Was vom Tage bleibt
Twitter schürt die Gier

Der Börsengang des Online-Netzwerks könnte gut gehen, obwohl Twitter kein Geld verdient. Die Mietpreisbremse ist unsozial. Die Deutsche Bank muss zahlen. Die Briten müssen sich fürs Spähen entschuldigen. Der Tagesbericht
  • 0

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Phantasie oder Gier?

Der Twitter-Börsengang naht und die Spannung steigt. Kann ein Unternehmen, das noch keinen Cent seit seinem Bestehen verdient hat, allein auf die Phantasie der Anleger bauen? Vermutlich geht das, weil Anleger Phantasie gerne mal mit Gier verwechseln.

Unsoziale Mietpreisbremse

Die Mieten in vielen deutschen Großstädten kennen nur eine Richtung: nach oben. Deswegen hat sich die SPD eine Mietpreisbremse ausgedacht. Die Union hat, weil die Idee sehr sozial klingt, auch „ja“ gesagt und nun kommt sie: die Begrenzung für Wohnungsmieten. Doch was die Koalitionäre da ausgebrütet haben, ist das Gegenteil von sozial: Es schadet all denen, die in Zukunft  verzweifelt eine bezahlbare Wohnung suchen. Was wird nämlich passieren? Grund für steigende Mieten ist eine Nachfrage, die höher ist als das Angebot. Zur Zeit werden weniger Wohnungen gebaut, als gebraucht werden. Die einzige Abhilfe lautet logischerweise: mehr Wohnungen bauen. Bedingung für Bauherren ist, dass sie ihr Vorhaben finanzieren können. Eine gedeckelte Miete bewirkt das Gegenteil. Die Finanzierung wackelt. Die Folge ist: Investoren lassen ihre Baupläne lieber in der Schublade. Wohnraum bleibt knapp. Und der Mieter bleibt der Dumme. Die Politik hat etwas gut gemeint, aber damit das Gegenteil bewirkt.

 

Unter Banken wird Petzen belohnt

Die EU-Kommission will gegen sechs Banken millionenschwere Strafen wegen Manipulationen bei der Berechnung des Euribor-Zinssatzes verhängen. Die Deutsche Bank ist da in Gesellschaft mit so klingenden Namen wie der Royal Bank of Scotland und der HSBC. Nur Barclays ist fein raus: Die haben nämlich gepetzt, und die EU-Ermittler erst auf den Fall aufmerksam gemacht. Für Barclays gilt damit etwas, was für Edward Snowden offenbar nicht gilt, womit klar wird: Unrechtes öffentlich zu machen, ist nur dann keine gute Idee, wenn außer einem selbst noch andere zum Bestrafen da sind.

Es geht ein bisschen vorwärts

Mit der Konjunktur in der Euro-Zone geht es aufwärts und zwar um 1,1 Prozent im nächsten Jahr. So lautet jedenfalls die ein ganz klein bisschen nach unten revidierte Konjunkturprognose der EU. Vor allem Deutschland soll mit 1,7 Prozent für einen Schub sorgen. Für Deutschland ist das ein ordentlicher Wert. Für Länder wie Portugal, Spanien oder gar Griechenland ist es viel zu wenig. Es ist wie beim Volkslauf: Den einen geht es zu langsam, den anderen zu schnell, und nicht alle kommen ins Ziel.

Diplomatische Feinheiten

Außenminister Guido Westerwelle hat den britischen Botschafter ins Auswärtige Amt eingeladen. Man habe Botschafter Simon McDonald zu einer Stellungnahme zu den jüngsten Vorwürfen gebeten, wonach der Geheimdienst einen Horchposten auf dem Dach der britischen Botschaft in Berlin betreibt, teilte das Auswärtige Amt mit. Eingeladen ist übrigens etwas anderes als einbestellt – ein Prozedere, das der US-Botschafter hierzulande jüngst mitmachte. Ein Horchposten auf dem Dach ist eben auch nicht so schlimm wie einer im Handy der Kanzlerin. Der Diplomat weiß eben, feine Unterschiede zu machen.

Bleiben Sie diplomatisch heute Abend, wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Twitter schürt die Gier"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%