Was vom Tage bleibt
Trudelndes Karstadt

Die Karstadt-Chefin geht, die Energiewende trifft die Stadtwerke. Der Verkehrsminister verkündet seine Mautpläne, die Lufthansa geht nach China und Handys werden zum Sicherheitsproblem. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Freier Fall

Es ist in der Tat die Nachricht des Tages: Nach gerade einmal fünf Monaten gibt Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt auf und verlässt den angeschlagen Kaufhaus-Konzern schon wieder. Dieser Abschied aus heiterem Himmel lässt nichts Gutes erahnen. Wenn schon die Chefin keine Chance mehr sieht, wer dann soll es noch richten? Karstadt stehen extrem unruhige Zeiten bevor, die Belegschaft muss sich auf harte Einschnitte vorbereiten. Es kann auch ganz schlimm kommen: Nur wenige Karstadt-Häuser überleben, etwa nach einer Übernahme durch den Kaufhof. Den Schlüssel in der Hand hält Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. Wenn er überhaupt kein Geld mehr gibt, wäre ganz schnell Schluss.

Teure Wende

Erst nach und nach werden die Folgen der Energiewende so richtig sichtbar. Unter den (für die Produzenten) extrem niedrigen Großhandelspreisen leiden nicht nur die Branchengrößen Eon und RWE. Auch viele Stadtwerke in Deutschland betreiben ihre eigenen Kraftwerke, sind also ebenfalls betroffen. Der Stadtwerke-Verbund Trianel hat eine deutliche Warnung ausgesprochen: Etliche Kommunen verlieren eine wichtige Einnahmequelle. Vielerorts haben die Städte in der Vergangenheit die Verluste im Nahverkehr mit den Einnahmen der Stadtwerke ausgeglichen. Offensichtlich hat niemand so richtig über die Folgen der Energiewende nachgedacht. Wir alle werden das zu spüren bekommen.

Das Maut-Spielchen

Verkehrsminister Alexander Dobrindt verbreitet Zweckoptimismus. Auch am Montag verkündet er wieder, dass die geplante deutsche Pkw-Maut nur die ausländischen und nicht die deutschen Autofahrer belasten werde. Wenn es dazu kommt, muss die EU-Kommission einschreiten. Der von Dobrindt einseitig für deutsche Lenker versprochene Nachlass bei der Kfz-Steuer führt zu einer einseitigen Belastung der anderen EU-Bürger. Brüssel wird Deutschland am Ende dazu zwingen, dass solch eine Diskriminierung nach Herkunft gestoppt wird. Dobrindt verweigert die Wahrheit, stattdessen spielt er ein Spielchen für die Öffentlichkeit. Die Maut kann es nur einheitlich für alle Autofahrer geben – für In- und Ausländer gleichermaßen. Da kann Herr Dobrindt noch so oft versprechen, dass die Entlastung für deutsche Autofahrer kommen wird.

Abflug in die Zukunft

Endlich einmal passiert etwas bei der Lufthansa. Das laute Wehklagen aus Frankfurt über die Staatsairlines vom Persischen Golf sind wir bereits gewohnt. Trotzdem muss niemand den Kopf in den Sand stecken und vor Etihad & Co. kapitulieren. Dass es auch anders geht, zeigt jetzt sogar die Lufthansa. Die neue und enge Kooperation mit Air China ist nach vorn und auf Wachstum ausgerichtet. Viele der 1,3 Milliarden Chinesen wollen auch nach Europa und nach Deutschland. Warum nicht mit Lufthansa und Air China? Es ist ein guter Tag, wenn sich Deutschlands größte Airline auf einem Schlüsselmarkt wie China stärker etablieren kann. Mehr davon.

Leiden am Fliegen

Leider gibt es Faktoren, die das Fliegen immer schwieriger machen. Dazu zählt an allererster Stelle natürlich die Sicherheit. US-Behörden haben als neueste Schwachstelle die Mobiltelefone ausgemacht. Wer demnächst mit einem leeren Handy-Akku am Gate steht, dem wird möglicherweise bald das Gerät abgenommen. Oder er verzichtet auf den Flug – beides keine angenehme Perspektive. Aber wir werden uns wohl diesen neuen Vorgaben fügen müssen, es geht nicht anders. Leider.

Einen angenehmen Abend noch einmal ganz ohne Fußball-WM wünscht Ihnen   

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Trudelndes Karstadt"

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  • Karstadt trudelt nicht: Karstadt wird allerdings auch nicht Opfer hoher Ambitionen werden.
    Karstadt wird Karstadt bleiben wie werden, wenn die dafür verantworlichen Entscheider über die dazu erforderlichen Nerven verfügen.
    Der Konzern wäre gut beraten sich von der Lusche Berggruen zu verabschieden - so teuer das auf den ersten Blick wirken mag als so lohnend wird sich das künftig erweisen.

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