Was vom Tage bleibt
Süßer die Quellen nie sprudelten

Steueroasen sind immer noch Feuchtgebiete. Deutschlands größter Erbfall wird abgewickelt. Und: Eine Tagesthemen-Kommentatorin erregt das Netz. Hier lesen Sie, was dieser Tag so brachte.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Sprudelnde Quellen

Die Grünen im Europaparlament haben untersucht, wie hoch die Gewinne von Banken in Steueroasen eigentlich ausfallen müssten. Damit gemeint ist eine Gewinnzuweisung, die sich an Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Vermögenswerten orientiert. Das Ergebnis: In Belgien, Luxemburg, Irland oder Singapur wird mehr verdient, als es die Umstände hergeben. Der Verdacht, dass dort Geld günstig versteuert wird, das anderswo erwirtschaftet wurde, liegt auf der Hand. Er wird von den Banken übrigens empört zurückgewiesen.

Duell mit Föhnwelle

Der Mann mit der Föhnwelle – das ist Donald Trump. Der Immobilientycoon möchte Präsident der USA werden und stellt sich dazu heute Nacht einigen seiner republikanischen Mitbewerber im TV-Duell. Lerne immer von den Fehlern anderer. Nicht von den eigenen. Das ist der billigere Weg“, lautet einer jener Sinnsprüche, die Trump gerne von sich gibt. Der Mann ist offenbar nicht fehlerfrei, aber kostenbewusst. Für den Job in der Politik ist das immerhin die halbe Miete.


Familienpolitik

Die Quandts sind mit geschätzten 30 Milliarden Euro die reichste Familie Deutschlands. BMW, der Chemiekonzern Altana, der Windanlagenbauer Nordex, die BHF-Bank: all das gehört zum Reich der Quandts, deren Matriarchin Johanna Quandt nun gestorben ist. Ihr Tod löst den größten anzunehmenden Erbfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte aus. Die Familie kann zeigen, wie gut sie als Familie funktioniert.

Ägypten ganz fix

In Galauniform steht der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi auf einer historischen Jacht und fährt an der Spitze einer Flottenparade auf dem seit heute zweispurig ausgebauten Suez-Kanal. Frankreichs Staatspräsident François Hollande und der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel umrahmen ihn und loben Ägypten. Ein gutes Jahr hat dieses Megaprojekt nur gedauert. Möglicherweise sollten ein paar der Ingenieure aus Ägypten mal am Flughafen Berlin vorbeischauen.

Nachdenker gesucht

Anja Reschke hat in ihrem „Tagesthemen“-Kommentar klare Worte gegen rassistische Pöbeleien im Netz gefunden. „Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kund tun“, sagt sie und hat natürlich recht. Das Problem ist nur: Im Netz sind immer alle gleich auf 180. Kann nicht einer mal mit Richtgeschwindigkeit fahren? Brauchen wir ständig diese Vordenker, die das Nachdenken vergessen?


70 Jahre kein Weltkrieg

70 Jahre Hiroshima – das sind 70 Jahre, in denen kein Weltkrieg ausgebrochen ist. Wir können das nicht feiern, aber wir können darüber nachdenken, ob die Atombombe den Weltfrieden bewahrt. Was klar ist: Hiroshima und Nagasaki stehen für unermessliches Leid. Aber die Bombe lebt weiter: Knapp 16.000 atomare Sprengköpfe sind derzeit einsatzbereit. Wir werden weiter mit diesen Waffen leben müssen. Wobei die Betonung auf „leben“ liegt. Und wir glauben daran, dass uns die 70 Jahre seit Hiroshima vor allem eines gelehrt haben: Die Fähigkeit des Menschen, die Menschheit auszurotten, ist die wichtigste Hürde, genau das nicht zu tun.


Mit nachdenklichem Gruß verabschiedet sich für heute

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Süßer die Quellen nie sprudelten"

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  • Lieber Herr Stock,

    in Ihrer Anmerkung zu >70 Jahre kein Weltkrieg< erliegen Sie einem klassischen Trugschluss.

    Tatsächlich verhält es sich so: Seit es Atomwaffen gibt, ist ein atomarer Konflikt möglich, und ein atomarer Konflikt wird so lange möglich bleiben, wie es Atomwaffen gibt.

    Die Annahme, es habe einen Atomkrieg nicht gegeben, WEIL es Atomwaffen gab, ist schräge Theologie: Credo quia absurdum.

    Nichts für ungut, bin auch für Tempo 50.

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