Was vom Tage bleibt
Tausche Ministeramt gegen Kompromissangebot

Die möglichen Koalitionäre gehen ans Eingemachte. Anleger lieben die Allianz. Heuschrecken verrichten ihren Killer-Job bei ATU. Die Union freut sich über eine neue Spende - oder nicht? Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Amt gegen Inhalt?

Mindestlohn? Betreuungsgeld? Höhere Steuern für Reiche? Es wird interessant: Union und SPD haben sich vorgenommen, um eine haltbare Koalition zu feilschen und das bei Themen, bei denen sie bisher meilenweit auseinander lagen. Wie passt das zusammen? Vielleicht so: Betreuungsgeld bleibt, dafür gibt es den Posten der Familienministerin für die SPD. Mindestlohn kommt, dafür darf die Union den Arbeitsminister stellen.

Hoffnungswert

Hoffentlich Allianz-Gläubiger. Der Versicherer stößt mit einer milliardenschweren „ewigen Anleihe“ auf reißende Nachfrage der großen Investoren. Die ersten zehn Jahre gibt es voraussichtlich mehr als fünf Prozent Zinsen auf das Papier - das ist doch was. Die gleiche Rendite, allerdings monatlich, hat eine 50-jährige Investmentbankerin auch eher kleinen Anlegern versprochen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Hof Anklage erhoben hat. Im Gegensatz zur Allianz setzte die Bankerin zum Erwirtschaften der Traumrendite auf ein Schneeballsystem. Bei so einer Methode zahlen viele Gutgläubige Geld ein, wovon sich die wenigen Gründer des Systems einiges abzweigen. Wenn dann auf einmal alle ihr Geld zurückwollen, ist längst nicht mehr genug da. Zumindest der letzte Punkt weist verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Versicherungswesen auf.

Der Knopf ist zurück

Alles wegen eines Knopfs: Als Microsoft Windows 8 herausbrachte, schäumten die Benutzer vor Ärger. Das neue Betriebssystem sah nicht nur komplett anders aus; es hatte auch keinen Start-Button – jene kleine Steuerungszentrale, mit der Millionen von Menschen seit Jahren Programme aufrufen oder den Drucker einrichten. Kleider machen Leute, Knöpfe machen Software. Der heute vorgestellte Nachfolger von Windows 8 hat wieder einen Startknopf. So kehrt eine alte Gewohnheit zurück: Mit dem Drücken auf „Start“ seinen Computer auszuschalten - für mich war das immer der Beweis, dass Programmierung und Wahnsinn eng beieinander liegen.

Heuschreckenplage

Heuschrecken sind eine Delikatesse, vor allem geröstet. Heuschrecken sind aber auch eine Plage, vor allem in Massen. Der Finanzinvestor KKR, eine sogenannte Hauschrecke also, hat kürzlich den Gabelstaplerbauer Kion an die Börse gebracht, dass es eine Freude war. Die Werkstatt-Kette ATU dagegen ächzt unter der nimmersatten Heuschrecke KKR. Unrealistische Wachstumspläne, eine wachsende Verschuldung und der Umstand, dass sich auch der Autoersatzteilhandel ins Internet verlagert, machen die Zukunft von 12.000 Schraubern in 600 ATU-Werkstätten unsicher. Für sie hat sich KKR zur Plage entwickelt.

Politik, die sich noch lohnt

Nach der CDU ist auch bei der CSU eine hohe Spende angekommen: 565.000 Euro von der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Zu ihren Mitgliedern gehören ein paar Autobauer. BMW wahrscheinlich auch. Die BMW-Großaktionäre um die Familie Quandt hatten der CDU 690.000 Euro spendiert. Die Union war schon immer eine sehr autoherstellerfreundliche Partei, jetzt wissen wir, dass sich das für sie auch lohnt.

Einen lohnenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Tausche Ministeramt gegen Kompromissangebot"

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  • Es ist wie ein türkischer Basar geworden: Handel und Wandel.
    Das wollten wir doch alle.
    Nun haben wir was wir wollten: The Basar had been opened n we re living in it.

    Have a nice turkey n keep in mind: Süßes oder Saures.

  • "Tausche Ministeramt gegen Kompromissangebot"
    oder
    Tausche Ministeramt gegen Unschuld?

    Und Bürger tauschte vorher Wahlstimme gegen vier Jahre Unmündigkeit!

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