Was vom Tage bleibt
Thilos Tabus

Ex-Bundesbankvorstand Sarrazin stürmt nach bewährter Methode auf die Bestsellerplätze. Und Zuckerberg handelt mit Tomaten, glaubt die Börse. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mit Grass auf die Insel

Mein Kollege hat es vorhin so gesagt: „Was Thilo Sarrazin mit dem Kopf aufbaut, reißt er mit dem“, hier zitiere ich nicht wörtlich, „Hinterteil wieder ein.“ Ich gehöre nicht zu denen, die sein Buch zum Leben ohne den Euro bereits in die Hand genommen haben. Die, die das Vergnügen hatten, versichern, es stecke voller nachvollziehbarer Fakten, sei aber ungenießbar scharf gewürzt mit unappetitlichen Vergleichen wie dem, dass die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für den Euro etwas mit der „Buße für Holocaust und Weltkrieg“ zu tun habe. Für mich ist der Mann ein kalkulierter Tabubrecher. Vielleicht lädt Günter Grass ihn mal für eine Woche auf eine einsame Insel ein und die beiden knobeln eine neue Strategie aus, wie sie ihre Werke unters Volk bringen können.

Buffett schlägt Zuckerberg

Facebook lernt eine neue Richtung kennen. Sie heißt: nach unten. Um mehr als zehn Prozent brach der Kurs der jungen Aktie heute ein. Hat Zuckerberg mit Tomaten gehandelt? Nein. Die Chancen und Risiken von Facebook liegen auf dem Tisch. Es ist nur eben so, dass mal wieder gilt, was Warren Buffett sagte. Auf seiner jüngsten Pilgerveranstaltung in Omaha hat er es als "dümmlich" bezeichnet, Aktien am Tag der Erstnotierung zu kaufen. Dass sie dann aus Käufersicht den richtigen Preis hätten, sei extrem unwahrscheinlich. Der Mann hat recht. Wie immer.

Bauch gegen Kopf

Die Weisheit gilt übrigens noch mehr bei einem Börsengang, der sich abzeichnet, wenn die Nachrichtenagentur Bloomberg Recht hat. Sie glaubt, und hat dafür ihre Quellen, dass die Formel Eins in Startposition an der Börse in Singapur steht. Bis zu drei Milliarden Dollar sollen dabei herausspringen. An alle die Benzin im Blut haben: Halten sie sich beim Aktien ordern zurück! Sport und Geschäft geht selten gut. Das liegt daran, dass beim einen der Kopf und beim anderen der Bauch entscheidet.


Die Herren Aufsichtsräte

Runter kommen wir immer, wissen Flugkapitäne. Die Bruchpiloten vom Berliner Hauptstadtflughafen wollen das nicht glauben. Nachdem Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit vergangene Woche einräumte, dass sich die Eröffnung nicht um ein paar Wochen sondern gleich um knapp ein Jahr verzögert, räumte heute Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ein, dass das neue Terminal mit 1,22 Milliarden auch doppelt so teuer wird wie gedacht. Die beiden Herren sitzen übrigens im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Irgendwann müssen sie runterkommen diese Aufsichtsräte und uns erklären, wo sie waren, als sie Aufsicht führen sollten.

Wenn die Mutter Probleme macht

Wer gedacht hat, heute entscheidet sich die Zukunft des Opel-Werks in Bochum war blauäugig. Sie bleibt weiter ungewiss. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke konnte auf einer Betriebsversammlung nur versichern, dass er bis Ende 2014 geltenden Verträge zur Standortsicherung für Opel-Werke in Deutschland einhalten wird. Das Problem der Opelaner ist die Konzernmutter in Detroit. Sie will schwarze Zahlen sehen, erlaubt dem Konzern aber nicht, dahin zu expandieren, wo die Konkurrenz Erfolge feiert. Solange Opel künstlich klein gehalten wird, nimmt das Sterben auf Raten kein Ende. Saab läßt grüßen.

Das Leben ist Hertha

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat entschieden, dass das Relegationsspiel zwischen Berlins Hertha und Düsseldorfs Fortuna trotz chaotischem Spielverlauf nicht wiederholt wird. Düsseldorf hat also gewonnen und es gilt: Die erste Liga ist hart, die zweite Liga ist hertha.

Nehmen Sie es nicht zu hart heute Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Thilos Tabus"

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  • Es ist erstaunlich wie Sozen versuchen gegenseitig die Trommel zu schlagen.

    Sarrazin um sein Buch zu verkaufen und Steinbrück einen Vortrag für 20.000 Euro an Land zu ziehen.

    Das ist unterste Schublade, was die beiden da mal wieder abgezogen haben.

    Wären beide ethisch und moralisch nicht so verbrannt, könnte man ja über das was sie so von sich geben einmal nachdenken. Da sie sich mit früheren Äußerungen bereits außerhalb der Gesellschaft gestellt haben, darf man ihre geistigen Winkelzüge nicht mehr als deren eigene Meinung fehlinterpretieren. Das ist alles nur um in die Medien zu kommen und die eigene "Mark" zu kassieren.

    Wie bereits geschrieben: Unterste Schublade!

  • ich bin ihrer meinung und folglich geht daraus hervor: banken verstaatlichen, abschreiben (volkswirtschaftlich gezielt oder pauschaler bruchteil für alle), exzellente sannierer aus der realwirtschaft rein und aufräumen, rekapitalisierung "aus der dünnen luft". und weiter die wesentlichen probleme der menschheit und der "mutter erde" angehen.
    ps: und was die ezb angehen, denn wie sagte noch der freie geist und "der exzellenteste bänder der moderne" a. rothschild: "Gib mir die Kontrolle über die Währung (Geld) einer Nation und es interessiert mich nicht wer die Gesetze macht!"
    was für ein liveau hat dieses land bekommen! Das mann/frau so was sagen muss. es baucht eines richtigen luthers!

  • die Kommentarfunktion zum Bericht über Sarrazin war ausgeschaltet und auf Nachfrage beim HB warum, erhält man keine Antwort. Ist schon irgendwie verdächtig komisch !

    wie auch in anderen Beiträgen ausgedrückt, fürchtet man wohl eine mehrheitliche Zustimmung. Ich habe die Sendung mir angesehen und zusätzlich aufgezeichnet, dann sieht man vielleicht in einiger Zeit, wohin die Reise gegangen ist und wer Recht hat.

    Das "Publikum" bei Jauch war wohl handverlesen, fast auschliesslich Claqueure für Steinbrück, der wie aufgezogen immer denselben alternativlosen Müll laberte. Ich glaube nicht, daß er an Wertschätzung gewonnen hat.

    Es ist schade, daß der ESM nicht zur Sprache kam, seine Rechtmäßigkeit, seine Konsequenzen, keine Frage zum Demokratieverständnis der Parteien, daß wir Bürger in den wichtigen Fragen entmündigt werden und mehr oder weniger offen als zu blöde betrachtet werden.

    Es wird höchste Zeit, daß die selbstverliebten Politiker aller Parteien aus ihrem Elfenbeinturm herausgezerrt werden
    und zur Rechenschaft gezogen werden.

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