Lindner, den ärgsten innerparteilichen Rivalen von FDP-Chef Rösler und Spitzenkandidaten bei der NRW-Wahl. Schon wird der "Lindner-Effekt" zum geflügelten Wort. Für Rösler scheinen die Tage gezählt.

Avanti Dilettanti

Haben sie denn nichts gelernt? Es hört sich wieder genau so hilflos an wie bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, was der Konzern Total heute zum Unglück der Gasplattform in der Nordsee zu sagen hatte. Auch wenn das Ausmaß der Katastrophe diesmal deutlich geringer scheint, macht es doch Angst, wenn am Tag drei noch nicht mal die Ursache des Lecks bekannt ist, geschweige denn eine aussichtsreiche Methode um es zu stopfen. Angesichts der regelmäßigen Milliardengewinne der Mineralölkonzerne ist ein solcher Dilettantismus bei der Sicherheit schlicht ein Skandal.

Bertelsmann lernt dazu

Es ist schon eine Ironie der Geschichte: Einst musste Thomas Middelhoff als Bertelsmann-Chef abdanken, weil er das Unternehmen unbedingt an die Börse bringen wollte. Jetzt kommt das damals undenkbare für Europas größten Medienkonzern wieder infrage. Europas größter Medienkonzern will sich durch einen Wechsel der Rechtsform neue Finanzierungsmöglichkeiten bis hin zum Börsengang eröffnen. Die Zukunft kann kommen.

Was fehlt? Während Thomas Gottschalk bei den Einschaltquoten für seine Vorabend-Show so langsam die Kurve bekommt, hat es jetzt überraschend ein anderes Urgestein der deutschen Fernsehunterhaltung erwischt. Sat1 hat überraschend den Vertrag mit Harald Schmidt wegen andauernder Erfolglosigkeit gekündigt. Ist schon traurig, wenn solch erfolgreiche Entertainer nicht den richtigen Zeitpunkt für einen ehrenvollen Abschied in den Ruhestand finden.

Ich wünsche Ihnen einen Feierabend ohne Schlammschlachten und Katastrophen,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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