Was vom Tage bleibt
Syrien berührt uns alle

Schlechte Nachrichten aus dem Nahen Osten und ein Rückschlag für den Kreml. Den Weißrussen wird der Ölhahn abgedreht, bei den Eidgenossen geht es voran – und Lebensversicherungen sind ein Renditeloch. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wunschdenken und Realität

Alle zusammen würden wir uns wahrscheinlich wünschen, dass wir das Wort Syrien nicht mehr tagein tagaus lesen müssten. Aber was soll das Wunschdenken, allein die Realität zählt. Nach den Entwicklungen der vergangenen Tage ist es ziemlich klar, dass die USA das syrische Regime als Reaktion auf die feigen Giftgas-Angriffe in der vergangenen Woche attackieren werden. Natürlich kann man am Ende immer nach Entschuldigungsgründen für das Assad-Regime suchen und die Gas-Attacken in Frage stellen. Aber vielleicht stimmt die jüngste Entwicklung auch die letzten Zweifler um: Sogar die Vereinigung der islamischen Staaten sieht die Verantwortung für den Einsatz von Giftgas bei der syrischen Regierung. Eine Strafaktion für Präsident Assad und seine Soldateska ist also gerechtfertigt. Machen Sie sich also darauf gefasst: In den nächsten Tagen, wenn Sie am Morgen das Radio einschalten, werden Sie von Marschflugkörpern hören, die in der Nähe von Damaskus einschlagen.

Kein Geld für Moskau

Über die Folgen einer US-Attacke auf Syrien lässt sich derzeit nur spekulieren. Auf jeden Fall dürfte das Verhältnis zwischen den USA und Russland Schaden nehmen, das steht außer Zweifel. Am Mittwoch hat es schon einen ersten Vorgeschmack darauf gegeben, was vielleicht passieren könnte. An sich ist Russland ein solventer Schuldner, der wegen seines Rohstoff-Reichtums in den vergangenen Jahren immer problemlos genügend Käufer für seine Staatsanleihen gefunden hat. In Zeiten der angespannten Weltlage ist jetzt aber eine Auktion mit russischen Anleihen abgesagt worden. Der Grund: Käuferstreik. Früher haben gern auch westliche Banken bei russischen Staatsanleihen zugegriffen. Nun scheint das Vertrauen in Russland verlorengegangen zu sein, der Konflikt mit den USA in der Syrien-Politik lässt grüßen.

Kein Öl für Weißrussland

Wie verrückt und wenig verlässlich Russland zum Teil agiert, zeigt ein anderes Beispiel des heutigen Tages. Eigentlich sind Russland und Weißrussland ziemlich enge Verbündete. Der weißrussische Diktator Lukaschenko hat sich nur deshalb an der Macht halten könnten, weil es immer ausreichend Unterstützung aus Moskau gab. Weißrussland ist allerdings nur der kleine Juniorpartner, Aufbegehren wird von russischer Seite hart bestraft. Genau das hat aber die weißrussische Seite im Kali-Streit gemacht und ihre eigenen Ziele bei der Vermarktung dieses wichtigen Düngemittels verfolgt. So etwas passt den Machthabern in Moskau natürlich überhaupt nicht – und dann wird den Weißrussen eben mal ganz schnell der Ölhahn zugedreht.

Vernünftige Eidgenossen

Zum Glück gibt es noch Länder, in denen die Vernunft regiert, wie etwa in der Schweiz. Die Regierung gibt den Banken des Landes jetzt freie Hand, wenn sie Kundendaten an die Finanzbehörden in den USA weiterleiten. Mitarbeiter der Schweizer Großbanken werden dafür nun also nicht mehr automatisch bestraft. Dass die Schweizer in diesem Streit mit den USA endlich einlenken, hat seinen guten Grund. Die Eidgenossen haben verstanden, dass ihre Banken nur noch seriöse Geschäfte machen können. Die Zeiten der Schweizer Kreditinstitute als Geldwaschanlage sind endgültig vorüber.

Rendite im Keller

Lebensversicherungen sind schon länger unter Feuer. Dieses neue Testergebnis hätte aber wohl niemand erwartet: Nach den Berechnungen eines Fachmagazins haben verschiedene Kapitallebens- und Rentenversicherungen eine extrem magere Rendite abgeworfen. Bundesanleihen sind schon nicht besonders rentabel, die untersuchten Lebensversicherungen haben allerdings bis zu zwei Prozentpunkte weniger erwirtschaftet. Für junge Leute, die heute nach einer sinnvollen Anlagemöglichkeit suchen, kann das eigentlich nur heiße: Bloß Finger weg von der Lebensversicherung!

Vermeiden Sie heute Abend einen Blick auf Ihre Versicherungspolicen, genießen Sie den Sommer. Herzlichst

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Syrien berührt uns alle"

Alle Kommentare

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  • O-Ton Menzel
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    Nach den Entwicklungen der vergangenen Tage ist es ziemlich klar, dass die USA das syrische Regime als Reaktion auf die feigen Giftgas-Angriffe in der vergangenen Woche attackieren werden.
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    Das einzig feige hier ist Ihre Leckerei amerikanischen Speichels.

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    O-Ton Menzel
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    Natürlich kann man am Ende immer nach Entschuldigungsgründen für das Assad-Regime suchen und die Gas-Attacken in Frage stellen.
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    Es geht nicht um "Entschuldigungsgründe", sondern darum daß die es bis jetzt keine stichhaltigen Beweise für die Urheberschaft gibt.

    +++

    O-Ton Menzel
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    Aber vielleicht stimmt die jüngste Entwicklung auch die letzten Zweifler um: Sogar die Vereinigung der islamischen Staaten sieht die Verantwortung für den Einsatz von Giftgas bei der syrischen Regierung.
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    Die "letzen Zweifler" - daß ich nicht lache!

    Da gibt es Milliarden.

    Und der von Ihnen angeführte Grund für die "Umstimmung" der letzen Zweifler ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten:

    Die Vereinigung der islamischen Staaten wird von den Parteigängern Saudiarabiens majorisiert und weiß ebenso viel oder wenig wie Sie über die Urheberschaft des Giftgaseinsatzes.

    ...

    Und wen die vollkommene Unsinnigkeit eines solchen Einsatzes durch die syrische Regierung nicht an den Schuldzuweisungen der amerikanischen Gewohnheitslügner zweifen läßt, der hat seine kritischen Fakultäten wohl an der Garderobe abgegeben, wenn er solche je besessen hat.

  • Und so lief es bisher:
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    Der Vorwurf wiegt schwer: Die UN-Ermittlerin Carla del Ponte hat den Gegnern des Regimes von Präsident Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg vorgeworfen, Giftgas verwendet zu haben. "Nach Zeugenaussagen, die wir gesammelt haben, haben die Rebellen chemische Waffen eingesetzt", sagte die frühere Chefanklägerin des UN-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien dem schweizerisch-italienischen Fernsehsender RSI. Dabei soll es sich um das Nervengas Sarin handeln. Die Untersuchung müsse zwar noch vertieft werden, aber nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen gehe der Giftgas-Einsatz auf "Gegner des Regimes" zurück, sagte del Ponte.
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    O-Ton USA
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    "Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass jedwede Nutzung von Chemiewaffen in Syrien vom Assad-Regime ausging", sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama.
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    Beide Zitate: http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-05/Syrien-Giftgas

    ...

    Klar - die USA wissen Bescheid.

    Wie man fälscht und lügt.

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    Dieser Kommentar ist eine Wiederveröffentlichung. Die Erstveröffentlichung wurde vom CIA-Residenten in der Handelsblattredaktion gelöscht.

  • Syriendebatte - Krieg ist und bleibt keine Lösung. Unsere eigene Geschichte zeigt, dass man Wandel auch ohne Waffen herbeiführen kann. Auch auf diesem Weg gibt es Opfer. Vielleicht aber weniger. Diese deutsche Erfahrung muss unser aussenpolitisches Exportgut sein - darin sind wir von Brand bis Kohl parteiübergreifend glaubwürdig. Im nahen und mittleren Osten werden wir für diese dem Islam vertraute Konfliktlösung mit humanistischem Kern bewunder. Tote Kinder sind kein Argument die Zukunft lebender Kinder aufs Spiel zu setzen. Die Kunst besteht wohl darin die eigene Angst und das eigene Ego zu überwinden um mit allen zu sprechen. Das ist anstrengend und unpopulär. Aber jedes im Sandkasten spielende Kind lößt so die Frage nach den Sandförmchen. Also wenn schon Kinder instrumentalisieren dann bitte konstruktiv. Ein Vater!

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